Das Urteil hat folgenden Hintergrund: der Angeklagte ist bereits sieben Mal vorbestraft, vier Mal davon wegen Drogengeschichten, drei Mal wegen Diebstahls und Unterschlagung. Zuletzt wurde er im März des vergangenen Jahres ebenfalls vor dem Kulmbacher Amtsgericht zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt.
Auf die Spur des Mannes war die Polizei über andere Konsumenten gekommen. Irgendjemand aus der Szene war auf der Suche nach Crystal und so war der Name des Angeklagten in einem Chat aufgetaucht. Die Beamten durchsuchten daraufhin am 2. Dezember des vergangenen Jahres die Wohnung des Mannes. Dort fanden sie zwar kein Crystal, dafür aber die beiden Pflanzen, ganz professionell in einem Kästchen mit speziellen Leuchtlampen. Auch Luftbefeuchter und Leuchtstoffröhren waren vorhanden.

Kein Vogel in der Wohnung

"Die Geschichte mit dem Vogelfutter hat er uns auch erzählt", sagte der Beamte von der Kulmbacher Inspektion. Er könne sich das aber nicht vorstellen, dass im Vogelfutter tatsächlich THC-haltige Hanfsamen sind, so der Beamte. Einen Wellensittich oder einen Kanarienvogel habe er in der Wohnung aber auch nicht finden können.
Er habe jedenfalls keine bösen Gedanken gehabt, beteuerte der Angeklagte. Er wusste aber auch, dass er 600- oder 800-Watt-Natriumlampen benötigt hätte, wenn er die Pflanzen wirklich professionell hätte ziehen wollen. Woher er das wisse, wollte Richterin Sieglinde Tettmann wissen. "Ich habe mich im Internet schlau gemacht", sagte der Angeklagte. Warum er die Geschichte nicht sofort auch der Polizei gesagt habe, fragte die Richterin weiter. Zur Polizei sage er grundsätzlich erst einmal gar nichts, so der 33-Jährige.
Vogelfutter großzuziehen, das mache einfach keinen Sinn, sagte der Staatsanwalt. Deshalb sei der Angeklagte wegen versuchten Anbaus von Betäubungsmitteln zu verurteilen. Er hielt dem Mann allerdings zu Gute, dass keinerlei Gefährdung eines Dritten von den Pflanzen ausging und dass ein beabsichtigter Handel nicht nachzuweisen ist. Der Anklagevertreter forderte deshalb eine Bewährungsstrafe von vier Monaten sowie eine Geldauflage in Höhe von 1000 Euro.
Verteidiger Alexander Schmidtgall sprach sich dagegen für eine Freiheitsstrafe von 50 Tagessätzen zu jeweils 30 Euro aus. "Die Tat war dumm", sagte der Verteidiger. Sein Mandant mache aber schon den Eindruck, dass er das auch kapiert habe.

"Eine dämliche Idee"

Richterin Tettmann sah schließlich von einer Bewährungsstrafe ab, schraubte die Geldstrafe aber doch nach oben. 2700 Euro (90 Tagessätze zu jeweils 30 Euro) muss der Angeklagte bezahlen. Auch die Richterin sprach von einer wirklich dämlichen Idee "unter Verkennung des Ernstes der Lage".