Ein Hochzeitsmuseum in Wirsberg würde das Hochzeitsdorf stärken. Da ist sich Bürgermeister Hermann Anselstetter (SPD) sicher. "Aber nach meiner persönlichen Einschätzung hat das Projekt in der alleinigen finanziellen Trägerschaft durch den Markt Wirsberg derzeit keinerlei Aussicht auf Realisierung. Als Bürgermeister werde ich unserem Marktgemeinderat die Realisierung des Großprojektes unter den derzeit vorliegenden Rahmenbedingungen nicht empfehlen", machte Anselstetter, der immer ein Verfechter des Hochzeitsmuseums war, keinen Hehl aus seiner aktuellen Position.

Bereits 2009 entstand die Idee, in Wirsberg ein Hochzeitsmuseum einzurichten. Man rechnete als Investition für das Bürgerhaus Günther mit einer Ausstellungsfläche von 500 Quadratmetern mit zwei Millionen Euro und Folgekosten von 70 000 Euro. Davon wären 40 000 Euro auf Personal entfallen, skizzierte Anselstetter die Grundidee. Damit hätte man - in der ursprünglichen, kleinen Lösung - ein Defizit von 30 000 Euro im Jahr produziert. Diese Kostenlücke hätte man noch durch einen Förderverein mildern können. Doch mit Hilfe eines Bürgerentscheides wurde das Projekt gestoppt.

Zwei Jahre lang lag das Projekt Hochzeitsmuseum nun auf Eis. Dann kaufte der Ort ein zweites Bürgerhaus dazu mit 2000 Quadratmeter Grundstück. Eine neue Planungsstudie für ein Hochzeitsmuseum und eine Machbarkeitsstudie wurden erstellt. Das Museum in der neuen Form sollte jetzt 1000 Quadratmeter groß werden. Außerdem sollte ein Kultursaal entstehen. Im Zuge der Sanierung der beiden Häuser sollte auch gleich ein barrierefreier Zugang zur Kirche erstellt werden. Kosten: fünf Millionen Euro.

In dieser Machbarkeitsstudie kam jetzt ans Licht, dass nicht nur die Investitions- sondern auch die Folgekosten für den Betrieb eines solchen Museums enorm steigen würden. Allein die Personalkosten lägen bei 170 000 Euro im Jahr. Bei einer Öffnungszeit im Jahr von 1125 Stunden und Eintrittspreisen von 3 Euro für Erwachsene, 2,50 Euro für Studenten und einem Euro für Kinder bei 27 000 Besuchern weist die Studie ein Defizit von mindestens 140 000 Euro im Jahr aus. Bei einer pessimistischen Schätzung von 5000 Besuchern wären es sogar 200 000 Euro.

"Das jetzige Konzept hat nichts mehr mit dem ersten Entwurf zu tun. Die erste Version hätten wir schultern können", konstatierte Bürgermeister Hermann Anselstetter (SPD). Die Personalforderungen mit einer fachwissenschaftlichen Vollzeitkraft als Museumsleitung, einer Verwaltungskraft und einem Hausmeister gehen über eine realistische Sichtweise weit hinaus. Wir haben auch noch ein jährliches Freibaddefizit von 140 000 Euro. Das erlaubt uns keinesfalls einen weiteren Zuschussbetrieb in dieser Höhe", erklärte Anselstetter.

Hinzu kommt, dass auch bei den Zuschüssen noch keinerlei Summen im Raum stehen. Sowohl Karl-Heinz Opel (CSU) als auch Ottmar Opel (CSU) hielten es für "zu viel verlangt", angesichts der vielen Unwägbarkeiten, eine Entscheidung zu treffen. "Die laufenden Kosten sind eine wichtige Entscheidungshilfe", kommentierte Udo Gebhardt (Freie Wähler). Auch Gilbert Ringsdorf (SPD) merkte an, dass die Räte konkrete Förderzusagen benötigen würden.

Bürgermeister Anselstetter händigte den Fraktionen die Machbarkeitsstudie in schriftlicher Form zur Entscheidungsfindung für einen Grundsatzbeschluss aus. "Das Kapitel einfach zu schließen und zu den Akten zu legen, wäre unverantwortlich. Wir sind verpflichtet, die Chancen einer Trägerschaft unter Einbindung eines oder mehrerer Großsponsoren zumindest zu prüfen", erklärte er. Anselsetter möchte jetzt einen runden Tisch mit der Regierung von Oberfranken, der Städtebauförderung, Wohnungsbauförderung, mit EU-Programmen und dem Kulturfonds initiieren, um Fördermöglichkeiten abzuklopfen. Museumsexperte Hubertus Habel soll in einer Bürgerinformation die Wirsberger persönlich über die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie unterrichten. Und dann wird die Beratung zum weiteren Vorgehen erfolgen.