Es ist Samstagmorgen, die Temperatur ist mäßig, der Himmel grau. Im Kulmbacher Freibad ziehen einige verspätete Frühschwimmer und andere Unentwegte ihre Bahnen. Auch Justin Wienholz stürzt sich ins kühle Nass und schwimmt sofort los. Der 13-Jährige hat ein klares Ziel vor Augen: Er möchte beim Triathlon des ASV Kulmbach am 24. Juli dabei sein.


Jeden Samstag wird hart trainiert


Das will auch Eva Weißfloch, für die Schwimmen die leichteste Übung ist. Die Laufstrecke dürfte ebenfalls kein Problem sein. "Für mich ist das Fahrradfahren am schwierigsten", räumt die 18-Jährige ein. Justin und Eva sind zwei ganz besondere Sportler, die Alexander Meile sei einigen Wochen immer wieder samstags motiviert und trainiert. Beide haben ein Handicap und beide wollen beim Inklusionstriathlon starten, der am 24. Juli erstmals durchgeführt wird. "Für meine Sportler ist der Triathlon eine besondere Herausforderung", sagt Meile. Unterstützt wird er beim Schwimmtraining von Corinna Prell und von Elke Proschka vom Awo-Förderzentrum.

"Noch eine Runde ums Becken. Komm, mach' schon", feuert Meile jetzt Michelle Aschau an. Die 17-Jährige beißt die Zähne zusammen und läuft los. "Ich will unbedingt mal Triathlon ausprobieren. Außerdem möchte ich ein paar Kilogramm abnehmen. Da ist Sport gut", sagt sie.


Da muss man früh aufstehen


Lisa-Marie Tribion (14) trainiert für ihren ersten Triathlon. Ebenso Manuel Jott (19), der nur ein kleines Problem hat: "Die Startzeit ist so früh." Eigentlich schläft Manuel samstags immer aus und kommt er erst mittags aus den Federn. "Aber ich probier's mal", ist er zuversichtlich. "Ich spiele Fußball. Laufen ist für mich deshalb auch kein Problem. Aber das Schwimmen ist schon schwer."

Für den Inklusionstriathlon trainieren Menschen mit geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen. Für sie sind kleine Erleichterungen vorgesehen. So dürfen sie beim Training Schwimmbretter nutzen, um ihre Technik zu verbessern. Falls jemand aus körperlichen Gründen das Schwimmen nicht schaffen sollte, ist auch Aquajogging im Nichtschwimmerbecken erlaubt. Außerdem sind die Strecken kürzer. Der Inklusionstriathlon besteht aus 100 Meter Schwimmen, 2,5 Kilometer Radfahren und 400 Meter Laufen. "Das ist einmal ganz außen herum um die Liegewiese", treibt Alexander Meile seine Schützlinge an. Keiner kneift, alle geben ihr Bestes.


Der Opa feuert die Enkelin an


"Ich mache das zum ersten Mal. Ich muss noch trainieren", sagt Kathrin Ströbe (15) keuchend. Sie hat einen hochroten Kopf, doch sie will nicht aufgeben. Auf keinen Fall. Und der Opa treibt sie an. Kathrin Ströbe ist sportlich. Sie reitet und ist eine tolle Taekwondo-Kämpferin.

Jenny Wagner ist erst 13 Jahre alt. "Ich möchte unbedingt mitmachen", sagt sie entschlossen. "Ich denke, es macht einfach Spaß, beim Triathlon dabei zu sein", findet auch Lukas Reiß (14). Dass er bei den anspruchsvollen Trainingseinheiten ganz schön ins Schwitzen kommt, nimmt er gelassen.


"Wir üben jetzt einmal das Wechseln"


"Wir üben jetzt einmal das Wechseln", gibt Alexander Meile ein neues Kommando. Nach dem Schwimmen steht Radfahren auf dem Programm. "Wichtig ist es, den Helm zuzumachen", schärft Meile seinen Schützlingen ein. Und schon sitzen sie auf ihrem Rad und strampeln los.

Der Inklusionstriathlon wird übrigens von Kiwanis und von der Deutschen Bank unterstützt. Auch bei der Durchführung steht Kiwanis den Sportlern mit einem Dutzend Helfern zur Seite.

"Manchmal ist das Training so, als ob man einen Sack Flöhe hüten würde", sagt Alexander Meile und lacht. Doch es ist klar: Er hat beim Training der besonderen Art Riesenspaß - genau wie seine Schützlinge. Und jeder kleine Fortschritt ist ein Megaerfolg. Die jungen Sportler sind hochmotiviert. Alle wollen den inneren Schweinehund überwinden und den Triathlon durchstehen. Weil es gesund ist, Sport zu treiben, und weil es Spaß macht, Grenzen zu überwinden.