Freude in Neuenmarkt, Enttäuschung in der Nachbargemeinde Himmelkron: Die Diakonie Neuendettelsau zieht mit den Werkstätten für Menschen mit Behinderung und der Förderstätte vom Klosterdorf in die Eisenbahnergemeinde um. Die Würfel bei der Suche nach einem neuen Standort sind gefallen: Das Grundstück in Neuenmarkt wurde bereits gekauft.


Die Gründe

Warum die Diakonie den Standortwechsels vollzieht? Einrichtungsleiter Jürgen Braun macht im Gespräch mit der BR deutlich, dass die jetzigen Werkstatt-Gebäude nicht mehr zeitgemäß seien. Geschuldet sei das auch der Tatsache, dass Werkstatt I ihre Ursprünge in einem Schweinestall habe, Werkstatt II, über der sich die Förderstelle befindet, in einer früheren Baywa-Halle errichtet worden ist.


Hochwasser macht Probleme

Gerade die sanitären Anlagen ließen zu wünschen übrig. Die Frage der Evakuierung im Brandfall habe sich seit jeher zudem schwierig gestaltet. Um Rollstuhlfahrer aus der Förderstätte bringen zu können, habe man notdürftig eine Rampe geschaffen. Auch die Hochwassergefahr begleite die Einrichtung schon immer. Während der Schneeschmelze müsse er stets ein Auge auf die Warnmeldungen werfen, so Braun. Mitarbeiter hätten nicht selten Sandsäcke auftürmen müssen, um das Wasser, das über den Main getreten war, aufzuhalten. Die Zufahrt zur Werkstatt I sei nicht selten überflutet und unpassierbar.


Der Zeitplan

In vier bis fünf Jahren werden sich die Mitarbeiter der Diakonie mit solchen Problemen nicht mehr herumschlagen müssen. Dann, so der Wunsch von Jürgen Braun, soll der Umzug nach Neuenmarkt erfolgen. "Wir haben ein 30 000 Quadratmeter großes Grundstück erworben, das bisher landwirtschaftlich genutzt wird", teilt er mit. Das Areal befindet sich zwischen der Stichstraße An der Höh und der Wirsberger Straße hinter dem Fruchtladen und der Norma und ist von dort Richtung B 303 und Wirsberg ausgerichtet.


"Integrierte Arbeitslandschaft"

Wie der Neubau gestaltet wird, darüber wird derzeit mit den Architekten beraten. Ziel ist es, Werkstätten und Förderstätte nicht mehr räumlich zu trennen. Man wolle eine "integrierte Arbeitslandschaft" schaffen, so Braun, der einen Neubau auf der grünen Wiese als "Glücksfall" bezeichnet. Einen exakten Bauplan gebe es noch nicht, auch keine konkrete Kostenschätzung. Braun rechnet damit, dass eine Investition in einer deutlich zweistelligen Millionenhöhe getätigt wird.


Neuenmarkt gewinnt

Wie der Einrichtungsleiter ausführt, war zunächst eine Generalsanierung der Himmelkroner Gebäude angedacht. Von dieser habe man aus den verschiedensten Gründen Abstand genommen. Bei der Suche nach einem neuen Standort habe man sich in Himmelkron und den Nachbargemeinden umgeschaut, sich dann für das verkehrsgünstig gelegene Areal in Neuenmarkt entschieden, das auch gut zu Fuß und mit dem Rad erreichbar sei.
"Wir freuen uns, dass die Wahl auf Neuenmarkt gefallen ist", sagt Bürgermeister Siegfried Decker (NG), nach dessen Worten sich das Grundstück zum größten Teil im Gemeindebesitz befunden hat. Die Fläche sei gut angebunden an den Ort, so Decker, der darauf verweist, dass sich seit ein paar Jahren auch schon eine Außenwohngruppe der Himmelkroner Heime in Neuenmarkt befindet.


Bürgermeister ist enttäuscht

Während das Eisenbahnerdorf mehr und mehr zum Standort der Diakonie wird, spürt Himmelkron einen schleichenden Abschied. Für das Schloss sucht Neuendettelsau einen Käufer, mit der Gründung von Außenwohngruppen in Neuenmarkt, Wirsberg oder auch Bad Berneck wurden Bewohner abgezogen. Und jetzt erfolgt der Wegzug der Werkstätten.
Bürgermeister Gerhard Schneider (CSU) spricht von einer Entscheidung, die er sehr bedauere. "Wir waren bemüht, die Werkstätten in Himmelkron zu halten, konnten aber keine eigenen Flächen anbieten und nur den Kontakt zu Grundstücksbesitzern herstellen", erklärt Schneider, der über den geplanten Mitumzug der Förderstätten bis dato nicht informiert war.


"Verlust schmerzt"

"Der Verlust schmerzt weniger finanziell als mental, weil die WfB für uns untrennbar mit den Himmelkroner Heimen verbunden ist", so der Bürgermeister, der der Entscheidung der Diakonie nur etwas Gutes abgewinnen kann: "Die Werkstätten bleiben wenigstens in der Region."