Über drei Stunden soll das Geschehen im August 2011 gedauert haben, ehe die beiden von ihrem Opfer abließen und der Rettungswagen verständigt wurde. Wegen gefährlicher Körperverletzung wurden die beiden je nach Tatbeteiligung bereits im Juli zu einem Jahr vier Monate und zu einem Jahr neun Monate Haft ohne Bewährung verurteilt.

Während einer von beiden, ein 34-Jähriger aus der Nähe von Hollfeld, das Urteil akzeptierte und demnächst in die JVA einrücken muss, legte der andere Berufung gegen das Urteil ein. Sein Ziel: eine Bewährungsstrafe. Doch am Ende des zweiten Verhandlungstages konnte ihn der vorsitzende Richter der Berufungskammer, Werner Kahler, wenig Hoffnung auf eine Bewährungsstrafe machen. Bis sich die Kammer zu einem endgültigen Urteil entschließt, wollen die Richter aber noch das Opfer hören, denn einige Ungereimtheiten sind während der bisherigen Verhandlung aufgetaucht.

So hatte das Opfer beispielsweise keine Anzeige erstattet. Die erfolgte lediglich durch die Rettungssanitäter. Dabei soll das Opfer sogar noch versucht haben, die Anzeige wieder zurückzunehmen, doch das Räderwerk der Justiz war zu diesem Zeitpunkt bereits in Schwung gekommen. Hintergrund könnte vielleicht sein, dass der Geprügelte in Drogengeschäfte verwickelt war. So soll der Mann als Dealer mit ausgezeichneten Kontakten in die Bayreuther Drogenszene fungiert haben. Das war auch der eigentliche Grund für die Abreibung, denn der Angeklagte hatte dem späteren Opfer 300 Euro gegeben, um Drogen zu beschaffen. Doch der Mann sah weder Drogen noch sein Geld wieder.

Außerdem soll das spätere Opfer auch als eine Art Querulant bekannt gewesen sein. Von den Zeugen, die am zweiten Prozesstag geladen waren, wusste jeder in dieser Hinsicht etwas zu berichten. Der bereits verurteilte 34-Jährige gab an, sich nur deshalb an der Schlägerei beteiligt zu haben, weil das spätere Opfer seine Ehefrau zur Prostitution aufgefordert haben soll. "Deswegen habe ich ihn zur Rede gestellt", so der Zeuge.

Ein Nachspiel könnte der zweite Verhandlungstag für einen dritten Beteiligten haben. Der 25-Jährige war praktisch den gesamten Abend in der Ein-Zimmer-Wohnung des Opfers anwesend, will aber weder von den Schlägen, noch von den Tritten und schon gar nicht von den anderen Misshandlungen etwas mitbekommen haben. Er gab an, den ganzen Abend Musik aus dem Internet heruntergeladen und gemixt zu haben. Nicht nur der Richter, auch der Staatsanwalt stufte diese Aussage als völlig lebensfremd ein.

Der Staatsanwalt ließ sich die Aussage deshalb auch wörtlich protokollieren, was in der Regel darauf hinausläuft, dass gegen den Mann ein Verfahren wegen Falschaussage eingeleitet wird. Ein Verfahren gegen den 25-Jährigen wegen seiner Tatbeteiligung wurde bereits gegen die Zahlung von 1000 Euro an den Verein Horizonte und weiteren 1000 Euro Schmerzensgeld an das Opfer eingestellt.

Ein Nachbar hatte das Opfer mitten in der Nacht gefunden. Der Mann sei betrunken am Boden gelegen, habe Verbrennungen am Bauchnabel, rote Flecken am Oberarm , Striemen und Rötungen am Hals sowie Schrammen an den Augen gehabt, sagte der Nachbar. Erst später habe er erfahren, dass der Mann misshandelt wurde. Die Polizei hatte ihn damals versehentlich mit auf die Wache genommen und zehn Stunden lang in Gewahrsam behalten, bis sich herausstellte, dass der Nachbar nichts mit der Tat zu tun hat.
Die Verhandlung wird mit einem Kurztermin am 7. Januar und mit der Vernehmung des Opfers am 22. Januar um 9 Uhr fortgesetzt.