Wenn man mit über 50 plötzlich seinen Job verliert, ist die Gefahr groß, dass man in ein tiefes Loch fällt. Diese Erfahrung hat auch die Katschenreutherin Sabine Kaim gemacht. Aber sie hat den Kopf nicht in den Sand gesteckt, im Gegenteil: "Ich wusste: Das ist jetzt meine Chance, noch einmal etwas ganz Neues anzufangen. Etwas, was ich schon immer gewollt habe, etwas, was mir Spaß macht", erzählt Sabine Kaim. Sie hat ein großes Ziel vor Augen: Sie eröffnet im Kressenstein einen Laden, um ihre selbstgemachten Dinge zu verkaufen - aber nicht nur die eigenen Handarbeiten, sondern auch die von anderen kreativen Menschen.

Die 52-Jährige hat sieben Jahre bei Baur Fullfillment Solution gearbeitet. Sie hat als einfache Lagerarbeiterin angefangen und sich bis zur Gruppenleiterin hochgearbeitet. Doch dann verlagerte ein Großkunde seine Aufträge und über 130 betriebsbedingte Kündigungen wurden ausgesprochen. "Als die Kündigungen ausgesprochen worden sind, habe ich fünf Monate lang Überstunden abgefeiert. Und kaum war ich zu Hause, habe ich wieder angefangen, kreativ zu arbeiten", sagt Sabine Kaim. "Ich selbst stricke und häkele und bastele schon immer gerne. Aber in der Zeit, in der ich voll berufstätig war, ist das auf der Strecke geblieben. Ich hatte einfach keine Zeit mehr."


Die zündende Idee

Sabine Kaim werkelte für sich, für Bekannte, verkaufte ihre Dinge auf Märkten: Dreieckstücher, Loops und Schals. Doch ihre ganz besondere Leidenschaft sind Chucks. Keine gewöhnlichen Chucks, sondern selbst gehäkelte Babyschühchen mit feinen Verzierungen.

"Aber was mich immer gestört hat, ist, dass zwischen den Märkten die ganzen Sachen, die ich so hergestellt habe, ja totes Kapital sind. Das ist eigentlich betriebswirtschaftlich nicht so gut", so Kaim. Also hat sie im Internet recherchiert, wie sich eine Art Dauer-Kunsthandwerkermarkt auf die Beine stellen lassen würde.

Und dann hatte Sabine Kaim eine tolle Idee: Sie macht ihren eigenen Laden auf und stattet ihn mit Regalen aus, die an andere kreative Menschen vermietet werden. "Herzstücke" wird das Geschäft im Kressenstein heißen, am 21. Mai soll Eröffnung sein. "So ein Regalfach, das 33 mal 33 Zentimeter groß ist, kostet im Monat zehn bis 20 Euro - je nach Lage", sagt Sabine Kaim. Natürlich hat sie auch größere Fächer und Stellflächen in ihrem Laden. "Die Idee ist, dass ich all die schönen Dinge, die die Leute beispielsweise auf einem Kunsthandwerkermarkt kaufen, auch ganz normal in einem Laden verkaufe", erläutert sie ihr Geschäftskonzept.

Bislang hat sie, obwohl sie ihr Geschäft noch gar nicht so groß beworben hat, schon 25 Fächer sowie Stell- und Hängeflächen in ihrem "Herzstücke"-Laden fest vermietet - manche sogar bis Weihnachten.


Taschen, Schmuck und mehr

Sabine Kaim konnte einen Drechsler gewinnen, eine Schmuckdesignerin. In ihrem Laden wird es handgenähte Kindersachen geben und kleine Geschenke. Eine Kulmbacherin bietet selbst genähte Taschen an, wieder andere präsentieren in dem Lädchen Naturkosmetik. Sogar handgemachte Karten-Unikate, leckere Marmeladen, Chutneys und Öle, Windlichter, Shabby-Chic-Sachen und jede Menge Dekoratives werden in dem Laden am Kressenstein angeboten. "Die Vielfalt wird groß sein - aber alles, was es bei mir zur kaufen gibt, ist garantiert selbst hergestellt. Ich will weg von Massen- und Billigware", sagt Sabine Kaim. Die Anbieter kommen aus der Region, aber nicht nur. Manche schicken ihre Werke per Post. "Natürlich kann man solche Sachen auch übers Internet kaufen, aber es ist doch viel schöner, wenn man die Dinge auch in Wirklichkeit sieht, wenn man sie anfassen kann, wenn man die Haptik erlebt", so Kaim.

Natürlich vermietet Sabine Kaim in ihrem Lädchen auch die Wandflächen und die Bodenflächen. Momentan ist die Katschenreutherin vollauf mit der Ausstattung ihres "Herzstücke"-Ladens beschäftigt. Täglich werden Verkaufsgegenstände von Hobbykünstlern angeliefert. Sabine Kaim räumt sie mit viel Liebe in die Regalfächer.

"Ich muss aber auch noch viel stricken", seufzt die Neu-Ladenbesitzerin und zeigt ein kunterbuntes, ellenlanges Wollkunstwerk. "Das soll einmal die Säule in ihrem Laden verschönern." Dass die Katschenreutherin für die Verzierung kein einfaches Muster mit rechten Maschen ausgewählt hat, versteht sich fast von selbst. Sie strickt ein kunterbuntes Etwas mit verkürzten Reihen: sehr kompliziert für Strick-Laien. "Aber das macht einfach Spaß", sagt Kaim gut gelaunt.

Bei der Gestaltung des Ladens und bei der Vermarktung all der schönen handgemachten Dinge lässt sich Sabine Kaim nicht dreinreden, das ist ihr Metier. "Ich verlange für jedes verkaufte Stück eine Servicegebühr von 15 Prozent, denn ich muss ja auch für Verpackung, Kundenberatung, Pflege der Fächer, Werbung und Administration sorgen", erläutert die frisch gebackene Ladenbesitzerin und hofft natürlich auf guten Umsatz. Ganz vorne im Laden hat sie außerdem ein Ehrenamts-Fach, in dem Dinge für die humanitäre Hilfe verkauft werden.