Ihre Brauerei steht in der Garage oder im Keller. Die Mengen sind klein, aber hier wird Qualität und jede Menge Biergeschmack produziert: Die Zeiten sind vorbei, dass Hobbybrauer ein ungenießbares Gebräu produziert haben. Inzwischen stehen Geschmack und Vielfalt im Vordergrund - auch am Wochenende, wenn das 9. mitteldeutsche Hobbybrauertreffen in Kulmbach stattfindet.

Die Kulmbacher Wilko Pehle (47) und Matthias Stach (36) haben gemeinsam mit Holger Pohl (44) aus Weißenbrunn die Veranstaltung mit Bierverkostung in der Kommunbräu organisiert. Erwartet werden 60 Hobbybrauer aus halb Deutschland. Sie besichtigen unter anderem die Ireks-Mälzerei, das Brauereimuseum und historische Bierkeller in Kulmbach. Bäckermeister Pehle und Malzlaborleiter Stach, beide bei der Firma Ireks beschäftigt, sprechen im Interview über ihr ausgefallenes Hobby und die Invasion der Biere in Kulmbach.

Herr Pehle, was trinken Sie zum Frühstück?
Wilko Pehle: Jedenfalls kein Bier (lacht). Ich trinke ganz normal Kaffee mit Milch.

Wann machen Sie sich das erste Bier auf?
Wilko Pehle: Am frühen Abend, wenn das Wetter passt und man im Garten sitzt.
Matthias Stach: Ich muss manchmal schon eher Bier trinken - beruflich bedingt, wenn ich Bierproben verkoste, die ein Kunde mitgebracht hat.

Wie sind Sie dazu gekommen, selbst Bier zu brauen?
Wilko Pehle: Das war vor vier Jahren. Ich trinke gerne Bier und genieße Bier. Und als Bäckermeister verfügt man über gewisse Grundkenntnisse. Ich habe mich von einem Video bei Youtube motivieren lassen, mir meine Kenntnisse selber beigebracht und dabei besonders vom Internetforum www.hobbybrauer.de profitiert.

Was begeistert Sie an diesem komplizierten und aufwendigen Herstellungsprozess?
Wilko Pehle: Dass man aus natürlichen Rohstoffen der Region ein sehr abwechslungsreiches und vielseitiges Getränk herstellen kann mit seinen zahlreichen Geschmacksvarianten.
Matthias Stach: Ich bin Bierliebhaber und braue seit 14 Jahren. Die Bierherstellung war ein kleiner Teil beim Studium des Chemie- und Bioingenieurwesens. Ich habe es damals ausprobiert und mir gesagt, dass ich sofort wieder aufhöre, wenn's nichts wird. Es ist was geworden, und später habe ich die Malzherstellung zu meinem Beruf gemacht.

Welche Biersorten stellen Sie her?
Wilko Pehle: Unterschiedlich. Ich braue gerne Roggenbier, böhmisches Pilsner oder India Pale Ale (IPA ). Aber ich experimentiere auch sehr viel. Ich bewege mich gerne innerhalb des Reinheitsgebots, mache aber auch schon mal Ausflüge außerhalb - zum Beispiel, dass man geröstete Haferflocken zusetzt, Buchweizenmalz oder Kräuter.

Welche Biervarianten bevorzugen Sie selbst?
Wilko Pehle: Ein böhmisches Pilsner - ein klasse Bier, wenn's richtig gemacht ist. Dazu verwende ich aus dem Garten meinen eigenen Hopfen der Sorte Saphir. Das ist ein edler Aromahopfen.
Matthias Stach: Nach wie vor bin ich sehr angetan von den hopfenbetonten Bieren wie dem IPA mit seinen vielfältigen Zitrus- und Fruchtaromen.

Was halten Sie von der Craft-Beer-Szene?

Matthias Stach: Der Begriff ist in Deutschland schwierig. Er stammt aus den USA und bedeutet nichts anders als handwerklich gebrautes Bier. Rein von der Definition her produziert jede fränkische Brauerei handwerklich gebrautes Bier. Mit Craft Beer verbinde ich mehr einen Bierstil und damit die Biervielfalt. Durch die Craft-Beer-Bewegung ist eine Geschmacksvielfalt entstanden und der Markt in Bewegung geraten. In Deutschland hat unter dem Einfluss der Fernsehbiere alles ähnlich geschmeckt. Das Bier gewinnt nun an Wertigkeit, und davon profitiert jeder - sowohl der kleine Handwerksbrauer als auch der große Industriebetrieb. Diese Entwicklung ist positiv zu sehen. Ist doch toll, dass im normalen Supermarkt ein Craft-Beer-Regal steht und man einen neuen Geschmack ausprobieren kann.

Wozu dienen die jährlichen Treffen der Hobbybrauer?
Matthias Stach: Wir haben es hier nicht mit einem organisierten Verband zu tun, sondern mit einem losen Zusammenschluss von Hobbybrauern, hauptsächlich aus dem deutschsprachigen Raum, aber auch weltweit, die sich in dem Internetforum www.hobbybrauer.de zusammengefunden haben. Mittlerweile ist die Community - zum Teil sind hier richtige Profis unterwegs - eine international anerkannte Gemeinschaft mit einem hohen Standard der Wissensvermittlung geworden. Bei den Treffen geht es darum, dass man mal ein Gesicht sieht. Der persönliche Austausch ist interessanter als nur schriftliche.
Wilko Pehle: Nicht zu vergessen das Geschmackserlebnis. Jeder Hobbybrauer bringt eine Auswahl seiner Biere zum Verkosten mit. Das dürften diesmal um die 80 verschiedenen Sorten sein. Es wird eine Riesenauswahl von Biervarianten präsentiert, die man an einem Abend kosten kann: zum Beispiel ein im Sherryfass gelagertes Tripel, ein böhmisches Dunkles, normales Bier oder ein Honey Ale des ehemaligen US-Präsidenten Obama, das einer nachgebraut hat. Diese Möglichkeit hat man sonst nicht. Und es werden Rezepte und Ideen ausgetauscht, fachsimpeln ist ganz wichtig.

Zum Treffen in der Kommunbräu bringt jeder Hobbybrauer ein Versucherla mit. Dürfen davon auch Kulmbacher Bierfreunde kosten?
Wilko Pehle: Nein, das geht leider nicht. Dafür würden die Mengen nicht ausreichen. Es ist eine geschlossene Gesellschaft. Wir erweitern unseren flüssigen Horizont.
Matthias Stach: Wir dürfen öffentlich nichts ausschenken. Dafür braucht man eine Zulassung. Bei uns ist zwar alles einwandfrei, aber niemand von uns hat seine Brauerei als Lebensmittelbetrieb abnehmen lassen.