Ab 1. Oktober 2015 wird Sibylla Naumann, geborene Kneitz, an der Spitze des weltweit agierenden Textilunternehmens stehen. Die 37-jährige ausgebildete Apothekerin und frisch gebackene Unternehmerin sagte zu den Mitarbeitern: "Ich freue mich, mit Ihnen allen ab Herbst 2015 das Schiff auf Kurs zu halten."

In diesem Zusammenhang gab Vorstand Alfred Kneitz noch ein weitere erfreuliche Nachricht bekannt: Das Geschäftsjahr 2014/15 konnte ähnlich erfolgreich wie das vorherige abgeschlossen werden.

Erklärtes Ziel war es, so Vorstand Alfred Kneitz weiter, die Weichenstellung von Wilhelm Kneitz erfolgreich weiterzuführen: "Dieses Ziel, was wir uns vorgenommen haben, haben wir durch Leistung und Engagement aller Beschäftigten im vergangenen Geschäftsjahr erreicht. Das Geschäftsjahr 2014/15 wird ähnlich positive Ergebnisse wie das Vorjahr ausweisen. Dazu allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern herzlichen Dank. Wilhelm Kneitz wäre zufrieden gewesen."


Die Firma weiterführen

Ralf-Herbert Kneitz ergriff als Aufsichtsrat das Wort und erinnerte daran, dass sein Vater Wilhelm Kneitz vor einem halben Jahr verstorben ist: "Wie ich damals schon in der Kirche angekündigt hatte, wollen wir den Mut nehmen, den uns unser Vater mitgegeben hat, die Firma und natürlich auch die Familie weiterführen."

Ralf-Herbert Kneitz machte deutlich, dass es nie zur Diskussion gestanden habe, die Eigentümerschaft oder die Leitung der Firma aus der Familienhand zu geben. So habe sich die Familie Gedanken gemacht und in relativ kurzer Zeit Entscheidungen getroffen. Dazu gehörten auch alle Vorbereitungen, die Führung der Firma weiter in der Familie zu behalten.

Man wolle die Firmenphilosophie des Firmengründers und Urgroßvaters, des Großvaters und des Vaters behalten. Als Arzt mit Leib und Seele komme er für die Firmenleitung nicht in Frage, sagte Ralf-Herbert Kneitz: "Ich will mich da nicht der Verantwortung entziehen, aber es gibt Bessere, die es besser können als ich. Die Familie, ich und der Aufsichtsrat sind sehr stolz, ihnen heute ihre neue Chefin vorzustellen - und das ist die Urenkelin des Firmengründers und meine Schwester Sibylla Naumann."

Mit ihr wird auch der Ehemann Matthias Naumann, in den Vorstand der Textilwerke Kneitz eintreten. Dies wird allerdings erst ab 1. Januar 2016 der Fall sein.

In ersten Worten an die Belegschaft stellte die künftige Vorständin der Textilwerke Kneitz AG fest, dass das Jahr 2015 ein Jahr des Abschiednehmens und der Veränderungen gewesen sei. Die erste glückliche Veränderung war nach den Worten von Sibylla Naumann die "Über-Nacht-Entscheidung" von Alfred Kneitz, den Vorstandsposten übergangsweise zu übernehmen: "Diese Entscheidung machte es meiner Familie und meinem Bruder möglich, sich intensiv Gedanken über die Wilhelm Kneitz AG zu machen. Der Familienrat konnte regelmäßig zusammentreffen. Ein Verkauf der Firma kam für mich und meinen Bruder als Alleinerben der Firma nicht in Frage." Es galt vielmehr, zügig eine dauerhafte Lösung für den Fortbestand der Textilwerke Kneitz zu finden."
Die künftige Chefin weiter: "Viele Gespräche mit der Familie, dem Vorstand, dem Aufsichtsratsvorsitzenden und diverser externer Vertrauten waren nötig, die Aufgabe und das Geschäft, was wir erhalten haben, zu begreifen und auch zu ergreifen. Die Firma Kneitz soll in Familienhand in vierter Generation weiter geführt werden. Die Fußstapfen meines Vaters Wilhelm Kneitz sind sehr groß, allein kann ich diese nicht füllen, deshalb bin ich froh und glücklich, dass sich mein Mann ebenso bereiterklärt hat, nach Kulmbach zu ziehen und ab 2016 als stellvertretender Vorstand hier tätig zu sein."

