Die Eule, der Esel, die Vögel und im Besonderen der Fisch. Für seine Tiermotive auf oder aus Ton, Plastiken und Malereien ist Günther Stüdemann bekannt. Nicht nur in Oberfranken, sondern auch deutschlandweit. In diesem Jahr, würde er 125 Jahre alt werden. Wer aber hinter dem Namen des Thurnauer Keramikers, steckt ist oft nicht ganz klar, obwohl die Lösung gewissermaßen zum Greifen nahe ist.

Günther Stüdemann ist 1890 in Berlin geboren. Mit 16 Jahren besuchte er bereits die Landes-Kunstschule in Hamburg. Später studierte er an der Akademie Levin-Funke in Berlin und wurde so zum Maler ausgebildet. Im Laufe der Jahre stellte Stüdemann seine Aquarelle - meist Landschaftsbilder - in ganz Deutschland aus, bis er 1924 beschloss, nach Süditalien, genauer nach Positano, zu reisen. Dort entdeckte er seine Leidenschaft für die Keramik.

Vietri sul Mare heißt der Ort, an dem er eine stillgelegte Töpferwerkstatt übernahm und begann, Keramiken zu gestalten. Durch den Umstand, dass die Werkstatt direkt am Tyrrhenischen Meer lag, entstand auch sein Markenzeichen - der Fisch.

Er brachte den dortigen Alltag in seine Arbeit ein. Eben das, was ihn beschäftigte. Auch Esel oder Seepferdchen auf den Keramiken waren keine Seltenheit.

Während des Aufenthalts dort war es ihm möglich, Inspirationen zu sammeln und so die Möglichkeiten der Fayence-Malerei durch seinen eigenen Stil zu erweitern. Fayence-Malerei bedeutet, das bereits glasierte Gefäß mit einem Pinsel zu bemalen. So entstand die Verbindung zwischen dem Töpferhandwerk und der Malerei.
Nach seiner Rückkehr von einem zweijährigen Spanienaufenthalt arbeitete Stüdemann im Berliner Heimatwerk, durch das er schließlich auch das Thurnauer Töpferhandwerk und seine Tradition entdeckte. Vielleicht wollte er durch den Aufenthalt ab 1939 auch nur weitere Möglichkeiten der Dekoration kennenlernen, denn schließlich gab es dort eine Technik die er noch nicht kannte, die Schlickermalerei. Eine für Thurnau typische Dekorationstechnik durch das sogenannte Malhorn.

Liebe zur Landschaft

Was ihn dort hielt, war die oberfränkische Landschaft und die Liebe zum regionalen Töpferhandwerk. Schon ein Jahr nach seiner Ankunft übernahm er die Töpferei Pittroff. Ein weiteres Jahr danach heiratete er seine 20 Jahre jüngere Frau Luise.

Durch Günther Stüdemann wurde Thurnau ab diesem Zeitpunkt zu dem Töpferort, der er heute ist, bekannt für seine Tradition in Verbindung mit Innovation - ein andauerndes Erfolgsrezept. Dies bestätigt Heinz Schnauder. Er absolvierte von 1944 bis 1946 seine Töpferlehre bei Stüdemann und ist fest davon überzeugt, dass der Maler und Keramiker der Grund dafür ist, dass sich das Thurnauer Töpferhandwerk im Lauf der Jahre immer weiter entwickelt hat und so auch noch heute bestehen kann. Stüdemann wurde so auf Grund seiner immer neuen Ideen und natürlich auch wegen seines malerischen Talents oft der "Picasso von Oberfranken" genannt.

"Eine Art Vorbild"

Heinz Schnauder verstand sich gut mit ihm. Er bezeichnet ihn als eine Art Vorbild, denn dessen Engagement reichte weit über das eines Ausbilders hinaus. Er berichtet von samstäglichen Malstunden und von Englischunterricht durch Stüdemann. Auf die Frage, welche Eigenschaft ihm am besten an dem Maler und Keramiker gefallen hat, antwortet Schnauder prompt: "seine Vielseitigkeit".

Vielseitig war Stüdemann in jedem Fall, nicht nur als Künstler, sondern auch als Sportler. Während seiner ersten Studienjahre war er ein begabter Hockeyspieler und sogar Teil der deutschen Mannschaft bei der Olympiade 1908. Der Sport ließ ihn, genau wie die Kunst, Zeit seines Lebens nicht mehr los.

