Es machte schon lange das Gerücht die Runde, dass die traditionsreiche Gaststätte "Zum Unteren Wirt" noch in diesem Jahr ihren Betrieb aufgeben wird. Jetzt hat es sich bestätigt.

Für die vielen Gäste aus der ganzen Region und die Gemeinde sicherlich ein Verlust - und für die Gastwirtsfamilie Kolb-Reif kein einfacher Entschluss. Rainer Kolb: "Wir haben lange hin und her überlegt, aber wir mussten eine Entscheidung treffen, weil es aus gesundheitlichen Gründen so nicht mehr weiterging."


Seit 1953 in Hegnabrunn

Von 1953 an betrieben die Eheleute Schindhelm - die Eltern von Elfriede Reif - ein einfaches Wirtshaus. 20 Jahre später übernahmen Elfriede und Horst Reif die Verantwortung und entwickelten die Gaststätte nach einem größeren Umbau im Jahr 1992 zu einem beliebten Speiselokal. Zum Erfolg trug letztlich auch Tochter Tanja Kolb bei, die eine Ausbildung in mehreren Gastbetrieben absolviert hatte - zuletzt im Landgasthof Gräfenthal - und fortan das Zepter in der Küche in Hegnabrunn schwang.


Erste Gehversuche als Wirt

Horst Reif, der als Berufsfremder nach der Eheschließung im Jahr 1973 seine ersten Gehversuchen als Gastwirt machte, erinnert sich: "Der Anfang war für mich sehr schwer. Denn ich hatte ja noch einen Beruf."
Für Elfriede Reif war die Gaststätte ihr Lebensinhalt: "Ich bin seit meinem 16. Lebensjahr in die Gaststätte meiner Eltern reingewachsen. Ich wollte eigentlich den Beruf nicht ergreifen, sondern hatte vor, Krankenschwester zu werden. Meine Eltern hatten halt darauf gedrängt, dass ich die Gastwirtschaft irgendwann übernehme."


Eine neue Aufgabe für die Köchin

Für Tanja Kolb ändert sich dagegen nicht viel: Sie kocht weiter - künftig aber nur für die Senioren, die in die ehemalige Gaststätte einziehen werden (siehe Bericht "Neue Nutzung schon im nächsten Jahr"). Die Arbeitszeit wird sich dann aber auf 8 bis 17 Uhr beschränken: "Es wird nicht mehr so stressig für mich, denn es galt ja oft, ein Essen für 80 Personen auf den Punkt zu bringen." Deshalb sehe sie die Veränderung mit einem lachenden und einem weinenden Auge. "Es ist einfach eine neue Aufgabe, denn für die älteren Menschen muss auch anders gekocht werden als bisher."

Im Ober- und Dachgeschoss der Gaststätte werden im Zuge der Umbaumaßnahmen auch mehrere Wohnungen geschaffen. Wie Rainer Kolb, der als gelernter Steuerfachmann hier die Fäden in der Hand hat, zu verstehen gibt, können die Bewerbungen für diese Wohnungen schon bei der Familie Kolb-Reif abgegeben werden.
Es wird noch die beliebte "Hegnabrunner Kerwa" von Donnerstag, 13. Juli, bis Montag, 17. Juli, gefeiert. Endgültig Schluss ist drei Tage später mit einer privaten Geburtstagsfeier.

Seit Samstag steht nun auch fest, dass wie es mit dem Gebäude weitergeht: Der Diakonieverein Neuenmarkt-Wirsberg-Trebgast-Harsdorf wird in der Gaststätte "Zum Unteren Wirt" zum 1. Januar 2018 eine Seniorentagesstätte für maximal 15 Personen eröffnen. In einem Pressegespräch gab Pfarrer Peter Ahrens als Vorsitzender des Diakonievereins am Samstag die Entscheidung bekannt.

Er verwies darauf, dass man sich schon länger mit dem Gedanken beschäftigt hatte: "Dass wir in Trebgast an einer Seniorentagesstätte interessiert waren, wusste jeder." Aber zu seinem Bedauern sei die Awo favorisiert worden.

Im Februar - und damit sechs Wochen später - sei ein Anruf von der Familie Reif erfolgt. Dabei sei die Idee entstanden, die Räumlichkeiten der Gaststätte als Tagesstätte zu nutzen. Dass dafür Umbauarbeiten notwendig werden, war klar. "Aber die wären auch bei einer anderen Nutzung erforderlich gewesen." Der Diakonieverein sei guter Dinge, zum Jahreswechsel 2017/18 einziehen zu können.

Margit Weinlein, die Leiterin der Diakoniestation, die auch weiterhin ihren Sitz im alten Rathaus in Wirsberg haben wird, stellte das Konzept der Seniorentagesstätte vor. Man wolle die Menschen aus der Vereinsamung holen, gemeinsam kochen und miteinander essen. Ferner geht es um Orientierungshilfen für Demenzkranke. "Es wird Unterstützung beim Tagesablauf, bei der Nahrungsaufnahme, der Körperpflege und den Toilettengängen gewährt."

Es werde zudem ein Hol- und Bringdienst mit einem senioren- und behindertengerechten Auto eingerichtet. Die Öffnungszeiten der Tagesstätte sind von Montag bis Freitag voraussichtlich von 8 bis 17 Uhr.

Geschäftsführer Angelo Henninger macht deutlich: "Die Menschen werden älter, wir wollen einfach erreichen, dass sie möglichst lange in ihrer gewohnten Umgebung leben können. Ich finde den Standort hier in Hegnabrunn ideal."

Für Schatzmeister Manfred Kolb ist wichtig, dass die 550 Mitglieder des Diakonievereins hinter dieser Maßnahme stehen.

Anmeldungen für die Seniorentagesstätte in Hegnabrunn können an die Diakoniestation in Wirberg, Telefon 09227/9887 und 9888, gerichtet werden.