Als selbstständiger Architekt bringe er Kreativität und unternehmerisches Zukunftsdenken mit. Seine Art, sich mit schwierigen Themen der Zukunft auseinander zusetzen, werde sie sehr ergänzen.
Es sei nicht einfach für die junge Familie, Beruf und privates Umfeld in Hessen aufzugeben, aber gemeinsam mit ihrem Ehemann Matthias Naumann und Bruder Ralf-Herbert Kneitz wolle man sich der sozialen Verantwortung stellen: "Unsere Vorfahren haben es uns vorgemacht! Das Schiff, die Firma Kneitz, soll mit ihren Mitarbeitern in Wirsberg auf Kurs bleiben und hoffentlich in immer ruhigen Gewässern schwimmen. Diesen Neuanfang wollen wir mit Mut, Kraft und ihrer Unterstützung meistern!"

Interview
"Die Kraft und die Power habe ich vererbt bekommen"



Sibylla Naumann, geborene Kneitz, zieht aus Büdingen/Hessen hierher. Im Gespräch mit der BR nimmt sie zu ihrer neuen Aufgabe Stellung:

Frau Naumann, es war eine Entscheidung des Familienrates. Wie schnell ist diese denn entstanden?
Sibylla Naumann: Mein Vater ist ja im Januar dieses Jahres verstorben, und ich denke, wir kamen im März das erste Mal zusammen und haben uns sofort Gedanken gemacht, Gespräche geführt, wie man als Berufsfremde aktiv werden kann. Ziel war es immer, dass die Firma weiter bestehen bleibt.

Wie haben Sie sich konkret informiert?
Ich habe zunächst einmal in der Firma Gespräche geführt und externe Vertraute, die in der Wirtschaft tätig sind, hinzugezogen. Ich wollte einfach wissen, ob die Firma durch berufsfremde Führung weiter bestehen kann. Das oberste Ziel war dabei für mich, dass die Arbeitsplätze hier erhalten bleiben und die Antwort auf die Frage: Kann es eventuell jemand Externes besser als ein Familienmitglied.

Und welche Antwort haben Sie bekommen?
Das Familienmitglied, sonst würden wir es nicht machen! Es gab noch weitere Überlegungen, wie man das alles bewerkstelligen kann, macht man es alleine oder mit dem Bruder zusammen? - Wir hatten wirklich das Glück, dass wir uns Zeit lassen konnten, weil ja Alfred Kneitz die Aufgabe als Vorstand des Unternehmens wahrnahm. Wir haben dann die Lösung gefunden, dass ich Vorstand werde und mein Mann als Stellvertreter fungiert.

Frau Naumann, werden Sie in die Arbeit als Vorstand in der Regel mit "Learnig by doing" hineinwachsen?
Ich muss natürlich den Betrieb erst kennenlernen. Ich habe auch schon mit unserem jetzigen Vorstand Alfred Kneitz viel in den letzten Monaten besprochen. Er hat auch die Vorarbeit dafür geleistet, um eine Übergabe zu ermöglichen. Dann heißt es schon, sich fortzubilden, betriebswirtschaftlich, Personalführung, und auch für die Technologie muss ein gewisses Grundwissen da sein. Das wird auch der Bereich meines Mannes sein.

Bei Ihnen spürt man sehr viel Selbstvertrauen und viel Power. Das alles wird auch notwendig sein, oder?
Absolut - und ich komme ja auch aus einem Betrieb mit 120 Mitarbeitern. Ich hatte dort die Generalvollmacht. Ich hätte dort, wenn was gewesen wäre, auch den Betrieb übernommen. Ich denke, die Kraft und die Power, die habe ich auch vererbt bekommen - und wenn ich ein Ziel vor Augen habe, dann möchte ich das auch erreichen.

Es war sicherlich schwer, den Beruf als Apothekerin aufzugeben?
Ja, denn ich bin seit 2000 im Apothekenwesen tätig - und das einfach aufzugeben, war einfach schwierig. Ich habe mich aber etwas leichter getan, weil ich jetzt in Elternzeit war. Vor zwei Jahren wäre die Entscheidung sicher nicht so leicht gefallen.

Wie schwer war denn die Entscheidung für Ihren Ehemann?
Er hat eigentlich die Entscheidung mit forciert und mir von Anfang an zu verstehen gegeben, wenn Du mich brauchst, dann helfe ich Dir. Er wird seine Arbeit im Architekturbüro noch beenden, denn er hat noch Aufträge laufen.