Den Musikern unter der Leitung von Franz Killer gelang es in der durchaus schwierigen Kirchenakustik eindrucksvoll, neue Klangerlebnisse zu schaffen und das breite Spektrum der Saxofonfamilie vom Bass bis zum Sopranino vorzustellen.

"Die 12 Saxofonisten", beziehungsweise Saxofonistinnen, das sind Sandra Engel, Uschi Dittus, Anja Meiler, Jürgen Faas, Heymo Hirschmann, Dirk Eidner, Markus Riesbeck, Gerhard Buchloh, Stefan Frank, Elke Beer, Johannes Neuner und Bernd Aschmoneit. Sie alle sind Profimusiker meist aus Orchestern des fränkischen Raums, die sich 2001 mit großem Erfolg zu dem ehrgeizigen Projekt zusammengefunden hatten. Ihr Chef Franz Killer ist gleichzeitig Leiter der Pocket Opera Company in Nürnberg. Ein Markenzeichen des Ensembles ist das Musizieren an ungewöhnlichen Orten. Immerhin haben die Instrumentalisten auch schon in Tretbooten auf dem Wöhrder See, auf dem Nürnberger Volksfest oder in der Pottensteiner Teufelshöhle gespielt.

Gar so ungewöhnlich war es in der Petri-Kirche dann doch nicht. Das Programm erstreckt sich von der Renaissance bis in die Moderne. Höfische Musik, wie etwa die Kompositionen von Giovanni Gabrieli können beispielsweise, aufgeteilt in drei Quartette, ganz fetzig klingen, auch wenn das Saxofon im 16. Jahrhundert noch lange nicht erfunden war. Einen runden harmonischen Klang präsentieren die Musiker auch beim 2. Brandenburgischen Konzert, aus dem die Formation das wunderbare Allegro erklingen lässt. Wäre das Saxofon damals schon erfunden gewesen, Bach hätte bestimmt dafür komponiert.

Mal schräg und fetzig, mal meditativ und ernst

Ganz andere Töne gibt es dann mit dem Moderato und Allegro des spätromantischen schwedischen Komponisten Erland von Koch. Man könnte meinen, diese Musik wäre für die Zwölf komponiert worden, in einer solchen Perfektion spielt das Ensemble auf. Das gleiche gilt für die französischen Komponisten, von Maurice Ravel erklingen drei Fantasiestücke, von Darius Milhaud "Le Boeuf sur le toit", was soviel heißt wie "Der Ochse auf dem Dach". Das war eine berühmte Pariser Künstlerkneipe, in der Milhaud Stammgast war. Die Musiker breiten trotz der vielen Taktwechsel einen wunderbaren Klangteppich aus, der die gesamte Petri-Kirche durchströmt, mal heiter melodiös, mal schräg und fetzig, mal meditativ und ernst.

Nach den drei Novetten im orchestralen Klang von Louis Hardin hatten die Saxofonisten dann ein ganz besonderes Stück im Gepäck: In "Mozart goes to town" hatte der Arrangeur Jürgen Fraas Motive aus Mozart-Kompositionen zu einem beschwingtem Potpourri zusammengefügt. Jazz-Elemente, Swing und ein wenig Dixieland klingen durch. Auch hier ist es wieder absolute Perfektion und das exakte aufeinander eingehen, mit denen die Musiker ihr Publikum überraschen.

Ureigenste Musik für das Saxofon gab es dann zum Schluss mit Welthits von George Gershwin ("The Man I love", "Liza", "I got plenty of nothing", "I got rhythm") oder bei einem Ragtime von Jean Matitia. Hier kamen die Saxofone vollends zur orchestralen Geltung und verbreiteten ihren strahlenden Glanz.

Wie gut, dass Kirchenmusikdirektor Ingo Hahn angesichts "der fortgeschrittenen Temperaturen" gleich am Anfang verkündet hatte, dass man auf die eigentlich eingeplante Pause gerne verzichten würde. Die Zustimmung aus dem Auditorium war ihm trotz der Sitzheizungen in der Kirche bei Außentemperaturen um die null Grad an diesem Abend gewiss.

Das weitere Programm

Das nächste Konzert im Rahmen der 30. Kulmbacher Kirchenmusiktage findet am morgigen Mittwoch um 20 Uhr in der Spitalkirche statt. Unter dem Motto "Lobgesang und Harfenspiel" werden dabei die Sopranistin Alena-Maria Stolle und die Harfenistin Julia Priz auftreten. Am Freitag, 28. November, ebenfalls um 20 Uhr in der Spitalkirche, gibt es dann vorweihnachtliche Lieder und Texte mit Ann-Kathrin Schneider und dem Ensemble Klez´amore aus Würzburg. Schlusspunkt und zugleich Höhepunkt der Kirchenmusiktage wird die Aufführung von Georg Friedrich Händels "Messias" am Sonntag, 30. November, um 17 Uhr in der St.-Petri-Kirche sein.