Und dann bekommt sie ein Bild auf WhatsApp: Felix in eindeutiger Pose mit einer Anderen, anonym gepostet. Lea dreht durch. Sie packt ihre Jacke und rennt aus dem Hotel, ohne irgendwem Bescheid zu geben. Sie läuft wie in Trance und kommt in einen Außenbezirk von Berlin. Plötzlich sieht sie, wie ein brutaler Typ eine Blondine verfolgt, sie mit einem Messer niedersticht und in ihrem Blut liegen lässt.

"Die Nacht der Verzweiflung" ist ein effektvoller Thriller. Carolin Wolf zieht alle Register schaurig-spannender Unterhaltung und spart keine Grausamkeit aus, in die sie ihre personale Erzählerin, Lea, schickt.

Es beginnt ganz harmlos

Doch sie ist clever genug, ganz harmlos loszulegen. Als Erzählrahmen dient ihr die Abschlussfahrt einer Nürnberger Realschulklasse nach Berlin, bei der sich die üblichen Spannungen auftun: Schüler, die das Sightseeing-Programm nervt und mehr Freizeit zum Shoppen wollen. Cliquenzoff. Erste Liebe. Spannungen zwischen den bisher besten Freundinnen wegen der Jungs. Bemühte Pädagogen, die immer nur das Beste wollen, am Abend die Zimmer streng kontrollieren, doch nichts mitbekommen, wenn wirklich (heftig) geknutscht wird.

Fünf Monate Produktivitätsrausch

Das Erstaunlichste: Die Klassenfahrt nach Berlin, die sich zu einem Horrortrip auswächst, hat Carolin Wolf mit vierzehn geschrieben. Der Impuls ist ein Traum, der sie nicht mehr los lässt. Fünf Monate sitzt sie täglich einige Stunden am Computer, bis das Manuskript fertig ist (siehe auch Interview). So krass und trashig manches daher kommt, es zeigt sich ein bemerkenswertes Erzähltalent. Die Jungautorin versteht zu fesseln und verleiht den Ängsten von Jugendlichen Sprache.

Besonders stark ist die Passage, als Lea einen sadistischen Gewalttäter davon abzubringen versucht, sein um das Leben bettelnde Opfer zu erschießen, indem sie ihn auf psychologisch raffinierte Weise in ein Gespräch verwickelt. Oder wie sie die Gefühle Leas beschreibt, als sie selbst in die Hände des Psychopathen gerät und er ihr Gewalt antut.

Die Leiterin der Gemeindebücherei in Marktschorgast, Angelika Munk, die die vielversprechende Autorin eingeladen hat, erhofft sich regen Zuspruch vor allem auch von jugendlichen Zuhörern. Sie hat besonders die Zielgruppe der Zwölf- bis 17-Jährigen im Auge, die als lesemüde gelten. Sie neugierig zu machen und für Literatur zu gewinnen, ist ihr Herzensanliegen.

Die Lesung findet am Samstag um 10.30 Uhr im Evangelischen Gemeindehaus gegenüber dem Bahnhof statt (Eintritt frei).



INFO

Carolin Wolf wurde 1998 im mittelfränkischen Bad Windsheim geboren. Nach dem Abschluss der Mittleren Reife im vergangenen Jahr wechselte sie an den sozialen Zweig der Fachoberschule der Christian-von-Bomhard Schule in Uffenheim. Momentan besucht sie die 11. Klasse der FOS.

Die Nacht der Verzweiflung Taschenbuch 140 Seiten (14,50 Euro), erschienen 2014 im Novum pro-Verlag. Auch als e-book erhältlich.







INTERVIEW


"Mein Traum: Deutschlehrerin"