Die besten deutschen Nachwuchsskifahrer kommen aus Garmisch-Partenkirchen, Oberstdorf, Reit im Winkl, Lenggries oder Mittenwald. Allesamt bekannte Wintersportorte in den bayerischen Alpen. Jacob Schramm kommt aus Eppenreuth bei Grafengehaig. Und doch ist er einer von ihnen.

Den jüngsten Beweis seines außergewöhnlichen skifahrerischen Talents hat der "Exot" aus dem Mittelgebirge bei der Deutschen Meisterschaft am Oberjoch in Hindelang abgeliefert. Der 13-Jährige holte sich in der Altersklasse der Zwölf- bis Vierzehnjährigen (S12) die Silbermedaille im Parallelslalom - sein bislang größter Erfolg. Die "Deutsche" ist Höhepunkt und Abschluss der Skisaison. Teilnehmen dürfen nur die Jungen und Mädchen, die in einem der Schüler-Cup-Rennen des Winters aufs Treppchen gekommen sind. Das war neben Jacob noch sieben weiteren Konkurrenten in seiner Altersklasse gelungen. Die Medaillen wurden in den Disziplinen Slalom, Riesenslalom und erstmals überhaupt im Parallelslalom vergeben. Super-G dürfen die Skitalente erst ab einem Alter von 16 Jahren fahren.

Zunächst stand der Riesenslalom auf dem Programm. Als Fünfter des ersten Durchgangs gestartet, stieg Jacob nach etwa der Hälfte des zweiten Laufs freiwillig aus. "Mir ist der Skischuh aufgegangen, und dann hat mir der rechte Fuß weh getan", erklärt Jacob seine Entscheidung.

Besser lief es einen Tag später im Parallelslalom. Schon im Qualifikationslauf machte Jacob als Zweiter Medaillenansprüche geltend. Im Duell Mann gegen Mann - die Rennläufer starteten zeitgleich auf zwei identischen Kursen nebeneinander - setzte sich der junge Eppenreuther zunächst gegen Moritz Fetscher (Ehingen) durch. Dabei machte Jacob im zweiten Durchgang einen Rückstand von 0,10 Sekunden noch wett.
Den ersten Finaldurchgang verlor der junge Oberfranke gegen Jonas Stockinger (SC Herzogsreuth) mit 0,29 Sekunden. Er hatte also noch alle Chancen im entscheidenden zweiten Lauf. Doch die waren nach einem Sturz infolge eines klassischen Innenskifehlers dahin. Auch wenn sich Jacob Schramm im ersten Moment "etwas ärgerte" - Silber ist für ihn aber ein annehmbarer Trost.

Eine weitere Medaillenchance verpasste der Eppenreuther am dritten Tag, als er beim Slalom nach dem zweiten Tor in Rücklage geriet und ausschied. "Da machen sich halt die fehlenden Trainingsmöglichkeiten bei uns in Oberfranken bemerkbar", sagt Vater Harald Schramm. Deshalb wechselt sein Sohn nun vom SSV Schwarzenbach/Wald zum SC Bad Aibling. Dann kann Jacob Schramm regelmäßig beim Skiverband Inngau mittrainieren. Schon in den Osterferien geht es für den Siebtklässler des MGF-Gymnasiums mit den Oberbayern auf den Hintertuxer Gletscher im Zillertal. Ansonsten widmet sich Jacob im Sommer wieder dem Fußball, dem er bei den D-Junioren der JFG Frankenwald nachjagt.

"Seine Technik ist super"


Harald Schramm hofft, dass Jacob durch diese Maßnahme endlich mehr Sicherheit bekommt, um noch öfter als bisher das Ziel zu sehen. In der abgelaufenen Saison schied Jacob in sieben von 20 Rennen aus. Dennoch reichte es zu Platz 5 im Deutschen Schülercup der S12. Was die Technik betrifft, gehört Jacob schon jetzt zu den Allerbesten: "Die ist super", sagt sein Vater, der selbst früher Skirennen im Erwachsenenbereich gefahren ist. Allerdings: Mit den Oberbayern oder Allgäuern konnte er nicht mithalten.