Immerhin: Wir haben Mai. Den Wonnemonat. Die Zeit, in der der Sommer so langsam Fahrt aufnehmen sollte. Die Schwimmbäder haben offen, die Eisdielen auch, und die Cabrio-Fahrer fahren oben ohne.

Und was tun die Menschen klammheimlich? Drehen am Feierabend daheim die Heizung auf, weil sie frieren. Gehen morgens mit der dicken Jacke raus. Sitzen mit Handschuhen an den Fingern auf dem Fahrrad. Im Mai!
"In Monaten mir 'r' soll man sich nicht auf den Boden setzen!", hat meine Oma immer gesagt. Wenn die gewusst hätte, dass man es in diesem Mai ohne "r" nicht mal auf der Gartenbank aushält... Vorgestern Abend meinte ich, ich könnte den Sommer herbeizwingen, ließ mich am frühen Abend mit einem Stapel Zeitungen und einem Glas gut gekühltem Weißwein ("Sommerwein" steht auf dem Etikett) auf meinem Feierabend-Bänkla nieder. Nach 15 Minuten brach ich dieses Experiment ab. Ich ging zurück ins Haus, brühte mir einen Tee auf, stellte die Heizung auf 2 - und zog vorm Schlafengehen die dicken Wollsocken an.
Ein bisschen peinlich ist mir das schon. Wir haben schließlich Mai!