Möglichst lange selbstständig in den eigenen vier Wänden leben zu können, das wünschen sich fast alle älteren Menschen. Ohne Hilfe funktioniert das leider nur in den seltensten Fällen. Angehörige, Nachbarn und Freunde helfen oftmals im Haushalt und bei der Pflege. Wenn diese Unterstützung nicht mehr ausreicht oder von vornherein nicht möglich ist, kommen die ambulanten Pflegedienste ins Spiel. Ausgebildete Pflegefachkräfte kommen ins Haus, wenn gewünscht auch mehrmals täglich, finanziert im Wesentlichen über Leistungen der Pflegeversicherung.

Eine von ihnen ist Altenpflegerin Rita Stöcker von der Kulmbacher Awo-Sozialstation. Seit 24 Jahren ist sie täglich viele Stunden unterwegs, um pflegebedürftigen Menschen das Zuhausebleiben zu ermöglichen. Eine Aufgabe, die der 59-Jährigen Freude macht. Im Alter von 32 Jahren hat die gelernte Bäckereiverkäuferin noch einmal die Schulbank gedrückt und die Altenpflegeschule absolviert. "Anfangs war ich stationär und in der Kurzzeitpflege tätig, aber ich wollte lieber raus zu den Leuten. Das liegt mir einfach mehr", sagt sie. "Ich mag das selbstständige, eigenverantwortliche Arbeiten, die Abwechslung, den Kontakt zu den Menschen."

Wir dürfen Schwester Rita einen Tag lang bei ihrer Arbeit begleiten. Es ist noch früh am Morgen, kurz nach 6 Uhr, als wir uns in der Sozialstation in der Caspar-Fischer-Straße treffen. Kurze Teambesprechung. Es gibt ein paar aktuelle Änderungen auf der Tour, die uns durchs Stadtgebiet und in die Gemeinden Ködnitz und Untersteinach führt. 14 Hausbesuche stehen heute auf dem Plan.

Artur Köttler ist der erste Kunde auf Rita Stöckers Tour. Um sich für den Tag startklar zu machen, braucht der 92-Jährige Hilfe. Er leidet an Demenz, hat gute und schlechte Tage. Heute ist ein guter Tag: Aufstehen, Toilette, Waschen, Zähneputzen, Rasieren, Ankleiden - das ist die Morgenroutine, die zügig vonstatten geht. Rita Stöcker kommt schon viele Jahre ins Haus, ist eine Vertrauensperson - auch für Sohn Jens, der sich um die Betreuung des alten Herrn kümmert. Der 60-jährige Elektrotechniker hat dafür sein Angestellten-Verhältnis aufgegeben und sich selbstständig gemacht. "Ich war früher viel im Außendienst unterwegs und hab mir dann dauernd Sorgen gemacht, was daheim wohl los ist."


Eine wertvolle Etnlastung


Während sein Vater im Bad ist, bereitet er das Frühstück vor und erzählt von seinem Alltag: "Ich mache das gern für meinen Vater, aber es ist schon sehr anstrengend." Die Unterstützung durch den Pflegedienst sei für ihn eine wertvolle Entlastung. Trotzdem: "Spontane Aktionen, mal ein paar Tage wegfahren - das geht nicht. Als pflegender Angehöriger kann ich mein Leben nicht selbst bestimmen."

Schon einmal für einige Monate im Pflegeheim war eine andere Kundin, die inzwischen wieder bei ihren Angehörigen lebt. Warum? "Wir konnten die Heimkosten nicht mehr stemmen. Die Rente reicht dafür nicht, die Ersparnisse waren irgendwann aufgebraucht", erzählt die Schwiegertochter, die selbst schwerbehindert ist. "Mit dem ambulanten Pflegedienst geht es jetzt auch zu Hause."

In manches Haus kommt Rita Stöcker schon seit vielen Jahren: "Da entsteht dann schon eine besondere Beziehung." Helga Rosa gehört zu diesen Langjährigen. Wenn "ihre Schwester Rita" da ist, geht für die 76-Jährige die Sonne auf. Neben der praktischen Hilfe ist für sie auch das Gespräch wichtig - ein bisschen erzählen, auch wenn dafür immer nur wenig Zeit bleibt. Der Zeitplan ist eng getaktet, nur die definierten Leistungen können abgerechnet werden.

Hektisch geht es bei Rita Stöcker aber deshalb nicht zu, auch wenn sie bei jedem gerne ein paar Minuten mehr Zeit hätte: Zum würdevollen Umgang mit den ihr anvertrauten Menschen gehört für die Altenpflegerin auch, Ruhe auszustrahlen und sich Zeit für ein paar nette Worte zu nehmen, während sie Blutzucker misst, Insulinspritzen vorbereitet, Kompressionsstrümpfe anzieht, Wunden versorgt und mit ihren Kunden die Morgentoilette erledigt.