Mit zwei lachenden Augen kommt Pfarrer Jürgen Singer nach Kulmbach, auch wenn bei seiner Verabschiedung in Neuendettelsau so einige Tränen geflossen sind. Ein letztes Mal hätten ihm viele Menschen auf ihre eigene Art und Weise Nähe, Glaube und Solidarität gezeigt, erzählt der 54-jährige im Gespräch. Bald kann er diese Eigenschaften mit der Kulmbacher Kirchengemeinde teilen. Die Pfarrstelle Kreuzkirche wird neu besetzt und Pfarrer Jürgen Singer am 5. März in einem Festgottesdienst offiziell ins Amt eingeführt.


Mit Gottes Beistand

Leicht fiel der Abschied von St. Nikolai in Mittelfranken nach 15 Jahren nicht. Doch traurig ist Jürgen Singer keineswegs. "Ich denke, Gott braucht mich woanders", erklärt er. Auch wenn die Kulmbacher Gemeinde unbekanntes Land sei, vertraut er der Geistliche auch hier auf Gottes Beistand. So wie Gott zu Mose sagt "Ich bin für dich da", sieht er sich auch in Kulmbach nicht allein gelassen und freut sich auf die neuen Herausforderungen.

Eine davon: Fast sein ganzes Dienstleben hat er im Team gearbeitet, zuletzt in einer sehr großen Kirchengemeinde. In Kulmbach muss er den sonntäglichen Gottesdienst alleine bestreiten, was er aber betont "von ganzen Herzen und mit Überzeugung" tue. Mit Unterstützung von Kirchenvorstand und vielen anderen neuen Gesichtern der Kirchengemeinde, die ihn bereits herzlich willkommen geheißen haben, werde er auch diese Umstellung funktionieren, so Singer optimistisch.

Allein ist er ohnehin nicht. Mit ihm nach Kulmbach kommen seine Frau - selbst Theologin - und die vier Kinder. Die älteren stecken schon im Studium, die beiden jüngeren sind bald Schüler am Kulmbacher Caspar-Vischer-Gymnasium.


Jugendarbeit und Ökumene

Als Familienvater freut er sich vor allem auf die Arbeit mit dem Kindergarten. Die Möglichkeit, jungen Menschen schon von Kindesbeinen an die biblische Geschichte nahe zu bringen, sei ihm eine Herzensangelegenheit und sei auch ein wichtiges Kriterium für seinen Start in Kulmbach gewesen. Doch die Arbeit mit Senioren sei ihm nicht minder wichtig: "Ich möchte gerne ein Pfarrer für alle Generationen sein".

Ein weiterer wichtiger Aspekt in seiner Arbeit als Pfarrer ist das Thema Ökumene. Um zu verdeutlichen, wie er das Miteinander von Christen beider Konfessionen sieht, greift er zu eine Metapher: für ihn seien die Konfessionen doch nur verschieden Reben, die am gleichen Weinstock gedeihen. Was zusammen gemacht werden kann, das solle man laut Singer - wenn möglich - auch gemeinsam angehen. So gestaltet er Seniorenausflüge, die Sternsinger-Aktion und Gottesdienste im Grünen bisher gerne ökumenisch und würde das auch im Kulmbach gerne so fortsetzen. Auch das Reformationsjubiläum in diesem Jahr würde er gerne ökumenisch als "Christusfest" feiern.


Nach 24 Jahren in Kulmbach

Gänzlich unbekannt sind sich Singer und Kulmbach im Übrigen nicht. Er gesteht, sich schon einmal "beworben" zu haben. Im Sommer 1993 habe er eine Interessenbekundung nach Kulmbach geschickt - obwohl er zu diesem Zeitpunkt noch nicht offiziell bewerbungsfähig war. Trotz der Eigeninitiative dauert es letztlich über 20 Jahre, bis ihn sein Weg nach Kulmbach führt.

Begeistern kann er sich auch für andere Aspekte der Stadt, wie etwa das kulturelle Angebot und die zahlreichen sportlichen Möglichkeiten. Er selbst schafft als ambitionierter Langstreckenläufer die zehn Kilometer noch unter 45 Minuten. Der neue Mann fürs evangelisch-lutherische Dekanat in Kulmbach ist demnach sportlich und gesellig: auch die Bierwoche hat Jürgen Singer schon besucht, zuletzt um auf die neue Stelle anzustoßen.


Kreuzkirche lädt ein

Einführung
Zur Einführung von Jürgen Singer findet am Sonntag, 5. März, um 14 Uhr ein Festgottesdienst in der Kreuzkirche statt. Danach veranstaltet die Kirchengemeinde im Gemeindehaus einen Empfang.

Vorgänger Singer tritt die Nachfolge von Pfarrer Martin Wolff an, der im vergangenen Juli nach 16 Jahren verabschiedet wurde.

Struktur Die Kirchengemeinde Kreuzkirche gehört zum evangelisch-lutherischen Dekanat Kulmbach.