Doch zunächst war das Wetter Thema: Vor exakt einem Jahr klagten die oberfränkischen Landwirte noch über extreme Trockenheit. "Heuer ist genau das Gegenteil der Fall", sagte der Kulmbacher BBV-Kreisobmann Wilfried Löwinger am Freitagabend beim Schirradorfer Bauerntag. Nicht nur im Landkreis gebe es einige Ackerflächen, die wegen der Nässe gar nicht bestellt werden konnten.

Hintergrund der Misere sei der sonnenscheinärmste Winter seit 1951, der niederschlagsreichste Mai seit Beginn der Wetteraufzeichnungen und die Wetterkapriolen der ersten Juni-Wochen. "Die Vegetation hängt über zwei Wochen hinterher", sagte Löwinger. Besonders betroffen seien Mais, Sommergerste, Gemüse und Spargel. Aber auch die vielen überfluteten Wiesen bereiteten große Sorgen. Löwinger stellte aber auch klar, dass dies alles nur Kleinigkeiten gegenüber der Flutkatastrophe in Ostdeutschland und an der Donau seien. Er appellierte deshalb an die Solidarität der oberfränkischen Bauern, um den betroffenen Berufskollegen dort jede nur erdenkliche Hilfe zukommen zu lassen.

Europaabgeordnete Monika Hohlmeier warnte eindringlich davor, zu glauben, die bayerischen Bauern könnten unter sich bleiben. "Regionale Bauernmärkte sind gut und schön, doch können wir nicht auf den Export, beispielsweise von Milch in andere europäische Staaten, aber auch weit darüber hinaus verzichten", sagte sie. Nichts würde die komplette Landwirtschaft schneller vernichten. So sei etwa die Lieferung bayerischer Milch beziehungsweise von Milchpulver in China ein wahrer Exportschlager, weil sie im Gegensatz zur chinesischen Milch auf allerhöchstem Standard und mit bester Qualität produziert worden sei. Hohlmeier: "Lassen sie uns gute Partner für den Absatz bayerischer Lebensmittel suchen, davon profitieren beide Seiten."

Mitveranstalter des Bauerntags ist neben dem BBV und dem John-Deere-Fanclub das Landtechnikunternehmen Nicklas. Dessen Inhaber Edwin Nicklas beklagte den zunehmenden Diebstahl von Landtechnik. Die Diebe würden immer dreister, die Schäden immer höher. Bei einigen seiner John-Deere-Händler gehe es mittlerweile um Millionenbeträge. Die Aktionen der Kriminellen ließen nicht nur die Versicherungskosten explodieren, sondern vernichteten ganze Existenzen. Als Ursache vermutete Nicklas die Öffnung der Grenzen in Richtung Osten.
Genau deshalb sei Europa so wichtig, entgegnete Monika Hohlmeier. Nur im vereinten Europa sei es möglich, gemeinsam zu ermitteln und die organisierten Banden in Form einer konzertierten Zusammenarbeit auffliegen zu lassen. Das Phänomen betreffe allerdings längst nicht mehr nur osteuropäische Ländern, sondern gehe mittlerweile weit darüber hinaus: "Je größer die Schwierigkeiten in einem Land sind, desto höher steigt die Kriminalität an."

Die große Bedeutung der Landwirtschaft im Kreis Kulmbach stellten alle Redner in den Vordergrund. "Ohne Landwirtschaft keine Genussregion Oberfranken", sagte stellvertretender Landrat Jörg Kunstmann (CSU). MdL Ludwig von Lerchenfeld (CSU) erinnerte daran, dass über 90 Prozent der Fläche land- oder forstwirtschaftlich genutzt werden. Diejenigen, die noch mehr Auflagen forderten, seien für die Landwirtschaft mittlerweile die gefährlichsten Gegner, so sein Fraktionskollege Martin Schöffel. Wenn die wundervolle Kulturlandschaft auf dem Frankenjura tagtäglich viele Wanderer und Touristen anlockt, sei dies in erster Linie das Verdienst der Bauern, unterstrich Bürgermeister Günther Pfändner.

Der oberfränkische BBV-Präsident Hermann Greif brachte Monika Hohlmeier als künftige Bundeslandwirtschaftsministerin ins Gespräch. Nach der Rückkehr von Ilse Aigner nach Bayern werde der Posten noch heuer frei. Monika Hohlmeier habe sich in die Thematik hervorragend eingearbeitet. Greif: "So eine Landwirtschaftsministerin könnten wir uns in Berlin vorstellen."