Die Gleichstellung von Frauen und Männern wird oft gefordert und selten gelebt. Zu dieser Erkenntnis ist die Landtagsfraktionsspitze der Bayern-SPD gekommen, und hat das Thema deshalb in den Mittelpunkt einer zweitägigen Oberfranken-Tour mit Klausurtagung in Kulmbach gestellt.

Die Landtagsvizepräsidentin und Kulmbacher Abgeordnete Inge Aures hatte das Programm des Treffens organisiert: Unter anderem besuchten die Mitglieder des Fraktionsvorstands das Frauenhaus in Selb und die Frauenklinik am Klinikum Kulmbach. Aures hat darüber hinaus engagierte Frauen aus der Region zum frauenpolitischen Frühstück ins Achat-Hotel eingeladen. "Wir möchten ihre Sichtweise und ihre Meinungen zu diesem wichtigen Thema in unsere politische Arbeit der nächsten Monate einfließen lassen", betonte sie.


Weniger Geld, gebremste Karriere


Frauen verdienen bei gleicher Arbeit durchschnittlich 25 Prozent weniger Geld als Männer, sie haben immer noch geringere Chancen auf Führungspositionen und müssen sich häufig zwischen Familie und Karriere entscheiden. Das kann so nicht weitergehen, sagt der SPD-Landtagsfraktionsvorsitzende Markus Rinderspacher: "In der Gleichstellungspolitik geht es uns vor allem um die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf." Das Betreuungsgeld für Eltern, die ihre Kinder in den ersten Lebensjahren zu Hause betreuen, sei diesem Ziel nicht dienlich. "Statt in Bayern dafür 100 Millionen Euro pro Jahr auszugeben, sollten wir die Infrastruktur für die Familien verbessern und das Geld in den Ausbau von Krippen und Tagesstätten investieren."


Das Erreichte ist noch nicht genug


Die Einführung des Mindestlohns, die Frauenquote in Aufsichtsräten großer börsennotierter Unternehmen und das Entgelt gleichheitsgesetz sieht die frauenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Simone Strohmayr, als hart erkämpfte Fortschritte. Doch es bleibe noch sehr viel zu tun. Sie wünscht sich die Einführung einer Familienarbeitszeit, die Frauen und Männern erlaubt, ihre Arbeitszeit befristet partnerschaftlich zu reduzieren, und ein Rückkehrrecht zur alten Arbeitszeit nach Familienphasen.

Und wo sehen die in der Region ehrenamtlich in Politik und Sozialverbänden engagierten Frauen Handlungsbedarf? Christa Steiger vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Oberfranken unterstützt das Bestreben der SPD, mehr finanzielle Mittel für Frauenhöuser zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig sollte ihrer Ansicht nach die Selbsthilfe stärker gefördert werden: "Das ist doch, was die Gesellschaft vor Ort zusammenhält."

Elisabeth Weith, Kreisgeschäftsführerin der Arbeiterwohlfahrt, wünscht sich Verbesserungen hinsichtlich der Betreuung an Schulen: "Es gibt viele verschiedene Modelle, von denen Großes erwartet wird, aber die Finanzierung ist eine Katastrophe!"

Heike Söllner, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, ist überzeugt, dass Veränderungen nur gelingen können, wenn Frauen und Männer sich gemeinsam dafür einsetzen "und erkennen, dass alle von gemischten Teams und mehr Frauen in Führungspositionen profitieren".

Hier geht's zum Wortlaut der Kulmbacher Resolution "Frauen verdienen mehr"