Das war ein Sparschwein aus Porzellan, das immer dann mit einem Markstück gefüttert werden musste, wenn jemand in einem Text eine Phrase, also einen sprachlich eher mäßigen, weil im Übermaß strapazierten und wenig aussagekräftigen Satz oder eine solche Redewendung eingebaut hatte.

Jedes Jahr im Fasching muss ich bei der Lektüre der einschlägigen Berichte in unserer und anderen Zeitungen an die Phrasen-Sau denken. Was hätte die sich mästen lassen können! Da "lässt das Programm keine Wünsche offen", da werden "die Lachmuskeln strapaziert", es bleibt "kein Auge trocken". Immer. Überall. Und am Ende wird stets "das Tanzbein geschwungen!" (Was man sich durchaus einmal bildlich vorstellen sollte).

Nun ist der Fasching vorbei. Es ist Fastenzeit. Nicht für die Phrasen-Sau. Die Angst, das Tierchen müsste Hunger leiden, ist unbegründet. Denn es kommen: die Jahreshauptversammlungen. Kaum ein Vereinsvorsitzender, der nicht das zurückliegende Jahr "Revue passieren" lässt, eine "stolze Bilanz" von was auch immer zieht, für das kommende Jahr ein "tolles Programm" verheißt.

Und was machen wir Schreiber gar zu gerne? Wir krönen das Ganze mit der beliebten Überschrift: "Rückblick auf ein erfolgreiches Jahr". Auweia!

Gäbe es die Phrasen-Sau bei uns - sie würde Geldstück um Geldstück schlucken und rund und fett werden dabei. Schade, dass sie so gut wie ausgestorben ist. Obwohl: Vielleicht ist sie auch nur ausgewandert. Zu den Aschermittwochstreffen. Auch da gibt's reichlich Futter.