Günter Grass wäre gern selbst nach Kulmbach gekommen, aber das fortgeschrittene Alter und der beschwerliche Weg würden es derzeit nicht möglich machen. Über seinen guten Freund und Kollegen, Ingo Cesaro, bestellte der 87-Jährige viele Grüße und bedauerte seine Absage. Der berühmte Lyriker und Künstler stellt anlässlich des 50. Geburtstages seines für ihn wichtigsten Romans "Hundejahre" eigens 130 neu angefertigte Radierungen in Kulmbach aus. Ingo Cesaro, selbst ein bekannter Schriftsteller aus Kronach, hielt die Laudatio zum 50. Geburtstag des Romans "Hundejahre" und dessen Schöpfers Günter Grass.

Es sei erst die siebte Ausstellung der neueren Radierungen von Grass, erzählte Ingo Cesaro bei der feierlichen Eröffnung. Nur der persönlichen Bekanntschaft zu Günter Grass sei es zu verdanken, dass er nun diese Ausstellung zeigen dürfe. In Kürze sollen die Werke nur noch in Coburg, Ungarn und in Bernried am Starnberger See zu sehen sein. Dass Kulmbach eine dieser zehn bundesweiten Stationen ist, sei schon eine besondere Ehre.

Eigentlich wollte Günter Grass gar keine Radierungen mehr anfertigen, eine Sehnenentzündung machte dies unmöglich. Cesaro plauderte aus dem Nähkästchen und berichtete von einem Gespräch zwischen Grass und ihm im Rahmen der Frankfurter Buchmesse vor drei Jahren. Er soll von ihm gefragt worden sein, ob er denn zittern würde. Als Ingo Cesaro dies verneinte, meinte Grass ganz trocken: "Das sagt meine Frau Ute auch und deswegen fange ich wieder zum Radieren an".

Der wichtigste Roman

Bis 1993 fertigte Grass fast ausschließlich Radierungen an, bis es seine Schmerzen nicht mehr zuließen. Seither macht er nur noch Lithografien. Der Roman "Hundejahre", so sagt Günter Grass selbst, sei der für ihn wichtigste in seinem Leben, weswegen er auch nur deswegen mit den Radierungen wieder angefangen habe. Dies habe er schon damals auf der Buchmesse angekündigt.

Ingo Cesaro ist ihm erstmals 1963 in Frankfurt begegnet. Der damals 36-jährige Günter Grass stellte Zeichnungen zum Thema Vogelscheuchen und Nonnen aus. Die bisher grafischen, malerischen und bildhauerischen Werke von Grass hatten stets eine direkte Korrespondenz zu seinen eigenen literarischen Arbeiten. Er verbindet gerne den direkten Zusammenhang der einzelnen Anfertigungen. Der heute 87-Jährige bezeichnet sich selbst als "schreibenden Zeichner", verriet Ingo Cesaro.