Sie sind ein echtes Phänomen: die neun Aktiven der Altneihauser Feierwehrkapell'n aus Windischeschenbach in der Oberpfalz. Als Musiker eher zweit- bis drittklassig, als Spaßmacher zwischen herb und derb, als Showtruppe im wahrsten Sinne des Wortes schwerfällig, aber als Gesamtpaket allererste Klasse.

Wenn sie die Bühne betreten, rußgeschwärzt und in zerschlissener Uniform, dann gibt es kein Halten mehr. Es gibt keine Kabarettgruppe, die ihnen auch nur annähernd das Wasser reichen könnte. So auch am Samstagabend beim Auftritt der Altneihauser Feierwehrkapell'n in der ausverkauften Dr.-Stammberger-Halle.

Die Pointen sitzen

Dreh- und Angelpunkt dieser unglaublichen Bühnenpräsenz ist "Frontman und Feuerwehrkommandant" Norbert Neugirg. Wenn er den verknüllten Zettel aus seiner Hosentasche fischt, dann toben die Zuhörer. Zu treffsicher sitzen die Pointen des Cheftexters, kein Thema, das er nicht zum Aberwitz treiben könnte, kein Sachverhalt und keine Persönlichkeit, die vor ihm sicher wäre. Ob Musikantenstadl, CSU, Frankenwein oder Inge Aures: nichts und niemanden lässt er aus.

Viele lokale Dinge finden immer wieder Eingang in seinen perfekt gereimten Vortrag und seine kunstvoll gedrechselten Verse. Die große Politik sowieso und die vielen kleinen Dinge, die man teilweise zwar schon kennt, etwa aus dem TV-Klassiker "Fastnacht in Franken", die man aber gerne auch noch ein viertes oder fünftes Mal hören könnte, so urkomisch ist das, was Neugirg immer wieder einfällt.

Mails für den Milchfahrer

"Kulmbach, das ist Frankens Segen, Bayreuth ist da nichts dagegen", sagt Norbert Neugirg, allerdings erst, als er darauf aufmerksam gemacht wird, dass man an diesem Abend in Kulmbach und nicht in Bayreuth zu Gast sei. Zuvor lautete der Reim noch anders herum.

Gleich mehrere Lokalgrößen bekommen an diesem Abend ihr Fett wett: OB Henry Schramm, Landrat Klaus Peter Söllner, immer wieder Landtagsvizepräsidentin Inge Aures und auch Hagleitenwirt Günther Limmer. Das Kulmbacher Oberland besteht für Neugirg aus unendlichen Weiten, "da ist der erste erst am zweiten". E-Mails, so meint er, würden dort noch mit der Hand abgeschrieben, in einem Umschlag gesteckt und dem Milchfahrer mitgegeben. Natürlich alles in gereimter Form und irgendwie urkomisch dargebracht.

Geradezu phänomenal ist natürlich die Kenntnis vieler Dinge vor Ort, der Streit um die Umgehung von Kauerndorf und Untersteinach etwa, zu dem Neugirg folgende Sätze eingefallen sind: "Weil jeglicher Verkehrsfluss durch das Kaff durch muss" und "Die Planung begann konkret im letzten Jahr - als Augustus Kaiser war". Weiter hieß es: "Man wird sich mit den Umgehungsplänen am Berliner Flughafen anlehnen."

Basis des gereimten Frohsinns ist und bleibt der Krieg zwischen den Oberpfälzern und den Franken. Davon leben Neugirg und seine Mannen. Wie gut, dass die Franken so viel Mitleid kennen und die Kapelle immer wieder einladen. "Schön blöd", würde Norbert Neugirg jetzt sagen, um sich sofort zu korrigieren und von der großen Ehre zu schwärmen, in Franken spielen zu dürfen. Seit 2006 führen die Oberpfälzer diesen Krieg, ohne ihn bislang für sich entscheiden zu können. Zu groß ist die Toleranz und Offenherzigkeit der Franken auch an diesem Abend.

Doch auch Besucher aus anderen Gegenden Deutschlands müssen die Bosheiten der de saströsen Blaskapelle über sich ergehen lassen. "Die Bayern lieben die Hessen, solange sie das Heimfahren nicht vergessen", meint Neugirg.

Trommel geht zu Boden

Einer seiner beliebten Running Gags ist die übertrieben nasale Aussprache des Wortes "Ensemble". Ein anderer ist, dass die große Trommel mehrfach zu Boden fällt und Trommler Reinhard Stummreiter sie jedes Mal umständlich wieder aufbauen muss, bis schließlich ein kaputter Stuhl und ein Bierkasten als Halterung dienen.
"Die Musiker sind ausnahmslos Amateure und werden dieser Tatsache stets gerecht", sagt Kommandant Neugirg immer wieder und hat dabei natürlich nicht ganz Recht. Das schräge Spiel von Stefan Schricker (Horn),

Rupert Beer (Tuba), Ludwig Schieder (Knopfharmonika), Dominik Knott (Kleine Trommel), Reinhard Stummreiter (Große Trommel), Peter Fuhrmann (Tenorhorn), Josef Treml (Trompete) und Thomas Kießling (Klarinette), kurz dem "Glanz der Oberpfalz", ist gewollt komisch und anarchisch, fast schon eine eigene Kunstform, vielleicht das Geheimnis des großen Erfolgs.

"Besser als die Bundeswehr"

"Sieht man der Mannschaft den Elan und die Lust zum Spielen an", reimt Norbert Neugirg, um gleich daraufzusetzen: "Wir sind beliebt in Franken und so gern geseh´n, wie die Merkel in Athen."

Auch Ursula von der Leyen bewundere die Kapelle angeblich sehr, denn so Neugirg: "Wir sind besser als die Bundeswehr".