Ist sie rechts unterwandert und gefährlich, wie ihre Gegner behaupten, oder steht sie mit ihrer Kritik an der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung nur für den Einhalt der Rechtsstaatlichkeit ein, wie die Partei und ihre Sympathisanten betonen? Eine Frage, die das Land bewegt - nicht erst seit den großen Wahlerfolgen, die die Alternative für Deutschland (AfD) bei den Landtagswahlen am Sonntag eingefahren hat.

In Kulmbach war die AfD bis dato kein großes Thema. Bis gestern, als ein von der Kreisgruppe geplantes Treffen in der Gaststätte "Weinbrücke" für großen Wirbel sorgte. AfD-Vorsitzender Georg Hock hatte den Stammtisch bei Wirt Guido Kögel angemeldet. Kögel, der, wie er betont, mit dem Wort AfD nicht viel anzufangen wusste ("Ich bin kein politisch interessierter Mensch"), hat heftige Kritik geerntet, weil er seine Räumlichkeiten zur Verfügung stellt, und den Stammtisch deshalb kurzfristig abgesagt. Er hat das auf Facebook so begründet: "Als traditionsreiche Gastwirtschaft pflegen wir Gastfreundschaft und distanzieren uns ganz ausdrücklich von Intoleranz und Fremdenhass."


"Ich wollte keinen Ärger"

Ob er der AfD Fremdenfeindlichkeit unterstellt? Er habe, ohne sich mit den politischen Zielen der AfD näher befasst zu haben, die Reißleine gezogen, sagt Kögel dazu. Er habe einfach keinen Ärger haben wollen, stellt der Gastwirt im Gespräch mit unserer Zeitung fest.


"Wir bedauern das zutiefst"

"Wir bedauern das zutiefst", sagt AfD-Sprecher Georg Hock. Er habe aber Verständnis für Kögels Entscheidung, der mit Drohanrufen und Beschimpfungen über das Internet unter Druck gesetzt worden sei. Hock ("Wir sind nicht fremdenfeindlich, haben viele Mitglieder mit ausländischen Wurzeln in unserer Partei") hat umgebucht. Er wird das AfD-Treffen am Mittwoch um 19 Uhr in der Pizzeria "Gleis 3" in Mainleus abhalten.

Mit der AfD zieht auch die Protestkundgebung um, zu der das Aktionsbündnis "Bündnis kunterbunt" unter dem Motto "Nein zu Rassismus und Rechtspopulismus in Kulmbach" vor der "Weinbrücke" eingeladen hatte. Das Sachgebiet für Sicherheit und Ordnung am Landratsamt hat kurzfristig eine neue Genehmigung erteilt. Jetzt darf das Bündnis in Mainleus gegen die AfD protestieren.


Der Appell läuft ins Leere

Mitorganisator Arno Pfaffenberger hat zwar noch versucht, auch dieses Treffen zu unterbinden, hatte aber keinen Erfolg. "Sagt mal, liebe Besitzer der Pizzeria! Wollt ihr wirklich der rassistischen völkischen AfD Platz geben für ihr Treffen? Das wird sich sicherlich rumsprechen und ist keine gute Werbung für euch!" hat er auf der Facebook-Seite der Gaststätte gepostet, damit den Wirt aber nicht umstimmen können.

Adressat war kein Deutscher, sondern ein Türke, der das "Gleis 3" betreibt und mit der Alternative für Deutschland als ausländischer Mitbürger überhaupt kein Problem hat, wie er betont. Die AfD ("Es ist eine milde rechte Partei") sei nicht verboten, sagt Canim Cabir. "Ich backe Pizza. Bei mir ist jeder herzlich willkommen, auch der Stammtisch der AfD", erklärt der Wirt, der der Partei keine Fremdenfeindlichkeit vorwirft und daher keinen Anlass sieht, das Treffen abzusagen.


Protestkundgebung

Arno Pfaffenberger sieht das anders. Die AfD sei keine "keine Partei wie jede andere". "Faschismus war und ist keine politische Meinung, sondern ein Verbrechen!", sagt der Sprecher des Bündnisses "Kunterbunt", mit dem nicht nur AfD-Gegner, sondern wohl auch einige Polizisten nach Mainleus kommen werden, die eine Kundgebung naturgemäß begleiten.


An Polizeipräsenz gewöhnt

An die Polizeipräsenz sei die Alternative für Deutschland gewöhnt, sagt Kreisvorsitzender Georg Hock, der am Wahlsonntag eine "Demo für Rechtsstaatlichkeit" und eine AfD-Wahlparty in Nürnberg besucht hat.
Bei der Kundgebung seien mehrere Hundertschaften der Polizei vertreten gewesen. Es sei ein "Begleitschutz", mit dem seine Partei, die auch in Oberfranken im Aufwind sei, wohl noch einige Zeit werde leben müssen.