Es ist wie der Film gewordene tägliche Gruß des Murmeltiers: Morgens ab Sieben ist die Welt für die Anwohner der Staatsstraße 2182 in Kauerndorf nicht mehr in Ordnung. Die Blechkarawane vor der Haustür würde ja gern weiterziehen - doch es ist kein Weiterkommen beim Abbiegen auf die Bundesstraße 289. Vor allem beim Linksabbiegen.

Bremslichter leuchten, das Spiel mit dem Standgas lässt aus dem Auspuff rußgeschwängerte Wölkchen steigen. Reifen quietschen, sobald sich eine Lücke auftut im ewig beweglichen Strom der Lastwagen, Transporter, Mini-Vans etc. Jetzt aber schnell raus... Uih, das war knapp. Einer hat es geschafft. Immerhin. Die Schlange rückt nach, das Einfädelspiel beginnt von vorn.

Es wird zur Gedulds-, bisweilen zur gefährlichen Mutprobe. Abhilfe ist nicht in Sicht - oder doch? Es war Hermann Hugel aus Ebersbach, der jüngst beim Leser-Frühstück der Rundschau die Frage aufwarf: Könnte nicht eine Ampelregelung die Situation entschärfen - für Autofahrer, Fußgänger und Anwohner?

Hermann Hugel stellt die Frage nicht nur als Verkehrsteilnehmer, der das Nadelöhr regelmäßig passiert, sondern zugleich in seiner Eigenschaft als Ortsvorsitzender des Bund Naturschutz. Sein Anliegen hat auch einen aktuellen Hintergrund: der ausgelegte Flächennutzungsplan der Gemeinde Ködnitz. Da ist der Bundesstraßen-Neubau eingezeichnet, mit Brücken und Tunnel. "Monsterlösung" nennt es der Ebersbacher. "Und sollte sich da überhaupt etwas tun, dann wird es viele Jahre dauern."

Für die akute Verkehrssituation in Kauerndorf aber sei dringend Abhilfe nötig, zumal sowohl für Autofahrer als auch Fußgänger erhöhtes Gefahrenpotenzial bestehe. "Wir sollten nicht warten, bis jemand zu Tode kommt. Gerade ältere Autofahrer empfinden das Einscheren auf die B 289 oft als Stress, was bisweilen zu waghalsigen Manövern führt."

Bund Naturschutz stellte Antrag

Der Vorschlag, eine Ampel zu installieren und die Situation zu entzerren, sei wahrlich nicht neu, sagt Hugel. "Wir als Bund Naturschutz haben den Antrag dazu immer wieder eingebracht, sind aber von der Politik und den Behörden stets nur hingehalten worden." Dabei seien bereits vor Jahren bauliche Voraussetzungen geschaffen worden, wie er erklärt. "Es dürften bereits Leerrohre verlegt sein, in denen sich die Kabel zu den Lichtanlagen ziehen ließen."

Wie er sich die Ampelregelung vorstellt? "Ich plädiere für eine Funklösung, wie sie in Mainleus ja bereits wunderbar funktioniert. Die Ampelphasen könnten auch ganz kurz gehalten werden, vielleicht 20 oder 30 Sekunden. Sobald sich gerade zu Stoßzeiten ein paar Autos auf der Ortsstraße befinden, würde das System umschalten und die Abbieger rauslassen. Eine kleine grüne Welle sozusagen, die den Hauptverkehr auf der Bundesstraße nur ganz kurz stoppen würde."

Die Bedarfslichtanlagen würde Hugel direkt vor respektive hinter dem Einmündungsbereich platzieren. "Die Ampeln müssen doch nicht ewig weit weg an den Ortseingängen stehen, sondern sollen praktisch wie eine Fußgängerampel funktionieren: schnell und direkt am Ort des Geschehens."

"Es wäre schon eine Erleichterung, wenn die Ampel wenigstens zu den Stoßzeiten morgens und abends in Betrieb wäre, es müsste ja nicht rund um die Uhr sein", pflichtet Petra Hahn bei. Ihr Friseursalon liegt unmittelbar an der neuralgischen Stelle - und nicht selten komme es vor, dass Autofahrer die Abkürzung über die am Haus vorbeiführende Anliegerstraße nehmen. "Die haben da manchmal einen ganz schönen Zacken drauf. Vor allem für Fußgänger und spielende Kinder ist das dort nicht ungefährlich." Andere Anwohner sehen das ähnlich.

Noch kein Thema im Gemeinderat

Laut Bürgermeister Stephan Heckel-Michel habe das Thema Ampel in Kauerndorf seit langem nicht mehr auf der Tagesordnung des Gemeinderats gestanden. "Das letzte Mal war vor meiner Zeit als Gemeindeoberhaupt. Ich weiß nur, dass damals ein Vorstoß beim Straßenbauamt nicht auf Begeisterung gestoßen war. Aber vielleicht wäre es an der Zeit, sich neu Gedanken zu machen."


Das sagt das Staatliche Bauamt Bayreuth

Kurt Schnabel, Behördenleiter des Staatlichen Bauamts, sieht Probleme bei einer Ampelregelung für Kauerndorf. "Überlegungen für eine Signalisierung der Einmündung B289/St 2183 wurden Mitte der 1990er-Jahre betrieben. Jedoch wurde die Installation auf Grund der örtlichen Situation nicht weiter verfolgt", schreibt Schnabel der BR.

Problem 1: Bahnübergang

Die Ampellösung erweise sich aus mehreren Gründen als schwierig. Da sei zum einen die unmittelbare Nähe (60 Meter) zum Bahnübergang. Der Rückstau kann, so Schnabel, bis an und sogar über die Schienen hinausreichen; dies mache ein Vorsignal erforderlich.

Problem 2: fehlende Spur

Zudem bestehe für Linksabbiegerverkehr kein Fahrstreifen, sondern lediglich eine Aufweitung. "Zur verkehrsgerechten Abwicklung der Verkehrsströme wäre die Errichtung einer Linksabbiegespur angezeigt." Dies sei aber ohne Veränderungen bei der Randbebauungen nicht realisierbar. Schnabel nennt hier neben dem Grunderwerb den Abbruch einer Scheune. Bei einer Umsetzung der Ortsumgehung werde sich die Verkehrssituation im Einmündungsbereich "entscheidend verbessern".

Für eine weitere Erörterung des Themas Ampel seien zudem Knotenpunktszählungen als Basis für eine Leistungsfähigkeitsberechnung erforderlich. Auf Grundlage dieser Ergebnisse könne dann mit den beteiligten Behörden und der Polizei das Thema weiter behandelt werden. "Es erscheint in dem Zusammenhang angezeigt, die weitere Entwicklung bei der geplanten Ortsumgehung Kauerndorf abzuwarten."

Die Auswirkungen einer Ampelregelung ließen sich erst mit den genannten Zählung abschätzen. "Die Anwohner müssen auf jeden Fall mit mehr Brems- und Anfahrvorgängen rechnen, da bei den Grünphasen für die Einbieger aus der Staatsstraße der Bundesstraßenverkehr anhalten muss."