Mit dem Alter aber verließ ihn nach und nach das Sehvermögen, so dass er schließlich nur noch Plastiken, meist zu christlichen oder mythologischen Themen, anfertigen konnte. Seine Frau glasierte diese für ihn.

Seit Stüdemann 1939 nach Thurnau gekommen war, sammelte er Töpferware aus verschiedenen Jahren und Jahrzehnten - auch Dokumente und Bilder zu den verschiedenen Thurnauer Handwerksbetrieben. Der Wunsch eines eigenen Museums für die Geschichte und Entwicklung des Thurnauer Töpferhandwerks entstand.
Durch den Einsatz von Luise Stüdemann und ihrer Beteiligung an der Sammlung und Dokumentation ist es maßgeblich ihr Verdienst, dass das Museum in Thurnau am 3. Dezember 1982 eröffnet werden konnte.

Günther Stüdemann konnte diesen Tag nicht mehr miterleben, denn er starb bereits ein Jahr zuvor im Alter von 91 Jahren im Kulmbacher Krankenhaus. Anne Reinholdt



Das Töpfermuseum - ein wichtiger Teil der Thurnauer Geschichte

Thurnau — Gleich neben der Laurentius-Kirche befindet sich das 1982 eröffnete Töpfermuseum. Es ist ein Spezialmuseum, das ausschließlich die Geschichte und Weiterentwicklung des Thurnauer Töpferhandwerks beschreibt. Dabei bekommt der Besucher einen umfassenden Eindruck vom gesamten Herstellungsprozess der Töpferware. Angefangen von der Tongewinnung über die Formgestaltung und Dekoration der Gefäße mittels verschiedener Techniken bis hin zum Brandvorgang. Auch das Leben und die Werke von Günther Stüdemann gehören zur Ausstellung.

Dem Maler und Keramiker, der die Gründung des Museums mit seiner Frau Luise maßgeblich vorangetrieben hat, wird die Mitte des Hauptraumes in der zweiten Etage gewidmet. Der Besucher lernt die verschiedenen Stationen seines Lebens und die dazugehörigen Werke kennen. So kann man auch leicht die Entwicklung seiner Kunst verfolgen, die spätestens ab 1940 mit der Übernahme der früheren Werkstatt der Familie Pittroff in gewisser Weise mit der Thurnauer Tradition verschmolz. Trotzdem blieb der Stil seiner Technik weiter unverkennbar.

Einen Kreis um die Werke Stüdemanns bilden die Töpfereien, die zu seiner Zeit ebenfalls tätig waren. Dazu gehören beispielsweise die frühere Töpferwerkstatt von Heinz und Eveline-Maria Schnauder und auch die Töpferei Renner, die bis heute besteht.

Zudem gibt es in der dritten Etage eine Ebene, die allein den heutigen Thurnauer Töpfereien vorbehalten ist.
Genau wie Stüdemann das Töpferhandwerk in Thurnau auch durch die Ausbildung von Lehrlingen wiederbelebte, werden heute im Töpfermuseum verschiedene Programme für Schulklassen angeboten, um auch den Kindern dieses Handwerk praktisch näherzubringen.

Früher Lateinschule

Aber nicht nur in dem Museum werden Geschichten aus Thurnau erzählt und praktisch greifbar gemacht, das Gebäude selbst ist auch ein Teil der Thurnauer Geschichte. Früher befand sich darin nämlich die Lateinschule. Sie wurde bereits 1552 gegründet und im Lauf der Jahre immer wieder erweitert und ausgebaut.

Der Dreißigjährige Krieg und auch die kriegerischen Zeiten zu Beginn des 19. Jahrhunderts brachten Thurnau immer wieder in Notsituationen, weshalb die Lateinschule nicht mehr erhalten werden konnte. Im Laufe der Jahre dienten die Räume des Gebäudes verschiedenen Zwecken, unter anderem auch als Wohnungs- oder Abstellräume.

1978 beschloss die Marktgemeinde, das historische Gebäude zu restaurieren und für die Zwecke des Museums umzubauen. Am 3. Dezember 1982 konnte die Einrichtung schließlich eröffnet werden, seitdem wurde sie immer weiter ausgebaut und erweitert. Zuletzt konnte sie sogar um eine Tonwerkstatt und einen museumspädagogischen Bereich ergänzt werden.