Er selbst sagt, er sei clean. Ein Drogenscreening Ende des vergangenen Jahres kam allerdings zu einem anderen Ergebnis: Der 29-Jährige aus Kulmbach muss die zurückliegenden drei Monate regelmäßig konsumiert haben, heißt es da. Vor dem Kulmbacher Amtsgericht steht der Mann nun wegen 50-fachen Erwerbs von Crystal Speed und zehnfachen Handeltreibens mit der brandgefährlichen Droge.

Die Verhandlung vor dem Schöffengericht wurde nach nicht einmal zwei Stunden wieder ausgesetzt. Nun soll ein Mediziner beauftragt werden, ein Sachverständigengutachten hinsichtlich der Schuldfähigkeit oder eventuell sogar der Unterbringung in einer geschlossenen Entziehungsanstalt anzufertigen.


Immer nur kleinste Mengen

Es waren immer nur kleinste Mengen von unter einem Gramm, die der Angeklagte bei einem 29-jährigen Mechaniker, der ebenfalls in Kulmbach wohnt, zum Eigenverbrauch erworben haben soll. Kleinste Mengen zwar, aber dafür mindestens 50 Mal zwischen Ende 2013 und Ende 2014. Dann wendete sich das Blatt, aus dem Verkäufer wurde der Käufer und andersherum. Soll heißen, der Angeklagte wurde plötzlich zum Dealer und verkaufte in mindestens zehn Fällen Crystal an den Mechaniker. Auch dann noch, als er bereits wegen Drogen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden war und eine Entgiftung im Bezirkskrankenhaus absolviert hatte.


Alle Vorwürfe eingeräumt

Vor Gericht räumte der Angeklagte alle Vorwürfe unumwunden ein. Er sprach von einem Grammpreis von 120 Euro, der Stoff sei anfangs von guter, später aber von nachlassender Qualität gewesen. Als die Geschäfte gerade auf ihrem Höhepunkt waren, hatte der Angeklagte allerdings bereits gewusst, dass gegen ihn ermittelt wird. Allein das machte Staatsanwalt Roland Köhler und vorsitzende Richterin Nicole Allstadt schon etwas stutzig.
Dabei war der Angeklagte damals gerade so davon gekommen. Nicht nur, dass er eine Bewährungsstrafe erhielt, sondern auch, dass der damalige Ermittlungsrichter von einem Haftbefehl absah. "Crystal, das war eben Gewohnheit für mich", sagte der Angeklagte. Genau das würde auch dafür sprechen, dass der Mann schuldunfähig, zumindest aber eingeschränkt schuldfähig wäre.

Der Verkäufer, der später zum Käufer wurde, wartet derzeit in einer Erlanger Klinik auf seinen Prozess vor dem Landgericht in Bayreuth und wurde eigens von zwei Beamten vorgeführt. Man kenne sich seit Schulzeiten, sagte er. Angebahnt wurde der Kontakt in einer Diskothek in Schwingen. Die Übergabe des Rauschgifts habe jeweils in den Privatwohnungen stattgefunden. Gewundert habe es ihm schon, dass der Angeklagte auch nach seiner Entgiftung noch zwei Käufe tätigte, aber, so der Zeuge weiter: "Jeder muss wissen, was er tut."

Der ermittelnde Kriminalbeamte sprach in seiner Aussage von neuen Fällen, die gegen den Angeklagten vorliegen. Er hatte rund 180 SMS-Kontakte ausgewertet und konnte dabei auch weitere fünf Ermittlungsverfahren anstrengen. "Alles Leute, die in der Szene aktiv sind", sagte der Beamte.

Auf Antrag von Staatsanwalt Köhler entschied sich das Gericht schließlich dafür, das Verfahren tatsächlich auszusetzen und ein Sachverständigengutachten einzuholen. Als Grund nannte Richterin Allstadt unter anderem, dass der Angeklagte auch nach der Entgiftung und seiner Verurteilung immer weiter gemacht hatte: "Da taucht zwangsläufig die Frage auf: War der Suchtdruck beim Angeklagten wirklich so stark?"
Und genau das soll jetzt der Sachverständige klären.
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Arbeitsstelle verloren

Der Angeklagte selbst behauptete bei seiner Vernehmung zwar, dass er "das Zeug" nicht mehr benötige, die ursprünglich angedachte Langzeittherapie hatte er allerdings nicht angetreten. Auch eine Arbeitsstelle hatte er wegen seiner Drogengeschichten mittlerweile verloren.