Taxifahren zum halben Preis, um in die Disco nach Schwingen oder Burgkunstadt zu kommen - es könnte für Jugendliche zwischen 16 und 24 Jahren eine ideale Lösung sein, die der Landkreis Kulmbach vorbereitet: die Einführung des 50/50-Taxis, die jungen Kulmbachern neben dem Discobus eine flexible Nahverkehrslösung bieten würde.

Wie das Taxi-Projekt aussehen könnte? Vorgesehen ist offenbar, dass sich die Nachtschwärmer beim Landkreis Kulmbach registrieren lassen. Anschießend erhielten diese die 50/50-Karte, die sie dem Taxifahrer vorzeigen müssen. Dieser bekommt nach Abschluss der Fahrt die Hälfte der Kosten direkt bezahlt und rechnet dann die andere Hälfte mit dem Landkreis Kulmbach ab.


"Es gibt Verknüpfungspunkte"

"Wir sind bei den Planungen noch ganz am Anfang", sagt Landrat Klaus Peter Söllner (FW), der am Donnerstag das Gespräch mit dem Lichtenfelser Landrat Christian Meißner (CSU) gesucht hat. "Wir haben vereinbart, dass wir eine gemeinsame Lösung wollen, weil es gemeinsame Verknüpfungspunkte mit dem Raum Weismain/Burgkunstadt gibt", betont Söllner. Der Landkreis Lichtenfels hat das 50/50-Taxi bereits (siehe unten).

In den nächsten Monaten werde man das Projekt konkretisieren, stellt der Kulmbacher Landrat fest. Söllner zeigte sich gestern überrascht, dass die Junge Union (JU), die den Antrag für das 50/50-Taxi gestellt hat, die Pläne in einer Pressemitteilung veröffentlicht hat, zumal noch nicht einmal Gespräche mit den Taxiunternehmen geführt worden seien. Dafür hätten noch die Grundlagen gefehlt.


JU geht es um die Sicherheit

JU-Kreisvorsitzender Patrick Kölbel hat sich in einer schriftlichen Erklärung erfreut darüber gezeigt, dass Fortschritte erzielt worden seien. An Wochenenden oder an Feiertagen wolle man jungen Leuten beim Ausgehen die Möglichkeit bieten, Taxi zu fahren. Es wäre eine große Erleichterung vor allem für diejenigen, die keinen Anschluss an den Discobus hätten.

Auch der Heimweg würde sicherer gestaltet, so Kölbel. Der Jungen Union gehe es vor allem auch darum, Disco-Unfälle zu vermeiden. Gerade Fahranfänger würden die Gefahren nachts unterschätzen und könnten dann vom Auto kostengünstig auf das Taxi umsteigen.

Dass die Kosten für das Projekt gut angelegt wären, um die Mobilität der jungen Generation zu verbessern, stellt stellvertretender Landrat Jörg Kunstmann (CSU) fest, der den JU-Antrag im Kreistag eingebracht hat.

Wie Michael Beck, der beim Landkreis Kulmbach für den ÖPNV zuständig ist, mitteilt, würden die Freizeitbusse auch bei der möglichen Einführung des 50/50-Taxis im Jahr 2017 weiter fahren. Ob die Freizeitbusse aber zusätzlich zum 50/50-Taxi längerfristig eingesetzt würden? Ob die Taxifahrer überhaupt bereit sind, das ÖPNV-Projekt zu unterstützen? Fragen, die sich stellen werden.


Das sagen Taxiunternehmer

Wie die BR erfahren hat, sind längst nicht alle Taxiunternehmen begeistert. Taxi Braun, Taxi Kolb und Taxi Kerl haben erklärt, nicht mitmachen zu wollen. Zu wenige Fahrer, keine freien Kapazitäten und der zusätzliche Bürokratismus sind Gründe, die angeführt werden.


Mit dem Großraumtaxi

Ein zusätzliches Geschäft sieht indes das Taxiunternehmen Gräf. "Wir unterstützen das. Wir haben auch ein Großraumtaxi, das da sicher gefragt wäre", betont Monika Gräf, die davon überzeugt ist, dass das 50/50-Taxi für die jungen Leute, aber auch für die Unternehmer ein Gewinn sein kann.



Wie läuft das Projekt im Landkreis Lichtenfels?
Im Landkreis Lichtenfels bringt das 50/50-Taxi schon seit über 14 Jahren Jugendliche an Wochenenden und Feiertagen von der Party nach Hause. 2009 wurden die Nutzungsbedingungen geändert und neue Berechtigungsausweise ausgegeben.

Laut Andreas Grosch, Pressesprecher des Landratsamtes Lichtenfels, wurden seitdem 4697 Ausweise beantragt. "Unserer Meinung nach wird es gut angenommen", erklärt Grosch. Die Zahl an beförderten Personen pro Fahrt sei beachtlich. Auf 142 954 Fahrten seit Einführung kommen 432 366 Personen. Im Durchschnitt fahren also drei Personen gemeinsam mit einem Taxi.

Die Zuschüsse des Landkreises seit der Einführung sind beachtlich: Über eine Millionen Euro wurden investiert. Pro Fahrt seien das um die 7,95 Euro, die der Landkreis bezahlt.

Die nächsten Jahre soll es das 50/50-Taxi weiter geben. "Wir sind derzeit sogar dabei, das Projekt einem Update zu unterziehen", erzählt Grosch. Gemeinsam mit dem Kreis Kulmbach sollen die Registrierung sowie die Abrechnungsmodalitäten neu entwickelt werden.

Die Zusammenarbeit mit den Taxiunternehmern laufe reibungslos. Pro Fahrzeug gebe es eine Liste, in der die Berechtigungskartennummer, die Uhrzeit, Start und Ende, der Preis und die Unterschrift des Fahrgastes eingetragen werden.

Diese Listen werden einmal im Monat beim Landratsamt eingereicht. Das Abrechnungsmodell soll jedoch noch Nutzerfreundlicher werden. Angedacht sei eine Koppelung mit dem neuen Personalausweis.