Vor einem Jahr stand der Familientreff der Geschwister-Gummi-Stiftung in der Negeleinstraße vor dem Aus. Das Geld für den laufenden Betrieb reichte nicht. "Ein strukturelles Defizit", wie Geschäftsführer Karl-Heinz Kuch betont, denn gewinnbringend zu wirtschaften, sei in einem Treffpunkt für junge Familien und Kinder schlicht nicht möglich.

Die großen Geldsorgen sind heute glücklicherweise vom Tisch, und so haben die Verantwortlichen neue Pläne geschmiedet, die das Haus künftig noch attraktiver machen.


Spendenaktion war großer Erfolg

Dass die Finanzierungslücke von rund 40.000 Euro geschlossen werden konnte und die Zukunft des Hauses für mindestens die nächsten fünf Jahre gesichert ist, das ist vielen großen und kleinen Geldspenden zu verdanken - gegeben von Institutionen und Einzelpersonen, die einem Spendenaufruf der Bayerischen Rundschau gefolgt waren. Fünf Jahre lang schießen die Raps-Stiftung und der Rotary-Club Kulmbach je 10.000 Euro für den Betrieb des Hauses zu. Der Landkreis Kulmbach beteiligt sich dieses Jahr ebenfalls mit 10.000 Euro. 9000 Euro kamen durch kleinere Einzelspenden zusammen.

Knapp 50.000 Euro hat Thomas Gottschalk bei der RTL-Show "Die 2 - Gottschalk & Jauch gegen alle" für die Kulmbacher gewonnen. "Dieses Geld der RTL-Stiftung darf allerdings nicht für den laufenden Betrieb ausgegeben werden, sondern muss für die Ausstattung des Kinderbereichs verwendet werden.


Strafe ist die Rettung

"Zuerst war das keine gute Nachricht für uns, weil wir das Geld dringend anderweitig gebraucht hätten", so Kuch, " aber dann kam kürzlich noch eine gute Nachricht hinterher: Die Wirtschaftsstrafkammer Hof hat einen Straftäter zur Zahlung einer Summe von 1,5 Millionen Euro verurteilt, von denen wir 50.000 Euro zugewiesen bekamen."

Die zweckgebundene Gottschalk-Spende ermöglicht der Gummi-Stiftung nun, den Familientreff schöner als je zuvor zu gestalten und zusätzlich zum bisherigen offenen Treff ein richtiges Spiel-Café für die Jüngsten und ihre Eltern einzurichten.

Im Vorfeld finden derzeit Renovierungsarbeiten statt. Die Räume bekommen einen neuen Anstrich, ebenso die Fenster - "Schönheits- und Instandhaltungsreparaturen zur Werterhaltung des Hauses", so Kuch. Nächste Woche kommen die Schreiner und werden eine Spiellandschaft für die ganz Kleinen im Alter bis fünf Jahre bauen - mit einer Kletterebene, vielen Spiel- und Versteckmöglichkeiten. Gegenüber können sich Eltern bei Kaffee und Kuchen austauschen und die Kleinen dabei im Blick behalten.


Ein ganz besonderer Arbeitsplatz

"Das wird wunderschön", freut sich Elsbeth Oberhammer. Die 58-Jährige ist bei der Geschwister-Gummi-Stiftung für die Leitung der Horte und die offenen Ganztagsschulen zuständig und wird mit der Neueröffnung zusätzlich die Leitung des Fami lientreffs übernehmen. Sie tritt damit die Nachfolge der langjährigen Leiterin Pia Schmidt an, die sich künftig voll auf die Kirchliche allgemeine Sozialarbeit konzentriert, "ihrem" Familientreff aber weiter eng verbunden bleibt.

Elsbeth Oberhammer richtet ihr Büro im Familientreff ein. Das ehemalige Gummi'sche Waisenhaus, das bis Ende der neunziger Jahre das Kinderheim beherbergte, ist für sie ein besonderer Arbeitsplatz: "Ich habe einen starken Bezug zu diesem Haus. Es hat eine bewegte Geschichte, ist die Basis der Gummi-Stiftung, und ich habe hier vor 23 Jahren meinen ersten Arbeitstag verbracht." Sie habe sich gefreut, als sie gefragt wurde, ob sie die Leitung des Familientreffs übernehmen möchte: "Ich habe große Lust, noch einmal etwas Neues zu machen."

Sie sei froh und dankbar, dass es mit dem Familientreff weitergeht, sagt Oberhammer. "Wir haben hier etwas sehr Wertvolles aufgebaut und wollen bewährte Sachen, die gut laufen, auf jeden Fall weiterführen." Im Haus bleiben der Second-Hand-Laden für preiswerte Kinderkleidung und Ausstattung für Kinder, der künftig sogar noch mehr Platz bekommt, der offene Treff und die speziellen Angebote für junge Mütter. Auch die Senioren-Hobbyschreiner werden weiterhin im Keller werkeln.

Doch es gibt auch Neues: Zusätzlich zum offenen Treff und dem Spielcafé entsteht in einem Nebenraum ein Baby-Bistro mit einem Rückzugsbereich für Mütter mit Babys.


Impulse für den Alltag geben

"Junge Familien zu unterstützen, ihnen nach Bedarf Beratung und Hilfe anzubieten, ist eines unser wichtigsten Anliegen", betont Elsbeth Oberhammer. "Die Familienfreundlichkeit einer Kommune bemisst sich nicht allein danach, ob es genug Betreuungsplätze für Kinder gibt. Auch Familienzentren sind wichtige Bausteine." Deshalb werden die verschiedenen Beratungsangebote und Erziehungshilfen stärker mit dem Familientreff vernetzt. Und auch die Bildungsangebote für junge Familien werden ausgebaut. "Wir versuchen, Impulse zu geben, die helfen, alltägliche Probleme leichter zu meistern."