Frei erfunden hatten im April zwei junge Leute - 17 und 22 Jahre alt - aus dem östlichen Landkreis Lichtenfels einen versuchten Mord. Vorausgegangen war ein Saufgelage an einem Fluss. Noch in der Nacht hatte die Kriminalpolizei damals aufwendige Ermittlungen eingeleitet - vollkommen umsonst, wie sich herausstellen sollte.
Die beiden Geschichten-Erzähler mussten sich nun vor dem Lichtenfelser Jugendrichter Armin Wagner verantworten. Die Liste der Anschuldigungen war lang und reichte von versuchter Strafvereitelung über falsche Verdächtigung und Körperverletzung bis hin zu Freiheitsberaubung.

Der 17-Jährige muss für die einstige Räuberpistole eine Geldbuße von 900 Euro berappen, der 22-Jährige muss 1200 Euro zahlen - immerhin erhält das Geld eine gemeinnützige Einrichtung. Außerdem müssen die jungen Leute an Beratungen zur Drogen- und Suchtprävention teilnehmen.
Deutliche Worte fand Wagner in seinem Urteil: "Die Lügen mit ihren kurzen Beinen sind schnell vorangeschritten und haben sich dann nicht mehr aufhalten lassen. Wären die Schwindeleien nicht so schnell erkannt worden, hätten beide Angeklagten mit Freiheitsstrafen rechnen müssen."

Aufgrund der benebelten Aussagen wurde damals ein junger mutmaßlicher Messerstecher in der Nacht von der Polizei aus dem Bett geholt und in die Zelle gesteckt. Der damalige Vorwurf für den völlig ahnungslosen und unschuldigen Festgenommen: versuchter Mord.
Die Ausführungen der Staatsanwaltschaft glichen einer Lausbubengeschichte. So soll der 22-Jährige damals während des Trinkgelages aus Jux und Tollerei in das Messer des 17-jährigen Freundes gegriffen haben. Den Einsatz der Kriminalpolizei löste jedoch das weitere Vorgehen der beiden Angeklagten aus. So war der Verletzte damals zu seiner Mutter gelaufen und hatte dieser vorgelogen, dass er von einem bisher Unbekannten verletzt worden sei. Im Krankenhaus hatte dieser mit blutenden Wunden auch gegenüber einem Notarzt den Messerangriff geschildert.

Als der Mediziner daraufhin die Polizei alarmierte, blieb der 22-Jährige auch gegenüber den Beamten bei seinen Aussagen. Bestätigt wurden die falschen Vorwürfe wenig später von dem 17-Jährigen, der gleich noch den "Angreifer" namentlich nannte.
Die beiden Angeklagten gaben vor Gericht zu, dass damals an einem Feldweg innerhalb einer Clique gemeinsam viel Alkohol, darunter auch viel Schnaps, getrunken wurde. Der 17-Jährige, der zum Zeitpunkt fast 2,6 Promille intus hatte, erinnerte sich, er habe damals das Messer seinem 22-jährigen Kumpel gezeigt. Da dieser nicht glauben wollte, dass die Klinge scharf war, habe er gleich zwei Mal hinein gegriffen und sich genauso oft verletzt. Richter Wagner: "Da waren 43 Prozent Alkohol im Schnaps und 43 Prozent Intelligenzquotient im Hirn."
Der Mitangeklagte habe ihm vom Krankenhaus aus per SMS informiert, was er sagen sollte, wenn die Polizei auftaucht. Den Beamten habe er dann als Täter den Namen eines Bekannten genannt, da er mit diesem schon einmal Ärger hatte.

Eine Zeugin erinnerte sich, dass man auch nach dem Vorfall und nach dem Abtransport in die Klinik weiter getrunken habe. Richter Wagner schimpfte: "Da wird einer verletzt und man unterhält sich weiter über Sauferei? Und die Beamten lässt man wie Marionetten durch die Gegend laufen, und keiner macht das Maul auf."
Staatsanwältin Michaela Heublein hatte eine Geldstrafe von 1500 Euro für den 22-Jährigen und zwei Wochen Jugendarrest für den 17-Jährigen gefordert.