Eins haben Hermann Hildner, Siegfried Ritter und Anton Leither gemein: Sie wollen eigentlich kein großes Aufhebens um ihre "heimlichen Leidenschaften" machen, sondern werkeln lieber für sich im Verborgenen. Sie wollen auch kein Geschäft mit ihrer Kunst machen. Trotzdem wagten sich die drei Ludwigschorgaster jetzt an die Öffentlichkeit - bei einer ersten Gemeinschaftsausstellung.

"Mein Hobby ist einfach der Wald. Schon seit frühester Jugend", erzählt Hermann Hildner und weist die Bezeichnung "Künstler" eigentlich weit von sich. "Ich suche auch nicht nach besonderem Holz, ich finde es einfach.Man muss einfach mit offenen Augen durch den Wald gehen", sagt er.

Auch der Enkelin gefällt's

Doch dass Hermann Hildner den Blick für das Besondere hat, steht zweifelsfrei fest, wenn man die Werkstatt von Hildner betritt. Denn er erkannt auf Anhieb, welches Treibholz, das er im Bachbett der Schorgast findet, für seine "Kunstwerke" geeignet ist. Aus knorrigen Wurzeln entstehen lustige japanische Makaken-Äffchen oder knorrige Wurzelgnome. Besonders gerne mag seine Enkelin Charlotte (5) den Wurzelgnom, der zwei Schneckenhäuschen als Augen hat. Denn der schaut so freundlich, erklärt die Fünfjährige.

Hermann Hildner: "Eigentlich ist im Holz schon alles vorgegeben, die Kunstwerke stecken im Holz schon drin", sagt er. Tatsächlich holt er mit Leinöl bizarre Strukturen aus aufgesägten Holzscheiben: Insekten, abstrakte Gebilde, sogar ein Bild, das verdächtig an das legendäre Gemälde "Der Schrei" von Edvard Munch erinnert, kommt aus dem Holz zutage. "Manche Astgabelbilder sehen aus wie Außerirdische", so Hildner.

Hermann Hildner zeigte bei der Ausstellung im Sportheim aber auch Tische aus geschliffenen Baumstämmen, die auf Hochglanz lackiert worden sind, Dekoobjekte aus Holz, seine Erdkartoffeln und urige Sessel - mit der Motorsäge aus Holz gesägt.

Dutzende Bilder

Siegfried Ritter aus Ludwigschorgast ist ein Maler. Ob abstrakt oder gegenständlich - Siegfried Ritter zeigt Dutzende Bilder im Sportheim. In manchen wie in "Wege der Zeit" steckt viel Lebensphilosophie drin. Ritter interpretiert in einem einzigen Gemälde die Entstehung der Welt aus dem Urknall, die Entstehung der Zeit, des menschlichen Lebens, der Wissenschaft.

Außerdem malt Ritter auch wunderschöne Landschaften. Persönlich gefallen Siegfried Ritter aktuell gerade seine farbenprächtigen Blumenbilder. Er lässt sich von der Blütenpracht im heimischen Garten inspirieren - bannt Stockrosen, Rittersporn und andere Blütenpracht auf Leinwand. Und sogar christliche Motive hat er in seinem Repertoire. Bei der Ausstellung zeigt er einige Ikonen - mit echtem Blattgold verziert.

130 000 Dias im Fundus

Der Dritte im Bunde bei der Ausstellung ist Anton Leithner. Leithner hat 1948 angefangen zu fotografieren.
Anfangs noch mit einer Fotobox, dann mit Film - in Schwarz-Weiß. Anton Leithner, der viele Jahre als Reporter für die Bayerische Rundschau tätig war, zeigte bei der Ausstellung Ansichten aus Ludwigschorgast, die selbst Einheimische schon fast vergessen haben. Insgesamt 130 000 Dias und 1200 Filme hat Leithner noch in seinem Fundus.
Für die Ausstellung im Sportheim ließ er das Vereinsgeschehen Revue passieren, bannte Blumen auf Fotopapier.

Nicht zu kaufen

"Wir wollten einfach einmal zeigen, was wir in Ludwigschorgast drauf haben", sagte Anton Leithner. Und das ist gelungen. Nur eins fanden die Besucher fast ausnahmslos schade: Dass die drei Männer ihre Werke nicht verkaufen wollten.