In den Gängen ist es stockdunkel. Ohne eine starke Lampe sieht man nicht die Hand vor Augen. Irgendwo tropft Wasser von der Decke. Ansonsten ist es totenstill. So still, dass man den langsamen, raschelnden Flügelschlag eines Falters hört, der sich in die Katakomben unter der Mainleuser Spinnerei verirrt hat.

Ohne Führung ist man in dem Wirrwarr aus Gängen und Schächten, die teils vor hochgemauerten Wänden enden, verloren. Teilweise gibt es nicht einmal mehr Pläne, erzählt Sebastian Türk, der Geschäftsführer der Mainleus Invest GmbH, die das Gelände der ehemaligen Kulmbacher Spinnerei gekauft hat. Er kennt sich aus, war schon oft in der Tiefe (um historische Dokumente sicherzustellen).

Im Hauptbunker, der nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs weiter genutzt wurde, haben bis 2013 noch Leute für die Spinnerei gearbeitet, befanden sich Lager und Umkleiden, das Depot der Werksfeuerwehr.

Dann gibt es Räume, deren Zweck heute nicht mehr nachvollziehbar ist. Waren es Lagerstätten? Aufgrund ihrer abgeschiedenen Lage schwer zu glauben.

In einem Raum steht ein riesiger Schiffstank aus dem Jahr 1956. Er hat ein Fassungsvermögen von 27.000 Litern. Das Wasser war für die Sprinkleranlage vorgesehen. Ein paar Räume weiter gibt es einen handbetriebenen Luftfilter, Baujahr 1937.

Irgendwann einmal, sagt Sebastian Türk, wenn es die Zeitplanung und der Zustand der Bunker zulassen, sind Führungen geplant. Wann das der Fall sein wird, das kann er noch nicht sagen. "Das wird rechtzeitig bekanntgegeben."

Derzeit laufen die Planungen für die Revitalisierung des Spinnereigeländes durch die Mainleus Invest. Nach der Urlaubszeit sollen richtungsweisende Entscheidungen fallen.