Walzer, Galopp, Hopperer und Tango. Dazu Heimatlieder, Herz und Schmerz und ein bisschen Schlager. Das Konzertina-Treffen im Bräuwerck erfüllte mal wieder alle Wünsche.

Unbeschwert, improvisationsreich, aus dem Bauch heraus, als Gruppe oder solo: Die Volksmusikanten spielten sich ganz schnell in die Herzen der zahlreichen Zuhörer. Die weichen Töne der Konzertina und des Bandoneons berührten. Ein Nachmittag der Melancholie, des Erinnerns und der Freude.

Die Virtuosen alten Stils kamen aus dem Bayreuther Umland, dem Frankenwald und Fichtelgebirge und sogar aus dem Erzgebirge.

Der Sachse Andreas Riedel sorgte mit dem "Schwamma-Lied" für besondere Aufmerksamkeit, die Gruppe Pastyrik aus Weidenberg mit Altmeister Theo Knopf und Tuba-Bläser Hans Schöffel brillierte. Das war ganz schulmäßig und äußerst taktgenau. Viel besser kann man der Konzertina nicht Ausdruck geben.


Rasante Variationen

Und als dann noch der 79-jährige Günter Fröba aus Teuschnitz in rasant schnellen Variationen den Zirkus-Renz-Galopp intonierte, folgte lang anhaltender Beifall. Herbert Schmidt aus Speichersdorf, der Liedmacher, ließ die Seele aufblühen: "Ich sage Dankeschön, weil ich Dich ganz besonders mag."

Das Dachboden-Trio aus Dressendorf stellte sich schön fränkisch vor, gemütlich, bodenständig, und entführte ebenso in die Schlagerwelt. In die unvergessene Melodie "Der Mond hält seine Wacht" stimmten alle ein, sogar Bürgermeister Harald Hübner in melodiöser Qualität.

Nahezu konzertreif das Duo Matthes aus Neustadt bei Coburg mit zusätzlichem Bass-Bandoneon, ihre beiden Tango-Adaptionen waren gefüllt von argentinischer Schwermut. Und die zwei Frankenwäldler Herbert Michel und Franz Leupoldt, prägend ihr direkter und uriger Charme, forderten beim "Rennsteig-Lied" zum Mitsingen auf.

Als sich dann zum Finale alle, die ein Instrument dabei hatten, gemeinsam auf der Bühne versammelten und mit "Wien bleibt Wien" überraschten, bekam der abwechslungsreiche Nachmittag seine gelungene Abrundung.
Nach dem offiziellen Teil unterhielten zahlreiche Zugaben in individueller, spontaner Spielerei das Publikum.
Eigentlich wollten Alfons Rieß aus Marktleugast und Bernd Cremmling aus Untersteinach, zwei eingefleischte Konzertina-Spieler, auch wieder in Neudrossenfeld auftreten wie schon kürzlich beim Musikantentreffen. Höhere Umstände verhinderten das jedoch.


Instrumentenbörse

Dafür betreute Cremmling die Instrumentenbörse: "Ich mache das gerne, weil wir da freiwerdende, echt ursprüngliche Konzertinas unters Volk bringen können, so wie sie heute nicht mehr gebaut werden.An jüngere Leute, zum Lernen."

Die Konzertina sei ein wechselsaitiges Instrument, erzeuge auf jedem der 51 Knöpfe zwei Töne, ausgelöst durch Zug und Druck, erklärte er. "Man kann mit ihr der fränkischen Volksmusik ein wunderschönes Gesicht geben", schwärmte der Kenner.

Carolin Pruy, Leiterin der Beratungsstelle für Volksmusik in Franken, kündigte das nächste Konzertina-Treffen für den 5. November 2017 im Bräuwerck an. "Diese Begegnungen sind wichtig für den Erhalt der Konzertina- und Bandoneon-Tradition in Franken und darüber hinaus", sagte sie.