Sehr lebendig geht es im Café des Familientreffs in der Negeleinstraße normalerweise zu. Doch diesmal ist die Stimmung gedrückt. Die Führungsriege der Geschwister-Gummi-Stiftung hat zum Pressegespräch eingeladen, und der Anlass ist traurig: "Wir werden das Haus in der jetzigen Form zum Jahresende schließen müssen", gibt der geschäftsführende Vorstand Karlheinz Kuch bekannt. Es fällt ihm nicht leicht, das auszusprechen, denn Kuch nimmt damit bereits zum zweiten Mal Abschied von einem Anwesen, das ihm ans Herz gewachsen ist. Ende der neunziger Jahre zog er mit dem Kinderheim in den Schießgraben um, weil das ehemalige "Gummi'sche Waisenhaus" keine Betriebsgenehmigung mehr bekam.

Starke Anziehungskraft

Dank der finanziellen Unterstützung durch die Adalbert-Raps-Stiftung gelang damals eine Teilsanierung: "Wir wollten Raum schaffen für Familien mit Kindern, einen Ort, an dem sie sich wohlfühlen, sich austauschen und vernetzen können."
Der Familientreff war geboren und entwickelte eine starke Anziehungskraft: Viele Angebote wurden in den vergangenen Jahren unter einem Dach vereint, 2008 wurde daraus ein aus Bundesmitteln gefördertes Mehrgenerationenhaus, zwei Mal als bundesweites Leuchtturmprojekt ausgezeichnet. 80 Ehrenamtliche engagieren sich kontinuierlich in der Einrichtung. Der offene Treff hat täglich durchschnittlich 80 Gäste, dazu kommen 30 weitere Besucher, die an Kursen und Veranstaltungen teilnehmen.

Förderung des Bundes fehlt

Doch die Fördermittel des Bundes - 40 000 Euro - fließen seit 2013 nicht mehr, die Bedingungen für eine Anschlussförderung könne man nicht erfüllen. "Wir haben alle Sparpotenziale genutzt, aber der Betrieb des Hauses kostet trotzdem rund 120 000 Euro. Nur die Hälfte können wir erwirtschaften."
Bleibt eine Finanzierungslücke von 60 000 Euro, überwiegend bedingt durch die Personalkosten für die hauptamtlichen Mitarbeiter, eine Vollzeit- und drei Teilzeitkräfte. "Ohne sie funktioniert ein Haus dieser Größe nicht", betont Kuch.
Einen Teil des Defizits könne die Geschwister-Gummi-Stiftung tragen. Nach intensiven Diskussionen habe der Stiftungsrat 15 000 Euro Zuschuss bewilligt. "Ich traue mir zu, noch 5000 Euro dazu mobilisieren zu können, aber damit sind unsere Möglichkeiten dann erschöpft", sagt Kuch. Die restlichen 40 000 seien ohne weitere Geldgeber nicht zu finanzieren.
"Wir haben viele Gespräche mit möglichen Zuschuss-Gebern geführt, aber bislang keine konkreten Zusagen." Man versuche, die hauptamtlichen Mitarbeiter auf anderen Stellen zu beschäftigen, eine Kündigung sei aber unvermeidlich.
Und wie geht es mit den ehrenamtlichen Projekten weiter? "Ich weiß es noch nicht", sagt Kuch. "Wir müssen überlegen, welche Alternativen wir schaffen können."

Spenden

Wer den Familientreff unterstützen möchte, kann Spenden auf das Konto Nummer 11 8000, Sparkasse Kulmbach-Kronach, einzahlen.