"Hoffentlich ist das rote Ding bald weg", echauffieren sich zwei ältere Damen, die es sich auf einer Bank am Oberauhof gemütlich gemacht haben. Mit dem "Ding" meinen sie den Weidezaun, der am Ufer aufgestellt ist und verhindern soll, dass Graugänse auf die Liegewiese gelangen, um zu grasen.

Christine Kern denkt da anders. Sie hofft, dass der Zaun bleibt. "Seit der steht, sind die Gänse weg", sagt die Kiosk-Betreiberin, die sich an den Sommer 2015 erinnert, als es nicht nur einen Blaualgenteppich auf dem Wasser gab, sondern die ganze Wiese mit Vogelkot übersät war.


Selbst Experten staunen

Die Gänse könnten mit der Grund dafür sein, dass es Jahr für Jahr zur Algenplage kommt. Eine Plage, deren Ausmaß selbst Experten überrascht. "So was habe ich noch nicht gesehen", hat Jochen Schaumburg vom Landesamt für Umwelt bei der "Seenkonferenz" erklärt, die in Steinenhausen stattgefunden hat. Schaumburg hat deutlich gemacht, dass das starke Algenwachstum vielerlei Ursachen haben kann.
Ein möglicher Grund sind eben die Hinterlassenschaften der Gänse, die zu einem Anstieg des Phosphat-Gehalts in der Kieswäsch führen könnten, der das Algenwachstum begünstigt. Zu der Zeit, als sogar ein Badeverbot verhängt werden musste, war der Nährstoffgehalt im Wasser extrem hoch.


Tiere werden auch bejagt

Die Stadt Kulmbach versucht mit allen Mitteln, die Algenplage zu bekämpfen. So werden die Vögel von Jägern bejagt. Über 30 Tiere seien schon geschossen worden, sagt der geschäftsleitende Beamter, Uwe Angermann. Der Zaun, der nicht nur am Ufer, sondern auch auf der Insel angebracht wurde, soll den Vögeln nun den Übergang an Land erschweren und einen schnellen Flugstart verhindern. Angermann: "Wir hoffen, dass wir die Tiere so vergrämen."

Ob die Gänse der alleinige Grund für die Algenplage sind, weiß allerdings niemand. Und so wird ein ganzes Bündel an Maßnahmen ergriffen, damit der Oberauhof in den Sommermonaten als Erholungsgebiet genutzt werden kann. Die Stadt hat auch die landwirtschaftliche Bewirtschaftung umliegender Flächen unter die Lupe genommen, denn auch der Düngemittel-Einsatz könnte den hohen Phosphat-Gehalt im Wasser verursachen. Das sei nach den Erkenntnissen, die man in einer Fachrunde gewonnen habe, aber nicht anzunehmen. Es werde dort kaum gedüngt, stellt Uwe Angermann fest.


Zu viele Weißfische?

Am Dienstag und Mittwoch galt am Oberauhof nun ein Badeverbot. Mitarbeiter der Fachberatung Fischerei des Bezirks Oberfranken waren mit dem Boot auf der Kieswäsch unterwegs. Mit einer Elektro- und einer Netzbefischung sind sie der Frage nachgegangen, ob es ein zu großer Weißfisch-Besatz ist, der das Wachstum der Algen begünstigt. Weißfische wie die Brachsen oder auch die Rotaugen fressen das Zooplankton, das von den selben Nährstoffen wie die Blaualge lebt. Würde das Zooplankton verdrängt, wäre der im Wasser gebundene Nährstoffgehalt ausschließlich für die Algenkulturen vorhanden. Diese hätten so optimale Rahmenbedingungen für ihr Wachstum.


Viele Rotaugen

Das Ergebnis der Befischung spricht allerdings gegen diese These. Die Zahl der Weißfische, die Kay Kuhnen und Simon Abt aus dem Wasser holten, war gering. Die beiden Fischwirtschaftsmeister hatten über Nacht drei große Fangnetze ausgebracht, in denen sich vor allem Rotaugen verfingen - in einer Menge, die nicht auf einen hohen Weißfisch-Besatz hindeutet.

Ob dann doch die Gänse der Grund allen Übels sind? Beantworten kann diese Frage niemand. Ein Patentrezept zur Bekämpfung der Algen gibt es nicht, hat Jochen Schaumburg in Steinenhausen erklärt. Geduld sei gefragt, so der Experte.
Viele Fragen sind offen, eines ist aber gewiss: Der Zaun wird während der Badesaison stehen bleiben, wie Uwe Angermann mitteilt.
Das wird die älteren Damen, die sich auf der Bank ausruhen, vermutlich ärgern. Etliche Kieswäsch-Besucher werden sich aber freuen, und das auch dann, wenn man dadurch der Algenplage nicht Herr werden sollte. "Es wäre ja schon ein Gewinn, wenn man sich mit dem Badetuch wieder auf die Liegewiese legen könnte", sagt ein junger Mann, der sich an den Sommer vergangenen Jahres erinnert, als das wegen des Vogelkots fast unmöglich war.