Jahrzehntelang war Kulmbach in Fachkreisen bekannt für hochkarätige Fachtagungen im Lebensmittelbereich, insbesondere zum Thema Fleisch. Die Kulmbacher Woche der einstigen Bundesanstalt für Fleischforschung, heute Max-Rubner-Institut, galt 50 Jahre lang alljährlich im Mai als das Forum der deutschen Fleischexperten, bei dem neueste Erkenntnisse der Wissenschaft präsentiert wurden. Die Kulmbacher Woche gibt es seit dem vergangenen Jahr nicht mehr, doch Kulmbach wird für die Fleischwirtschaft wieder zu einem spannenden Tagungsort - dieses Jahr sogar zweimal.


Von der Forschung in die Praxis


Beim 2. Fleischforum des Clusters Ernährung am Kompetenzzentrum für Ernährung (das erste fand 2016 in Augsburg statt) steht am kommenden Montag, 15. Mai, im Bayerischen Brauerei- und Bäckereimuseum die Zukunft des Fleischerhandwerks unter dem Motto "Weil es jetzt um die Wurst geht" im Mittelpunkt. Die Veranstaltung ist Teil der Reihe "Ennovation". "Wir wollen Innovationen im bayerischen Ernährungshandwerk fördern, indem wir die Möglichkeit schaffen, Wissen von der Wissenschaft in die Praxis zu übertragen", erläutert Cluster-Geschäftsführer Simon Reitmeier.

Die Tagung organisiert der Cluster zusammen mit dem Fleischerverband - mit dem Max-Rubner-Institut als Kooperationspartner. Die Referenten sind Kulmbacher MRI-Experten, die das Tierwohl, aber auch die optimale Verarbeitung und Veredelung des Fleisches ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken - Themen, die den Verbrauchern zunehmend wichtig sind.


Stroh macht froh


Reitmeier: "Die Teilnehmer erfahren, wie sich gekonnte Qualitätskommunikation rund um die Theke auszahlt, und erleben in Praxisworkshops die Vorteile der Warmfleischverarbeitung. Wissenschaftlich fundiert und praktisch umsetzbar werden die unterschiedlichen Fleischreifungsverfahren behandelt. "Das Fleischforum richtet sich an die Metzger von morgen - praxisnah und anwendungsorientiert", so Reitmeier.

Bereits am Vortag sind die Teilnehmer zu einer Exkursion eingeladen: Besucht wird ein Strohschweinbetrieb, bei dem auf eine artgerechte Haltung der Mastschweine Wert gelegt wird. Diese ist nicht nur gut für die Schweine und fürs Image, sondern wirkt sich auch positiv auf die Fleischqualität aus. Voraussetzung dafür, dass das Konzept funktioniert und Nachahmer findet, ist allerdings, dass es der Kunde akzeptiert, einschließlich der höheren Preise.

Einen großen Wurf plant der Cluster Ernährung gemeinsam mit dem Max-Rubner-Institut am 19. und 20. Oktober: die 1. Zukunftstage Lebensmittel in Kulmbach. Eine Nachfolgeveranstaltung für die Kulmbacher Woche? Nicht direkt, aber die Programmgestaltung erinnert daran: So wird die Stadt Kulmbach wieder Gastgeber eines Empfangs für die Teilnehmer auf der Plassenburg sein, die erste Programmhälfte in der Stadthalle stattfinden.


Ein Blick in die Zukunft


Inhaltlich sind die Zukunftstage allerdings ganz anders gestrickt als die Kulmbacher Woche: "Unser Ziel ist es, zukünftige Entwicklungen des Ernährungswandels und deren Auswirkungen auf die deutsche Ernährungswirtschaft aufzuzeigen", so Simon Reitmeier. Dafür werden im Vorfeld eigens für die Zukunftstage spezifische Szenarien für die Ernährungswirtschaft im Jahre 2030 entwickelt. Ein Team aus Branchenvertretern erarbeitet unter Leitung eines renommierten Szenarienentwicklers mögliche Varianten, die bei den Zukunftstagen präsentiert und vertieft diskutiert werden.

Über eine Nachfolge-Veranstaltungsreihe für die Kulmbacher Woche seien seitens des Max-Rubner-Instituts noch keine Entscheidungen getroffen, so Pressesprecherin Iris Lehmann vom MRI-Hauptstandort Karlsruhe. "Wir wollen aber in Kulmbach Flagge zeigen und mit wichtigen Themen präsent sein." Deshalb beteilige man sich sehr gerne an den Zukunftstagen.

"Wir wollen auch in der wissenschaftlichen Community wieder punkten, sagte Lehmann auf Nachfrage der BR. "Wir haben ja nicht mit der Kulmbacher Woche aufgehört, weil wir keine Lust mehr dazu hatten, sondern weil die heutige Zeit ein verändertes Konzept erfordert. Der neue Präsident des Max-Rubner-Instituts, Pablo Steinberg, der am 19. Mai offiziell in sein Amt eingeführt wird, sei sehr interessiert daran, die Fleischforschung weiter voranzubringen.