Viele Bäume haben schon jetzt fast keine Blätter mehr. "Das hat nichts mit einem frühen Herbsteinbruch zu tun, sondern das kommt von der warmen und sehr trockenen Witterung", erklärt Michael Schneider, der Leiter des Forstamts Stadtsteinach. "Die Bäume haben - sozusagen als persönliche Überlebensstrategie - die Blätter bereits abgeworfen", so Schneider. "Ehe sie selbst verdursten, verzichten sie lieber auf die Blätter. Denn so reduzieren sie die Verdunstung des Wassers auf der Oberfläche.


Phänomen nicht überall

Vor allem auf den Höhen der Fränkischen Linie, in Stadtsteinach und Umgebung beobachtet Schneider dieses Phänomen. "In Lauenstein beispielsweise haben wir solch einen Blätterfall nicht in diesem Ausmaß", hat der Forstamtsleiter festgestellt. Dort habe es immer einmal Gewitterschauer gegeben - offenbar genug, um die Bäume bei Laune zu halten.

"Aber wenn man solche Bäume sieht, muss man sich eigentlich keine Gedanken machen. Die Bäume werden wieder austreiben", pflichtet Kreisgartenfachberater Friedhelm Haun seinem Forstkollegen bei. "Es kann höchstens sein, dass der Jahresring, dessen Dicke ja von der Sonneneinstrahlung auf die Blätter abhängt, für 2015 dünner ausfällt", so Haun.

Abgesehen von den Birken und Buchen, die mancherorts schon fast komplett nackt sind, ist dieses Phänomen auch bei den heimischen Obstbäumen zu beobachten. "Wenn es zu trocken ist, dann werfen die Bäume die Früchte ab - sozusagen als Überlebensstrategie, weil sie die Früchte nicht mehr versorgen können", erklärt Haun. Doch trotzdem wird es 2015 keinen kompletten Ausfall der Ernte geben. "Wir werden Abstriche machen müssen, aber im Großen und Ganzen werden wir noch mit dem Ertrag zufrieden sein können", ist sich Haun sicher.


Wässern, aber richtig

Seine Empfehlung für alle Gartenbesitzer: Es ist besser, die Bäume einmal pro Woche ausgiebig zu wässern, als jeden Tag die Gießkanne zu benutzen. Durch regelmäßige Zufuhr von hundert bis 200 Liter Wasser könne man auch verhindern, dass Früchte wegen des Hitzestresses abgeworfen werden.

"Manche Bäume haben auch schon wieder Knospen, sie treiben vielleicht sogar noch einmal aus", sagt Haun. Diese Austriebe frieren dann im Winter natürlich zurück - und dann fehlt das Grün im nächsten Jahr.

Auch im Wald hat die Trockenheit Auswirkungen. Denn die Förster durchsuchen jetzt akribisch genau die Wälder nach dem Borkenkäfer. Aktuell hat die Forstverwaltung des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten die ersten Informationsschreiben an Waldbauern im Landkreis Kulmbach verschickt - mit der unmissverständlichen Aufforderung, von Borkenkäfern befallene Bäume schnellstmöglich zu fällen und aus dem Wald zu befördern. Jeder Tag zählt. "Es gibt die Verordnung zur Bekämpfung des Borkenkäfers. Und die besagt, dass Waldbesitzer im Sommer alle 14 Tage ihre Bestände auf Borkenkäferbefall untersuchen müssen", erklärt Förster Frank Hömberg.


Ausmaß in drei Wochen sichtbar

"Momentan bohren sich die Käfer in die Bäume ein, das ganze Ausmaß des Befalls werden wir erst in drei oder vier Wochen sehen, wenn die Bäume rot werden", erklärt der Leiter des Forstamts, Michael Schneider, und sieht die schlimmen Schäden, die vor zwölf Jahren für Schlagzeilen gesorgt haben, noch förmlich vor seinen Augen. Wenn die Bäume rot werden, dann sind sie vertrocknet - ein typisches Schadensbild für Borkenkäferbefall. Doch dann sind die Käfer meistens schon wieder weg, haben sich im nächsten Baum breit gemacht und bringen diesen zum Absterben.

Fast täglich ist Förster Frank Hömberg derzeit in den Wäldern des Landkreises Kulmbach unterwegs und schaut auch in Beständen, die im Privatbesitz sind, nach dem Rechten. Falls ihm kleine Bohrmehlhäufchen an der Rinde auffallen oder falls er sonstige Anzeichen von Borkenkäferbefall erkennt, wird der Baum markiert, und der Waldbesitzer bekommt eine schriftliche Aufforderung, den Baum unverzüglich zu fällen. "Wenn jetzt ein Baum, harzt, kann man fast immer davon ausgehen, dass er befallen ist", erklärt Hömberg und zeigt auf eine hohe Fichte, die direkt neben einem sichtlich angebohrten Borkenkäferbaum steht und an deren Rinde dicke Harzspuren herunterlaufen. Auch dieser Baum bekommt ein Kreuz. Das heißt: Er muss gefällt werden.


"Schnell reagieren"

"Wir haben heuer Glück, denn im März hatten wir noch Schnee. Deshalb konnten sich die Borkenkäfer erst spät entwickeln", so Hömberg. "Bis dato haben wir scheinbar keine hohen Schäden, aber das kann sich nächstes Jahr schon ändern. Denn wenn die Populationen wieder ansteigen, haben wir nächstes Jahr wieder Probleme", warnt Hömberg und appelliert an alle Waldbesitzer, jetzt schnell zu reagieren.