Viele der Mitarbeiter des Tabak- und Zigarettenhersteller British American Tobacco (BAT) hätten eine technische Berufsausbildung, sagt Thomas Zimmer, Präsident der Handwerkskammer für Oberfranken (HWK). "Von deren Know-how könnten unsere Betriebe profitieren", stellte Zimmer bei seinem gestrigen Redaktionsbesuch in der Bayerischen Rundschau fest.

Die Staatsregierung sei gefordert, die Folgen des Jobabbaus mit dem angekündigten Aktionsplan abzufedern. Laut Zimmer will aber auch das Handwerk seinen Beitrag leisten, um betroffenen BAT-Mitarbeitern eine berufliche Zukunft zu bieten. Derzeit würden Gespräche geführt, wie die Kammer über die Akademie des Handwerks Weiterbildungsmaßnahmen durchführen kann.


Firma Schwender will ausbilden

Allein 30 Beschäftigte möchte die Thurnauer Firma Schwender Energie- und Gebäudetechnik ausbilden, wie deren Chef Hans Schwender, der stellvertretender Kreishandwerksmeister ist, mitteilte. "Die BAT-Mitarbeiter haben Angst vor der Zukunft. Wir wollen ihnen Hoffnung geben", sagte er. Schwender machte deutlich, dass er keine Garantie für eine Übernahme gegeben könne. Es bestehe aber die Möglichkeit, die Zahl der Leihmonteure zu reduzieren, um neue Mitarbeiter fest anzustellen.


"Keine Nummer"

Dass der Arbeitsmarkt im Handwerk "aufnahmefähig ist", machte Thomas Zimmer deutlich Zwar sei der Verdienst bei BAT relativ hoch, doch könne das Handwerk bessere soziale Faktoren bieten. Anders als in großen Industriebetrieben sei der Mitarbeiter dort "keine Nummer", so Hans Schwender.

Die Geschäftslage der oberfränkischen Unternehmen ist Zimmer zufolge ausgezeichnet. "Das zweite Quartal 2016 war nach 2011 das beste in den vergangenen 25 Jahren." Sorge bereite nach wie vor der akute Fachkräftemangel. Erfreulich sei, dass man zum Stichtag 31. Juli im Vergleich zum Vorjahr 4,48 Prozent mehr Azubis verzeichnet habe. Erfreulich sei auch, dass vermehrt Realschüler und Gymnasiasten ins Handwerk drängen. Diese hätten erkannt, dass es gute Aufstiegschancen und letztlich auch gute Verdienstmöglichkeiten bietet. Laut Zimmer gibt es Berechnungen, nach denen ein Handwerksmeister in seinem Leben 1,9 Millionen Euro verdient, ein Hochschulabsolvent zwei Millionen Euro. "Da liegt man gar nicht so weit auseinander."


Die Digitalisierung

Gerade im Zuge der Digitalisierung seien hochqualifizierte Arbeitskräfte gefragt, betonte der Präsident. Er verwies darauf, dass sich in Bayreuth eines von vier in Deutschland etablierten Kompetenzzentren für "Digitales Handwerk" befindet.

Eine Herausforderung sei die Unternehmensübergabe. Jahr für Jahr würden 1000 neue Betriebe geschaffen, aber gleich viele geschlossen, oft deshalb, weil es keinen Nachfolger gibt. Die Kammer kämpfe dagegen an. 2015 hätten die oberfränkischen Betriebsberater über 100 Nachfolgeregelungen initiiert.