CSU, SPD, Freie Wähler: So lautet auch der Einlauf bei den Zweitstimmen für die Parteien. Die CSU kommt auf 43,78 Prozent, die SPD auf 24,11 und die Freien Wähler auf 16,7.

Die anderen Parteien folgen mit weitem Abstand. Für Grünen-Kandidatin Dagmar Keis-Lechner votieren 4,52 Prozent, für ihre Partei 4,23. Thomas Nagel erhält 2,08 Prozent, seine FDP hingegen nur 1,53. Nahezu gleich sind die Stimmenanteile für Linken-Kandidat Reinhard Möller und seine Partei: Er kommt auf 2,66, die Partei auf 2,52 Prozent. 0,72 Prozent lautet das Ergebnis für ÖDP-Kandidat Konrad Bachmeyer, für die Partei votieren 0,69. Die Piraten schaffen 1,57 Prozent, ihr Bezirkskandidat Karlheinz Seidel knapp zwei Prozent. Überraschend stark präsentiert sich "Die Franken"-Vertreter Benjamin Dippold: Der Kulmbacher kann 3,47 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen, die Partei 2,34 Prozent.

Wir haben die einzelnen Bezirkskandidaten nach der Wahl nach ihrer Einschätzung gefragt.

Fast 53 Prozent bei den Erststimmen allein im Landkreis Kulmbach, 46,5 Prozent im gesamten Stimmkreis:
Henry Schramm hat die Bezirkswahl klar für sich und die Christsozialen entschieden. "Das ist auch auf Kreisebene ein ganz tolles Ergebnis, und das bei einer schwierigen Ausgangsposition", sagt Kulmbachs OB im BR-Gespräch. Schwierig deshalb, weil, so Schramm, keiner ahnen konnte, wie die Wähler im neu zusammengestellten "Hundeknochen" abstimmen würden. "In Bayreuth etwa, da ist man ja als Kulmbacher Person auch bekannt. Aber Wunsiedel? Das war schwer einzuschätzen."

Umso mehr freut es ihn, auch im Fichtelgebirge mit so viel Vertrauen bedacht worden zu sein. "Der Bezirk hat ja immer seine eigenen Gesetze. Und die Themen, mit denen wir es hier zu tun haben, sind nach außen hin nicht ganz einfach darzustellen."


"Näher an den Bürger bringen"

Diese große Bedeutung für die Region und die Aufgaben transparent zu machen: Das sieht Holger Grießhammer (SPD) als eine vordringliche Aufgabe in der neuen Amtszeit. "Wir müssen das, was der Bezirk an wichtiger Arbeit leistet, näher an die Bürger bringen", sagt der stellvertretende Bürgermeister von Weißenstadt - wenn er auch eingesteht, dass die Sozialgesetzgebung als Thema nicht eben einfach zu vermitteln sei.

Mit seinem persönlichen Abschneiden von 26,5 Prozent Erststimmen zeigt sich Grießhammer zufrieden. "Auch wenn ich mir insgesamt vom oft beschworenen Ude-Effekt etwas mehr für uns alle erhofft hätte als die zwei Prozent plus auf Landesebene." Dafür schätze er besonders die Kooperation mit Inge Aures, gerade im neu gebildeten Stimmkreis Wunsiedel/Kulmbach mit seinen "enormen Distanzen".

Klaus Förster von den Freien Wählern hätte sich für seine zweite Kandidatur mehr erhofft als die 8,57 Prozent, die es am Ende wurden. "Das ist etwas wenig und noch unter dem Bayerntrend", analysiert er. Seine Stimmung hellt sich auf beim Blick aufs Zweitstimmenresultat: 16,07 Prozent für die Partei. "Das ist doch sehr ordentlich." Auch der FW-Bezirksvorsitzende verweist auf die Schwierigkeit, die Menschen für das Thema Bezirk zu begeistern. "Da wird Vieles als selbstverständlich genommen, manches ist den Leuten auch schlicht nicht bekannt", sagt er.

