Was in der vergangenen Woche ein Aufreger bei Sparkassen-Kunden war, lässt jetzt auch Kontoinhaber bei den Volks- und Raiffeisenbanken aufhorchen. Es geht um die Frage, ob für das Abheben von Bargeld künftig Gebühren verlangt werden.

40 von 400 Sparkassen in Deutschland, so lautete die kürzliche Meldung, würden von den eigenen Kunden Gebühren für das Geldabheben fordern. Nun kursiert im Internet die Meldung, dass auch die VR-Banken diese Verdienstmöglichkeit entdeckt haben. Einer Untersuchung des Finanzportals "biallo.de" zufolge sollen es sogar noch mehr sein als in der Sparkassenorganisation, nämlich 150 von den insgesamt 1000 Genossenschaftsbanken in Deutschland. Und diese Zahl, so mutmaßt das Finanzportal, dürfte tatsächlich sogar noch deutlich höher liegen.

Wie "biallo.de" herausgefunden haben will, findet die Gebührenabschöpfung vor allem in ländlichen Gegenden statt, wo Privatbanken kaum anzutreffen sind und die Geldhäuser keinen Wettbewerb fürchten müssen.
Für die Kulmbacher Bank gibt Vorstandsmitglied Stephan Ringwald kurz und bündig Entwarnung: "Wir verlangen keine Gebühren, und es ist auch nicht angedacht, dies in Zukunft zu tun." Auf der gleichen Linie liegt die Raiffeisenbank Oberland, wie Vorstand Peter Girndt betont. "Auch bei uns ist das Abheben am Automaten weiterhin kostenlos. Es gibt keine Überlegungen, dafür jemals Geld zu verlangen", so Girndt.

Auch wenn es sich bei der Raiffeisenbank Thurnauer Land ebenso verhält, fällt die Antwort von Vorstandsvorsitzendem Karl-Heinz Schneider etwas differenzierter aus. Schneider verweist darauf, dass das Geschäftsmodell des Geldinstituts keine eigenen Automaten vorsieht, sondern die Kunden Bares am Schalter des Hauptsitzes in Hutschdorf erhalten oder in den Filialen Neuenreuth, Limmersdorf, Großenhül und Alladorf - selbstverständlich kostenlos. "Wir haben sechs Tage in der Woche offen, da kann niemand sagen, dass er kein Geld holen kann", betont Schneider.


Gebühren werden übernommen

Das sogenannte Heimatbanken-Modell erlaube es den Kunden, Abhebungen bei anderen Genossenschaftsbanken zu tätigen, wofür allerdings ein Betrag von jeweils 1,02 Euro fällig werde. Schneider: "Diese Gebühr - das sind rund 40 000 Euro im Jahr - übernehmen wir für unsere Kunden." Sollte jedoch, wovon derzeit aber keine Rede sei, der Verband diese Gebühr eines Tages drastisch erhöhen, müsse man die Situation neu bewerten.
Restriktive Maßnahmen sind für den Vorstandsvorsitzenden auch dann denkbar, wenn jemand den Service missbrauchen sollte und im Monat 30 Abhebungen durchführt. "Das ist aktuell aber bei uns nicht der Fall."

Die Raiffeisenbank Obermain Nord mit über 12 000 Mitgliedern und Hauptsitz in Altenkunstadt, deren Geschäftsgebiet auch Teile der Landkreise Kulmbach und Kronach umfasst, sieht ebenfalls keine Notwendigkeit, ihre Kunden zu belasten. "Gebühren für Abhebungen sind nicht geplant", sagte Vorstandsvorsitzender Thomas Siebenaller auf Anfrage.