Im Juli 2010 wurde die Untersteinacher Blasmusik mit dem Kulturpreis des Landkreises Kulmbach bedacht. "Der Verein hat 89 Jugendliche in Ausbildung. Das ist eine herausragende Zahl für einen Verein mit 300 Mitgliedern in einer 2000 Einwohner zählenden Gemeinde", würdigte Landrat Klaus Peter Söllner damals.
Sehen lassen kann sich auch der Umbau der alten Post zum Musikheim. Mehr als 6500 Stunden Arbeit haben Mitglieder in ihr neues Domizil investiert - auch ein Kriterium, das dem Kulturpreis zugrunde lag.

Ein Jahr vor dem Jubiläum - die Blasmusik wird 2017 vierzig Jahre alt - sind es immer noch diese beiden Säulen, die den Erfolg garantieren. Vor allem die Ausbildung. "Der Verein ist zu hundert Prozent auf Jugendarbeit ausgerichtet", stellt Vorsitzender und Dirigent Lothar Huber fest. Ein Jugendlicher werde erst beitragspflichtig, wenn er Geld verdient. Einzige Voraussetzung: Ein Elternteil muss Mitglied im Verein sein.


Effektive Schnuppernachmittage

Hubers Stellvertreter Siegfried Köber erinnert sich an den Beginn des Nachwuchs-Booms, der den Verein ab 2002 erfasste: "Damals haben wir Schnuppernachmittage veranstaltet, da sind zirka 50 Mann hängengeblieben. Ein Jahr später hatten wir gleich eine Jugendkapelle."

Den bescheidenen räumlichen Verhältnissen - die Probenarbeit ging in einer Abstellkammer der Schule über die Bühne - musste deshalb bald ein Ende gesetzt werden. Mit dem Erwerb der alten Post (Huber: "Das Haus hat 130 000 Euro gekostet") setzte die Blasmusik im Jahr 2006 einen Meilenstein in ihrer Geschichte.

In dem Gebäude fühlen sich alle wohl, besonders der Nachwuchs. Die Ausbildung der derzeit 46 Teenager wird ausnahmslos von jungen Musikern übernommen. Franziska Kintzel ist eine davon. Die 21-jährige angehende Förderlehrerin, die Klarinette und Blockflöte lehrt, weiß, wie Begeisterung für die Blasmusik erzeugt wird.


Kinder und Eltern werben

"Wir werben unsere Kinder durch Schnuppernachmittage. Hier können sie mit ihren Eltern sämtliche Blasinstrumente und das Schlagzeug unter Anleitung ausprobieren. Da bleiben nicht nur die Kinder hängen, auch manche Eltern sind schon Feuer und Flamme für ein Instrument gewesen und haben es dann bei uns erlernt." Von der so entstehenden Werbung profitiere ein Verein natürlich, so Kintzel.

Nach der Grundausbildung gehen die Kinder in die erste Orchesterformation, die "Bläserklasse". Dort bekommen sie das Gefühl, dass jeder Einzelne in einem Orchester wichtig ist. "Wenn die Ausbilder der Meinung sind, dass jemand die Anforderungen des Jugendblasorchesters erfüllen kann, so wird er dort integriert", erläutert Franziska Kintzel, die betont, dass der Verein den Kindern auch die Möglichkeit gibt, je nach Leistungsstand die Abzeichen des Nordbayerischen Musikbundes - Juniorprüfung und D-Prüfungen - zu erwerben. "Im Orchester dürfen die Neulinge dann je nach Leistungsstand und Interesse kleinere Solos übernehmen. Dadurch wollen wir ihr Selbstbewusstsein stärken", betont die 21-Jährige, die selbst seit 16 Jahren Blockflöte und seit 13 Jahren Klarinette spielt.


Das Wir-Gefühl ist wichtig

Eine große Rolle spielt für Franziska Kintzel neben der Musik das Gemeinschafts- und Wir-Gefühl. "Es ist wichtig, dass man sich mit dem Verein identifiziert und sich im besten Fall Freundschaften entwickeln". Gefördert werde dies durch Ausflüge, das Probenwochenende, Konzertreisen nach Polen und den Musicalbesuch in Berlin. Für die jüngeren Musiker werde eine Übernachtungsparty organisiert.

Dass bei der Untersteinacher Blasmusik alle Interessenten willkommen sind, betont Andreas Zeitler. Der 23-Jährige, der in der Jugendarbeit des Landkreises tätig ist, spielt Tuba und leitet die Bläserklasse. "Jeder kann uns anrufen oder auf Facebook schreiben. Aber der persönliche Kontakt ist uns lieber. Da sind wir etwas altmodisch."

Was die Jugendarbeit betrifft, ist der Verein weder altmodisch noch knauserig. Für nicht weniger als 20 000 Euro wurden Uniformjacken und Dirndl gekauft, berichtet Lothar Huber stolz. Der Vorsitzende betont auch, dass sich die Blasmusik neben den Beiträgen der rund 200 Mitglieder hauptsächlich aus dem Betrieb des Musikheims finanziert, dass montags und freitags wie ein Wirtshaus geführt wird. Nach Absprache können die Räume für Feiern auch an an anderen Tagen gemietet werden. Bei Bedarf sorge der Verein sogar für die gesamte Bewirtung.

So ist die alte Post für die Aktiven wie ein zweites Zuhause. Lothar Huber, der weiß, dass er sich auch auf seine jungen Musikerfreunde verlassen kann, sieht darin einen zusätzlichen positiven Aspekt: "Ich bin in der Jugendarbeit tätig. Deshalb weiß ich auch, was ein Jugendlicher kostet, der auf die schiefe Bahn kommt."