Sie haben die Schrecken des Bürgerkriegs in Syrien erlebt, Verwandte und Freunde sind getötet, ihre Häuser bombardiert und zerstört worden: 32 Männer, Frauen und Kinder, die am Dienstag als erste syrische Kontingentflüchtlinge in Kulmbach angekommen sind und sich hier willkommen fühlen dürfen. "Die Menschen sind mit ihren Kindern und dem, was sie auf dem Leib hatten, geflüchtet. Wer Angst um sein Leben hat, den müssen wir aufnehmen", betont Oberbürgermeister Henry Schramm. Um zu helfen, hat die Stadt zwei städtische Häuser am Hundsanger renoviert, wo bald auch noch 22 syrische Flücht linge einziehen werden, die jetzt in Unter steinach untergekommen sind.

Hamud (15) mit der modischen Undercut-Frisur und dem Sportler-T-Shirt ist froh, mit seinen Eltern und den drei Geschwistern eine Bleibe gefunden zu haben. Seit fast zwei Jahren ist die Familie aus Aleppo im Nordwesten Syriens auf der Flucht und schließlich in Tripoli im Libanon gelandet. Um für nachdrängende Flüchtlinge Platz zu machen, sei man von UN-Mitarbeitern gefragt worden, "ob wir nach Deutschland wollen".

Hausordnung auf Arabisch

Nach einem kurzen Aufenthalt im Aufnahmelager Friedland in Niedersachsen bringt ein Bus die Flüchtlinge nach Kulmbach. Hier hat die Stadt an alles gedacht: Getränke und Brot in den Wohnungen, sogar ein Willkommensschreiben und eine Hausordnung auf Arabisch gibt es. "Die Leute müssen ja wissen, dass im Keller eine Wasch maschine steht und ein Trockner", so OB Schramm. Er ist dem syrischen Arzt Mohamed-Ghanem Drag-al-Sibai, der seit zwei Jahren als Urologe am Kulmbacher Klinikum arbeitet, und seinen Söhnen Hosam-Eldin und Ramy dankbar, dass sie sich als Dolmetscher zur Verfügung stellen.

"Es ist meine Pflicht, meinen Landsleuten zu helfen, und meine Söhne machen auch mit", erklärt Mohamed-Ghanem Drag-al-Sibai, der vor zwei Jahren selbst aus Syrien geflüchtet ist. "Ich war früher schon einmal drei Jahre in Deutschland und hatte dann 28 Jahre lang eine Praxis in Homs. Als wir ausgebombt wurden, musste ich weg, damit meine Söhne eine Zukunft haben", berichtet der Arzt.

OB Schramm hat bisher "überwiegend positive Rückmeldungen" für die Aufnahme der Syrer bekommen. Auch viele Mitarbeiter der Stadtverwaltung helfen mit, "ohne dass ich was sagen muss". Die Flüchtlinge, so wünscht er, "sollen jetzt erst mal zur Ruhe kommen".



Flucht aus Syrien

Kontingent Deutschland hat sich verpflichtet, ein Kontingent von 20 000 Bürgerkriegsflüchtlingen aus Syrien aufzunehmen. Daher der Name Kontingentflüchtlinge. Dazu gehören auch die Syrer in Kulmbach und Untersteinach. Insgesamt leben derzeit über 80 000 Menschen aus dem Bürgerkriegsland in Deutschland.

Sonderstatus Nach Auskunft der Regierung von Oberfranken haben die Kontingentflüchtlinge - im Gegensatz zu Asylbewerbern - einen Sonderstatus: Sie haben zunächst ein Bleibe recht für zwei Jahre, dürfen sich in Deutschland frei bewegen und dürfen auch arbeiten.