Kurz nach 7 Uhr war es gestern so weit: Die 30 Tonnen schwere Fräsmaschine W 210 rückte an - und zieht seitdem von Heinersreuth bis zur Landkreisgrenze die stark in Mitleidenschaft gezogene Oberfläche der Straße ab.
"Ich bin ja in ganz Europa unterwegs. Für mich ist das hier ganz normal", lacht Simon Erxleben. Er ist der Fahrer der Kaltfräsmaschine. Lässig steht er auf seinem hoch gelegenen Führerhausplateau und drückt ein paar Hebel. "Hier kann ich die Bildschirme bedienen, denn die Fräse hat vorne und hinten Kameras. Sonst würde ich ja nichts sehen", erklärt Erxleben.

Via Knopfdruck kann er die Schnitttiefe einstellen. Die steht auf der Straße noch einmal zur Erinnerung aufgemalt: Vier Zentimeter ab Oberfläche sollen abgefräst werden. Die Maschine hat im vorderen Bereich einen gigantischen Rüssel, der die abgefrästen Teile in hohem Bogen auf Lastwagen spuckt.

Doch während Bürgermeister Siegfried Beyer und Ludwig Freiherr von Lerchenfeld sowie die Leute vom Bauhof schauen, wie der Maschinenkoloss innerhalb von wenigen Minuten eine Frässpur auf zwei Meter Breite hinterlässt und der bisherigen Straße quasi die Haut abzieht, ist das für Erxleben Alltag. Nichts Aufregendes. "Ich brauch' hier vielleicht zwei Tage. Bis Samstag will ich fertig sein", sagt der Fahrer.

Volle Leistung


Drei oder vier Mal wird er auf der Staatsstraße von Heinersreuth bis zur Landkreisgrenze fahren. "Aber schneller als jetzt geht es nicht", zeigt Erxleben die volle Leistung. Immer wieder wird die Maschine gestoppt, weil die Lkw wechseln müssen.

Seit gestern wird vom Ortsende in Presseck bis zur Landkreisgrenze auf einer Strecke von 4,7 Kilometern der gesamte Belag abgefräst. Dann wird die Firma Stratebau unter der Regie des Staatlichen Bauamts Bayreuth die Straße komplett sanieren. "Es ist seit Jahren nur ausgebessert worden", ist Bürgermeister Siegfried Beyer heilfroh, dass endlich die Strecke voller Risse, Aufbrüche und Löcher erneuert wird. Jeden Winter sind die Spurrinnen größer geworden. Und auch die Bankette sind abgebrochen.

Material für andere Wege


Insgesamt werden 2600 Tonnen Material aus der Straße geholt. "Das entspricht zwischen 300 und 400 Lkw-Ladungen", sagt Ludwig von Lerchenfeld.
Da schon vorher geprüft worden ist, dass keine Schadstoffe beim Bau der Straße verwendet worden sind, wird das Altmaterial recycelt und für die notdürftige Sanierung anderer Wege verwendet. Es wird die Zufahrt nach Wustuben, zur Papiermühle und zum Pressecker Knock verbessern. Einen Teil des Materials verwenden die Waldbauern außerdem zur Sanierung der Waldwege. "Wir machen die Anschlüsse. Das ist ja auch sinnvoll, denn so können wir mit dem Restmaterial auch noch etwas Richtiges und Sinnvolles anfangen", so Lerchenfeld.
Doch so schnell der Belag auch abgefräst ist, die Sanierung dauert noch einige Zeit. "Denn es handelt sich nicht um eine reine Oberflächensanierung, sondern schon um eine grundlegende Maßnahme", betont Bürgermeister Siegfried Beyer. Bis Ende September wird mit Behinderungen gerechnet.

Der Verkehr aus Richtung Stadtsteinach wird über die B 303 in Untersteinach, über die Kreisstraße KU 13 Richtung Guttenberg und Neuensorg, dann weiter Richtung St 2158 Grafengehaig zur Staatsstraße 2195 geleitet - und natürlich auch in Gegenrichtung.
Problematisch ist die Situation für die Anwohner aus Heinersreuth und Schnebes. Doch die ausführende Baufirma hat versprochen, dass die Zufahrt aus einer Richtung immer möglich sein wird. "Wir müssen natürlich mit Behinderungen rechnen und Einschränkungen in Kauf nehmen, aber dafür haben wir dann wieder eine vernünftige Straße", so Baron Lerchenfeld.