Lobende Worte findet Förster für die Arbeit der Räte: "Es wird vertrauensvoll und über die Parteigrenzen hinweg konstruktiv gearbeitet, ohne Hauen und Stechen wie etwa im Landtag." Es gebe viele Experten dort, die sich mit so komplizierten Sachverhalkten wie etwa den ausgelagerten Krankenhäusern und ihrer Finanzierung befassen. Deswegen stünde allein mit Blick auf das enorme Haushaltsvolumen dem Bezirk eine deutlich größere Bedeutung in der öffentlichen Wahrnehmung zu.

4,52 Prozent: Mit diesem Ergebnis kann Dagmar Keis-Lechner (Grüne) leben. "Ich war realistisch genug, schließlich bin ich das erste Mal angetreten und wohl auch nicht überall bekannt." Zudem wisse die Kulmbacherin um die Schwierigkeit, klassische Bezirksthemen in die öffentliche Wahrnehmung zu transportieren. "Allein die Finanzierung sozialer Belange ist schwierig. Wir dürfen die Kommunen da nicht vom Land verhaften lassen, alles allein finanzieren zu müssen. Daher brauchen wir dringend eine Neustrukturierung."


Thomas Nagels letzte Kandidatur

"Wahlkampf im Bezirk zu machen ist noch schwieriger als auf Landesebene", sagt Thomas Nagel. Dabei habe gerade er versucht, konkrete Schwerpunkte aus der Bezirksarbeit zu setzen. Immerhin liest er aus seinem Erststimmenergebnis von 2,08 Prozent heraus: "An meiner Person kann es also wohl nicht gelegen haben, auch wenn sich das Ergebnis nicht schönreden lässt." Es sei überraschend, dass man mit einfacheren Parolen ohne viel Programm dahinter offenbar weiterkomme. "Aber die Schuld schiebe ich keinem anderen zu, die liegt allein bei uns." Nagel selber plane keine erneute Kandidatur für den Bezirkstag.

"Ob ich nochmals antrete, kann ich jetzt nicht sagen, bei uns läuft das ja basisdemokratisch", sagt Karlheinz Seidel. Der Piraten-Kandidat aus Arzberg ist mit seinem persönlichen Ergebnis von knapp zwei Prozent zufrieden. "Ich bin ja nicht der klassische Politiker-Typ." Der Sozialpädagoge und Betreuer habe sich um ein Mandat beworben, "weil ich mich für kompetent halte in den sozialen Fragen, die der Bezirk behandelt".


Dippold überraschend stark

Eine Überraschung in der Abstimmungsliste ist sicher Benjamin Dippold: Der Kulmbacher kam bei seiner Bezirkspremiere für "Die Franken" gleich auf beachtliche 3,47 Prozent. "Dafür, dass es unsere Gruppierung noch nicht so lange gibt und ich selber Politikneuling bin, kann sich das wirklich sehen lassen." Offenbar haben Themen wie Begrenzung der Zeitarbeit oder auch der Ausbau regenerativer Energien mit Augenmaß beim Bürger gefruchtet. Zudem hat Dippold vor allem bei jüngeren Wählern gepunktet. "Ich bin viel in den sozialen Medien unterwegs. Die jungen Leute sind durchaus zu begeistern für Politik, allerdings fühlen sie sich offenbar eher durch kleiner Parteien wie uns repräsentiert als durch die Etablierten."

Konrad Bachmeyer
(ÖDP) gewinnt seiner ersten Kandidatur positive Seiten ab. "Ich sehe mich als Mann der Basis und konnte einige unserer Vorstellungen wie etwa den Mindestlohn von elf Euro in die Debatte bringen", sagt der Trebgaster. Mit dem Ergebnis von 0,72 Prozent "kann ich prima leben, ich habe ja nahezu keinen Wahlkampf betrieben". Er hätte sich aber gewünscht, dass seitens der ÖDP auch "uncoole" Themen wie die Menschenrechte stärker angesprochen worden wären. "Prostitution oder Verschleppung sind Verbrechen und leider auch in Oberfranken keine Illusion. Dazu kommt alles, was mit der immer gravierenderen Drogenproblematik einhergeht."

Für eine Stellungnahme leider nicht erreicht haben wir Linke-Kandidat Reinhard Möller.