Der Albtraum eines jeden Hundebesitzers: Der eigene Vierbeiner wird von einem Artgenossen angegriffen und schwer verletzt. Dominik Bauer erlebte das vor kurzem mit seiner Hündin Susi. "Ich war total überfordert und habe dann versucht, die Hunde auseinanderzubringen. Ohne Erfolg", erzählt der 24-Jährige. Der andere Hund sei von einem Grundstück in Schwarzach auf die Straße gesprungen und sofort auf Susi losgegangen. Immer wieder habe er zugebissen. Erst den Besitzern gelang es, ihren Hund wegzuziehen.

Dominik Bauer brachte seine Hündin direkt zum Tierarzt. Bisswunden am Rücken und an der hinteren Pfote mussten genäht werden. "Die Besitzer haben sich entschuldigt und gleich gesagt, dass sie für die Tierarzt-Kosten aufkommen. Aber sie sehen es zu locker", meint Bauer. Dem Markt Mainleus ist der "Problemhund" in Schwarzach bekannt. "Wir behandeln den Fall derzeit", meint Jürgen Scholl. Er ist in der Verwaltung unter anderem für die Hundehaltung zuständig.

Nach dem Zwischenfall mit der Hündin von Dominik Bauer seien noch zwei weitere Meldungen bei Scholl eingegangen - alles Vorfälle mit dem gleichen Hund. Ende November wurde die elfjährige Nachbarshündin gebissen. Die Wunde musste genäht werden und die Hündin ist nach Angaben der Besitzerin seit der Attacke blind. Ein weiterer Fall habe sich an Weihnachten beim Spazierengehen in Schwarzach zugetragen (Die Beteiligten wollen anonym bleiben). Zwar sind diese beiden Vorfälle schon etwas länger her, wurden aber erst jetzt gemeldet. Die betroffenen Besitzer geben auf Nachfrage an, dass sie gedacht haben, bei ihren Hunden handele es sich um einen Einzelfall. Deswegen haben sie nichts angezeigt.


"Warum tut niemand was?"

"Es kann ja mal passieren. Aber drei Mal? Das ist zu viel", meint der 24-Jährige, der nach der Hunde-Attacke Rat bei der Kulmbacher Polizeiinspektion gesucht hat. Doch die konnte nicht helfen. "Bei Hund gegen Hund können wir nichts machen. Da sind uns die Hände gebunden", erklärt Alexander Horn, stellvertretender Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Kulmbach. Wenn der Hund einen Menschen angreifen würde, dann wäre das etwas anderes. "Dann müssten wir wegen Körperverletzung ermitteln", meint Horn.

Nachdem die drei Fälle letzte Woche gemeldet wurden, habe man die Halter des Angreifers um Stellungnahme gebeten. "Demnächst müsste uns ein Gutachten von dem Hund vorliegen, und danach werden wir handeln", meint Jürgen Scholl. Bei einer negativen Beurteilung könnte die Gemeinde Auflagen wie die Sicherung des Grundstücks oder die Maulkorbpflicht erteilen.


Hundebesitzer zeigen sich einsichtig

Doch was sagen eigentlich die Besitzer des "Problemhundes"? "Das unser Hund andere Hunde angegriffen hat, ist eine eindeutige Sache, die sich nicht verändern lässt", erklärt die Hundebesitzerin, die anonym bleiben möchte.

Ihr und ihrem Mann tue das alles wahnsinnig leid. "Die Empörung von Herrn Bauer kann ich verstehen. Wenn dein Hund verletzt wird, das ist wie, wenn deinem Kind etwas passiert."

Seit drei Monaten lebt die sechsjährige Hündin bei ihr in Schwarzach. "Wir haben sie über die Nothilfe vermittelt bekommen. Sie ist ein Scheidungshund", erklärt die erfahrene Hundebesitzerin.


Sie wollen dem Hund eine Chance geben

Zu Menschen sei der Vierbeiner immer freundlich. Bei Hunden merke man regelrecht, wie sich bei ihm ein Schalter im Kopf umlege. Nach dem ersten Beißunfall habe das Ehepaar ein neues Tor bestellt, das im März kommt, und ein Gatter aus Holz errichtet. "Wir dachten nicht, dass sie da nochmal rauskommt." Doch sie hat es geschafft.

Verschiedene Hundetrainer haben bereits mit der Hündin gearbeitet. "Wir sind ganz verzweifelt und tun alles, was wir können, um den Tick wegzubekommen." Denn sie sind sich nach wie vor sicher, dass der Hund eine Chance verdient hat.