Noch bevor der zweite Teil von "Fifty Shades of Grey" überhaupt gestartet ist, bricht er alle Rekorde. Der Ticketverkauf im Internet wird regelrecht überrannt. Als der erste Teil vor zwei Jahren in die Kinos kam, will ihn niemand gesehen haben. Und die Bücher hat auch niemand gelesen. Komisch, dass die Romantrilogie trotzdem zu den Bestsellern der letzten Jahre gehört und die Kinosäle voll waren.

Ich erinnere mich an eine Beobachtung in einer Buchhandlung als der erste Teil der Trilogie erschienen ist. Auf einem großen Tisch in der Raummitte lagen über 50 Ausgaben, beworben mit Plakaten und Aufstellern. Ein richtiger Blickfang. Mit der Zeit schleicht eine Frau mitte 30 um den Tisch. Sie nimmt sich ein Buch, liest den Text auf der Rückseite und blättert es kurz durch. Als sich eine Familie auf dem Weg zur Kasse dem Tisch nähert, klappt sie das Buch zu, legt es zurück und verschwindet hinter dem Regal mit Kochbüchern.

Als wieder reine Luft ist, schreitet sie im Stechschritt auf den Aktionstisch zu, schnappt sich ein Exemplar, drückt es eng an sich und marschiert Richtung Kasse. Man sieht ihr regelrecht an, wie unangenehm es ihr ist, das Buch an die Verkäuferin rauszurücken. Doch sie hat keine andere Wahl. Kaum war der Barcode abgescannt, verschwindet das Buch in der Handtasche und die Frau eilt aus dem Laden.

Noch heute muss ich schmunzeln, wenn ich an diese Szene denke. Mit dem zweiten Teil des Romans und besonders mit den Filmen hat sich jedoch alles gedreht: "Fifty Shades of Grey" wurde zum Trend. Es scheint, als müsse sich nun nicht mehr der schämen, der es gelesen hat, sondern der, der es nicht gelesen hat. Komische Welt.