Beim Ausparken mal kurz eine Delle ins Nachbarauto fahren und sich dann einfach aus dem Staub machen - das geht gar nicht. Im Fall eines Kulmbacher Ehepaars, dem das Malheur Mitte Februar auf dem Sparkassenparkplatz passiert war und das einfach weiterfuhr, ohne sich um den Schaden zu kümmern, gab es jetzt die Quittung vor dem Amtsgericht.

Der 61-jährige Ehemann wurde wegen der Unfallflucht zu einer Geldstrafe von 1000 Euro (50 Tagessätze zu jeweils 20 Euro), seine 59-jährige Frau wegen der Beihilfe zu 300 Euro (30 Tagessätze zu jeweils zehn Euro) verurteilt.


Gleich vier Unfallzeugen


Die Frau hatte ihren Mann aufgefordert, weiterzufahren und öffnete mit dem Ticket die Schranke. Das ist eine Beihilfehandlung, ursprünglich war sogar eine Anstiftung angeklagt. Auch wenn der angeklagte Ehemann dies so von sich wies, so hatte es sogar einer der insgesamt vier Zeugen gehört, die den Unfall mitbekamen. Alle vier sind Anwohner und hatten zufällig vom Balkon oder vom Küchenfenster das Geschehen beobachtet.

Dazu kommt, dass der Angeklagte beim Ausparken am Nachbarfahrzeug nicht nur eine kleine Schramme, sondern eine gewaltige Delle verursacht hatte. Ein Sachverständiger kam in seinem Gutachten auf exakt 2100,39 Euro.


"Das hat ganz schön gescheppert"


"Das hat ganz schön gescheppert", sagte einer der Zeugen und sowohl die geschädigte Autobesitzerin als auch der polizeiliche Sachbearbeiter sprachen von einem Menschenauflauf, der sich deshalb binnen kürzester Zeit auf dem Parkplatz gebildet hatte.

Während die Ehefrau vor Gericht von ihrem Recht zu schweigen Gebrauch machte, wollte sie der Mann komplett aus dem Geschehen raushalten. "Meine Frau hat gar nichts mitbekommen", sagte er, was die Zeugen später allerdings ganz anders beschrieben. Er sei in einem regelrechten Schockzustand gewesen und habe sich "erst einmal beruhigen" müssen. Auch will er zehn Minuten gewartet haben. Erst dann sei er weitergefahren. "Ich bin der Fahrer und der Halter, also bin ich auch schuld", sagte der Angeklagte, an dessen Fahrzeug ein Schaden von rund 500 Euro entstanden war.

Hauptbelastungszeuge war ein 46-jähriger Handwerker, der den Unfall von Anfang an von seinem Fenster aus mitbekommen hatte. Beim ersten Mal habe der Unfallverursacher die Stoßstange des anderen Wagens gerammt, beim zweiten Mal den kompletten Kotflügel. "Was machst du?", soll die Ehefrau fast schon ein wenig hysterisch gerufen haben. Dann hätten sich beide den Schaden am anderen Auto angesehen. Dabei hätten sie heftig diskutiert, geschimpft und geflucht. Dann habe die Frau dem Mann zugerufen, dass er endlich fahren soll. Der Mann habe anfangs noch gezögert, dann sei er aber doch auf und davon.


Minutenlanges Hin und Her


So, oder zumindest so ähnlich, schilderten auch die anderen Augenzeugen den Vorfall. "Das war eine ganz schön lange Schramme, erinnerte sich eine 27-jährige Anwohnerin. Das Ganze sei minutenlang hin und hergegangen, die Frau habe dabei ziemlich laut gesprochen, so ein weiterer Anwohner. Eine andere Nachbarin berichtete von einer ausführlichen Begutachten des eigenen Schadens.

Die letztlich verhängten Geldstrafen forderte bereits der Vertreter der Staatsanwaltschaft. Abweichungen gab es lediglich bei der Höhe des Fahrverbots. Während die Anklage eine Führerscheinsperre für den Angeklagten von acht Monaten beantragte, entschied Richterin Sieglinde Tettmann auf nur drei Monate. Grund dafür ist, dass der Mann an einer schweren Krankheit leidet und den Führerschein für seine zahlreiche Arzttermine dringend braucht. Darüber hinaus sei der Fall aber ziemlich klar, sagte die Richterin. Zehn Minuten zu warten, das reiche eben nicht. Notfalls müsse man gleich selbst die Polizei rufen.