Etwas mehr Wind hätten sich die Mitglieder der Drachencrew Oberfranken schon gewünscht. Aber sie hatten auch so ihren Spaß, als sie sich zu ihrem jährlichen Drachenfest auf der Hutweide beim Rangabauern trafen. Immerhin hatten sich zu diesem Event, das wieder von Petra Bleyl organisiert wurde, gleichgesinnte Gäste aus ganz Deutschland eingefunden. Berlin, Bielefeld, Fulda, Fürth, Herford, Ingolstadt, Mannheim, Nürnberg - die Autokennzeichen dokumentierten, dass die Drachenflieger eine große Familie sind.
Sie investieren viel Zeit und Geld, um ihr Hobby auszuüben. 475 Euro kostet beispielsweise ein 4-Leiner-Lenkdrachen, mit dem der "Pilot" am Boden durch geschickte Bewegungen und schnelles Loslassen der Leinen auch kleine Tricks und Figuren am Himmel vorführen kann. Über die Neigung des Drachens kann das Lenkverhalten eingestellt werden. Eine eingebaute Schleppkante, die im Wind regelrecht Brummgeräusche erzeugt, ist dabei so konstruiert, dass sie den Kite etwas ausbremst, damit er präziser gesteuert und beherrscht werden kann. Das Polyestertuch ist mit Polyurethan beschichtet (31 Gramm/qm), die konisch gewickelten Stangen sind aus Carbon gefertigt.
Die seltsamsten Figuren waren auf dem Platz und am Himmel zu sehen. Drachen als Robbe, Maulwurf, Frosch, Ente, Blumentopf, ja sogar als Unterhosen. Und ein Smiley mit einer Spannweite von drei Meter. Aber auch ein Hauch von Nostalgie - mit Holzleisten und Leinenstoff bezogen - schwebte durch die Luft: Ein Nachbau des legendären Roloplan-Drachens nach Richard Steiff.
Auffallend ein roter Mega-Bol-Drachen mit einer Spannweite von zehn Meter. "Wenn da Wind reinkommt, kann ich ihn nicht mehr halten", sagt Jürgen Kemnitz aus Köthen. Dann wird er an der Anhängerkupplung festgemacht. Den mit 12,5 Meter größten Durchmesser dürfte sein Bodenwindspiel aufweisen: Ein ausgemusterter, gelber Rettungsfallschirm aus Seide.
Keine Probleme, sich in der Höhe zu bewegen und sich dort auch zu behaupten, haben die Leichtwinddrachen. Mit einem Gestell aus Kunststoff und einer Segeltuchbespannung ausgestattet, können sie sich auch mit wenig Wind am Himmel halten. Allerdings nur bis zu 100 Meter hoch, ab Grund, egal wo sie stehen. Das ist so vorgeschrieben. "Auf dem Berg muss man da schon aufpassen", erklärt Axel Burghardt aus Bünde/Westfalen. "Die Flieger dürfen runter bis auf 300 Meter. Aber die rechnen ab Höhe Null." Tabu sind die Umgebung von Hochspannungsleitungen und Eisenbahnen, sowie ein Radius von fünf Kilometern um Flughäfen.