Auch vom Vorsitzenden der Händlervereinigung "Unser Kulmbach" kommt Widerspruch: Christoph Hofmann hat Möschel zum nächsten Händler-Stammtisch eingeladen.

Vorwurf: Fehlender Unternehmergeist

Der Vizepräsident der IHK Bayreuth hatte bei der Vorstellung des Ergebnisses der jüngsten Konjunkturumfrage kein Patentrezept zur Lösung der Probleme des innerstädtischen Einzelhandels parat gehabt. "Auf der einen Seite ist es erschreckend, auf der anderen Seite wundert es mich nicht", sagte Möschel (BR vom Mittwoch).

Als Ursache für Geschäftsschließungen sah er nicht allein die übermächtige Konkurrenz aus dem Internet, sondern auch fehlenden Unternehmergeist. Viele Inhaber hätten keine Lust mehr oder würden sich nur unzureichend um einen Nachfolger kümmern. Möschel wünschte sich mehr Initiative vom Einzelhandel: "Unternehmer kommt immer noch von unternehmen."

Christoph Hofmann kann diese Äußerungen nicht nachvollziehen. Da Michael Möschel "dankenswerter Weise auch Mitglied in der Einzelhändlervereinigung ,Unser Kulmbach'" sei, lud er ihn zum nächsten Stammtisch am 3. November um 18.30 Uhr im Café Schoberth ein, "um über Ihre Ansichten bezüglich des Einzelhandels zu diskutieren".

Damit er in Zukunft überhaupt etwas unternehmen könne, bittet der Händlersprecher den IHK-Vize, ihn darüber aufzuklären, "wie ich es - neben vielen anderen Anliegen - zum Beispiel schaffe, dass ich als Kleinstgewerbetreibender, der im Wettbewerb zu Großkonzernen steht, die EEG-Umlage erlassen bekomme, oder wie ich wie Zalando an 22 Millionen Euro Fördergelder komme". Hofmann weiter: "Oder vielleicht könnten Sie mir aufzeigen, wie wir unsere Verkäufe und Umsätze wie amazon versteuern können".

"Ein paar sehr schöne Geschäfte besichtigen gehen"

Nach der Zusammenkunft, Hofmann, könne man gerne gemeinsam "ein paar sehr schöne Geschäfte besichtigen gehen". Die Wut Hofmann wird im abschließenden Satz Hofmanns deutlich: " Und wenn Sie bis dahin klären könnten, wie ich aus einigen kostenpflichtigen Zwangsmit gliedschaften unter anderem bei der IHK herauskomme, wäre ich Ihnen auch sehr dankbar."

Auch Alexandra Hofmann, die selbst Mitglied des IHK-Handelsauschusses ist, zeigte sich "überrascht, wer sich immer wieder befleißigt fühlt, über den Kulmbacher Einzelhandel zu urteilen". Viele ihrer Kollegen hätten Unternehmergeist und könnten es sich auch nicht leisten, lustlos zu sein. "Denn normalerweise lebt ein Inhaber von seinem Geschäft."

Einzelhändler ist ein Fachmann in seiner Branche

Sie nehme an, dass Möschel mit der Materie Einzelhandel nicht vertraut ist. Ein Einzelhändler sei ein "All-Rounder" und ein Fachmann in seiner Branche, er sei im Kundenkontakt, kaufe für sein Geschäft ein, fahre zur Messe und suche nach Neuheiten.

"Oft steckt das ganze Herzblut in so einem Geschäft. Für die Kunden hast Du halt a klaans Gschäftla, der Beitrag für die Industrie- und Handelskammer müsse aber trotzdem gezahlt werden. Alexandra Hofmann: "Der innerstädtische Einzelhandel befindet sich im Wandel, die Ursachen sind vielfältig. Sie sollten aber nicht allein den noch verbliebenen Geschäftsinhabern angelastet werden."