Gibt es für das Altenheim im Bürgerhospital noch einen Chance? Oder ist Ende Juni wirklich Schluss? Wie inFranken.de berichtete, hat die Kulmbacher Arbeiterwohlfahrt (Awo) vor zwei Jahren den Mietvertrag mit der Bürgerhospitalstiftung gekündigt. Und den Bewohnern ist angeboten worden, in andere Einrichtungen der Awo umzuziehen. Unter anderem gebe es freie Plätze in der umgebauten Heiner-Stenglein-Seniorenwohnanlage am Rasen.

Nach Bekanntwerden der Awo-Pläne besuchte die CSU-Stadtratsfraktion das Bürgerhospital. "Angehörige und Anwohner haben sich bei uns gemeldet, deswegen sind wir zu den Leuten hingegangen", so Fraktionsvorsitzender Michael Pfitzner.


"Eine Frechheit"

Weiter stellte er in einer Pressemitteilung fest: "Viele der Bewohner, die gerade auf dem Weg zum Abendessen waren, machten ihrem Unmut Luft und nannten es eine Frechheit, wie man mit ihnen umgeht." In den Gesprächen sei gesagt worden, dass man sich in der Stadtmitte wohl fühle und in der gewohnten Umgebung bleiben wolle. Pfitzner: "Wieso müssen wir gehen? Diese Frage wurde immer wieder gestellt." Die zentrale Lage in der Stadtmitte sei entscheidend. Deshalb nützte auch das Angebot, in andere Seniorenheim umzuziehen, nichts.

Angehörige hätten die Art und Weise der Kündigung kritisiert. "Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt. Acht Wochen vor der Schließung. So kann man doch nicht mit Menschen umgehen", habe Ralf E. Buchwald erklärt.

Die CSU-Fraktion will laut Pfitzner klären, ob es eine Möglichkeit gibt, das Bürgerhospital mit den von der Heimaufsichtsbehörde am Landratsamt in Aussicht gestellten Befreiungen und Fristverlängerungen weiter zu betreiben. "Es ist auch eine Herzensangelegenheit von OB Henry Schramm, den älteren Mitbürgern weiterhin ein seniorengerechtes Wohnen im Zentrum der Stadt zu ermöglichen", so Pfitzner weiter.

Nach Ansicht von Drittem Bürgermeister Frank Wilzok komme, wenn die Awo nicht mehr zur Verfügung steht, auch ein anderer Betreiber in Frage. "Das Rote Kreuz könnte einen weiteren Betrieb vielleicht aufrechterhalten. So ein Schritt muss natürlich im Vorstand des BRK besprochen werden."


FDP: In der Innenstadt verwurzelt

Die Kulmbacher FDP kritisierte in ihrer Erklärung, dass die Arbeiterwohlfahrt die Menschen aus den Augen verliere. Unternehmerische Entscheidungen seien für die FDP durchaus nachvollziehbar, so Stadtrat und Bezirksvorsitzender Thomas Nagel. Die Äußerungen der Awo-Kreisvorsitzenden Inge Aures empfinde man allerdings als "unehrlich". Über zwei Jahre - seit der Kündigung - habe die Awo den Eindruck erweckt, dass mit der Bürgerhospitalstiftung ein neuer Vertrag zu geänderten Konditionen abgeschlossen werden soll. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass die Stadt zwei Jahre lang untätig war. Nagel weiter: "Nun müssen die Verwaltung und Oberbürgermeister Henry Schramm versuchen, einen neuen Träger zu finden, besonders im Sinne der älteren Menschen, die im Herzen der Kulmbacher Innenstadt verwurzelt sind, die Grünzone schätzen und die kurzen Wege zum Arzt, zum Bäcker oder zur Apotheke nutzen."


Aures: "Hat sich nichts geändert"

Inge Aures wollte die Mitteilungen von CSU und FDP nicht kommentieren. "Es hat sich an der Situation nichts geändert. Die Bewohner und deren Betreuer sind informiert worden", sagte die Landtagsvizepräsidentin (SPD). Am Rasen hätten sich bereits einige Betroffene umgeschaut, andere kämen in den nächsten Tagen. Und natürlich stehe es jedem auch frei, zu anderen Trägern zu wechseln.

OB Schramm kündigte einen Sachstandsbericht in der Stadtratssitzung am Donnerstag an. Er werde sich darum bemühen, "eine Lösung zu finden, die den Menschen dient".


Schramm: Auflagen machbar

Das Landratsamt, so Schramm, habe in Aussicht gestellt, "dass wir unter Einhaltung einiger Auflagen eine Ausnahmegenehmigung erhalten können, um die nächsten 15 bis 20 Jahren im Bürgerhospital weitermachen zu können." Automatische Eingangstüren oder die Entfernung von Schwellen seien mit einem überschaubaren finanziellen Aufwand umsetzbar.