Der Sitzungssaal am Amtsgericht war gut gefüllt. Neben den Rechtsanwälten Harald Hübner, Werner Brandl und Stefan Walder, die die drei Angeklagten vertraten, waren auch Rechtsanwalt Alexander Schmidtgall als Vertreter der Nebenklage sowie zwei Vertreter der Staatsanwaltschaft Bayreuth anwesend. Es ging um die Vorwürfe der gefährlichen Körperverletzung und Beleidigung.
An besagtem 23. März 2013 war es zu einer körperlichen Auseinandersetzung in und vor dem Lokal "Pina" in der Oberen Stadt gekommen. Die Staatsanwaltschaft warf den drei Brüdern, die aus Kasachstan stammen und in Kulmbach beziehungsweise im östlichen Landkreis zu Hause sind, vor, in betrunkenem Zustand im "Pina" Gäste angepöbelt zu haben.
Der Gastwirt forderte sie auf, sein Lokal zu verlassen. Das tat das Trio dann auch, provozierte und beleidigte den Wirt im Hinausgehen aber mit Kraftausdrücken wie "Arschloch" und "Idiot". Vor der Gaststätte kam es schließlich zu einer Rangelei mit dem Wirt, in deren Folge er auch einen Faustschlag ins Gesicht abbekam und sich eine Prellung am Jochbein zuzog.

Beleidigt und misshandelt

Nachdem die drei Russland-Deutschen bereits ein Hausverbot hatten, warf ihnen die Staatsanwaltschaft vor, widerrechtlich in die Gaststätte eingedrungen zu sein und den Gastwirt beleidigt und körperlich misshandelt zu haben.
Zunächst wurde ein 29-jähriger Produktionshelfer vernommen. Er berichtete davon, dass er mit seinen zwei Brüdern das Lokal verlassen sollte. Beim Hinausgehen habe der Gastwirt einige Beleidigungen wie "Verpisst euch, ihr scheiß Russen!" von sich gegeben. Bei der verbalen Auseinandersetzung vor dem Lokal habe der Gastwirt dann plötzlich ein Pfefferspray gezückt. Der Angeklagte: "Keiner von uns hatte ihn berührt!"
Der zweite Angeklagte, ein 30-jähriger Dachdecker, bestätigte die Aussagen seines Bruders und stellte das angebliche Hausverbot in Abrede: "Wir waren schon öfter im ,Pina', bekamen aber noch nie ein Hausverbot." Auch er habe eine Dosis Pfefferspray abbekommen, beteuerte aber, dass man nicht geschlagen und auch nicht mit den Beleidigungen begonnen habe.

Brüder lagen am Boden

Und der Dritte im Bunde, ein 30 Jahre alter Lastwagenfahrer war an der Auseinandersetzung offensichtlich gänzlich unbeteiligt: "Wir sind aus dem Lokal gegangen ohne Probleme zu machen, und draußen wollte ich meinen Brüdern nur helfen, denn sie lagen mit dem Pfefferspray in den Augen am Boden."
Der Gastwirt schilderte die Auseinandersetzung ganz anders: "Es herrschte eine angenehme Atmosphäre in dem Lokal, weil meine Freundin Geburtstag feierte, bis die Drei reingekommen sind. Sie haben eine Dame angemacht, und man hatte den Eindruck, das Lokal gehört ihnen. Man bekam automatisch Angst", so der 42-Jährige. Er habe den Gästen auch gesagt: "Jungs, ich will euch nicht in der Kneipe haben, ihr habt ohnehin Hausverbot." Draußen vor der Tür sei die Sache dann eskaliert. Man habe versucht, ihn am Arm zu packen, und er habe auch einen Faustschlag ins Gesicht abbekommen. "Ich habe mich dann in meiner Not mit dem Pfefferspray verteidigt." Er habe aber sich aber niemals zu Beleidigungen hinreißen lassen. "Ich habe viele russische Freude, aber ich hatte Angst, weil alle so aggressiv waren."
Nachdem auch die Vernehmung zweier Zeugen keine Klarheit brachte, unterbrach Richterin Sieglinde Tettmann die Verhandlung. Sie ließ verlauten, dass es nach der bisherigen Beweisaufnahme sehr zweifelhaft sei, ob der Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung aufrecht erhalten werden kann. Nachdem dieBeschuldigten bislang strafrechtlich nicht Erscheinung getreten waren, stellte sie die Anklagen mit Zustimmung der Staatsanwaltshaft vorläufig beziehungsweise ganz ein. Zwei der Brüder bekamen allerdings eine Geldauflage von 900 Euro, die sie an die Caritas und an den Nebenkläger zu zahlen haben.
Richterin Tettmann: "Ich hoffe, dass es für alle Beteiligten eine Lehre sein wird und dass in Zukunft nichts mehr eskaliert."