Stefanie Rivière, die viele Kulmbacher noch unter ihrem Mädchennamen Haslinger kennen, ist am gestrigen Montag mit einem unguten Gefühl in Paris auf die Straße gegangen. "Man fühlt sich nach der Terrornacht nicht mehr sicher", sagt die 47-Jährige, die seit zwei Jahrzehnten in Frankreich lebt.

Die gebürtige Kulmbacherin arbeitet im zehnten Stadtbezirk - in einer Modeagentur, die sich in der Nähe des Restaurants Le Petit Cambode befindet, in dessen Umfeld es viele Tote gegeben hat. "Auch der Bataclan-Konzertsaal ist nur wenige Minuten entfernt", berichtet Stefanie Rivière. Dort fand nach einer Geiselnahme das Massaker statt, bei dem 89 Menschen starben.

Ganz Paris steht unter Schock. Doch der Alltag geht weiter. "Ich bin mit sehr gemischten Gefühlen zur Arbeit gegangen. An jeder Ecke wird man an die Tragödie erinnert, an jeder Ecke spürt man die große Trauer", schildert die 47-Jährige, die mit ihrer Familie in einem Vorort von Paris wohnt, eine bedrückende Atmosphäre.


Sie war im Kino

Als die IS-Terrorgruppe zugeschlagen hat, war sie im Kino. "Eine Freundin hat mich am Handy über die Attentate informiert. Ich bin dann nach Hause und habe die ganzen Ereignisse am Fernseher verfolgt", sagt Stefanie Rivière.


"Nicht unterkriegen lassen"

Dass die Terroristen in der Konzerthalle "Bataclan" wie auch in Cafés und Restaurants zugeschlagen haben, zeige, dass diese gezielt auch die Jugend angreifen. "Die wollen unterbinden, dass junge Leute ausgehen und das Leben genießen, denn das verstößt gegen ihre extreme islamistische Doktrin", so die Ex-Kulmbacherin. Die IS-Kämpfer wollten die Bevölkerung einschüchtern. Man dürfe sich aber nicht unterkriegen lassen, müsse darauf achten, dass kein Keil zwischen Menschen verschiedener Nationalität und unterschiedlichen Glaubens getrieben werde.

"99 Prozent der Moslems haben die gleichen Werte und Lebenseinstellung wie wir", betont Rivière, die sich an die Zeit nach dem Anschlag auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo im Januar erinnert. "Da hat es danach auch in den Schulen Anfeindungen gegen moslemische Kinder gegeben. So etwas darf nicht mehr passieren."
Der Anschlag im Januar habe sich gegen Satiriker gerichtet, der vom Freitag gegen die Bevölkerung. "Es war wieder ein Anschlag gegen die Demokratie." Die 47-Jährige befürchtet, dass die Rechten um Le Pen nun noch mehr Zulauf bekommen.

Die Angst sei nach dem Terrorakt in Paris mehr denn je ein Wegbegleiter. Sicher fühle man sich in der Stadt nicht mehr, sagt Stefanie Rivière. "Denn man hat gesehen, dass es jeden immer und überall treffen kann."


Angst vor Racheakten

Trauer herrsche vor, aber auch die Angst vor Racheakten. "Jeder fragt sich, was kommt als nächstes." Dass es weitere Anschläge geben wird, davon ist die frühere Kulmbacherin fast überzeugt. Stefanie Rivière will in den nächsten Tagen die Metro meiden. "Wenn es möglich ist, gehe ich zu Fuß."


Die Unbeschwertheit ist dahin

Das Leben werde in Frankreichs Hauptstadt nicht mehr so unbeschwert sein wie früher, sagt sie. "Wir werden aber weiterhin ins Kino und auf Konzerte gehen. Meine Kinder sollen auch weiter zu Fußballspielen ins Stadion. Aber ein Stück weit wird dabei jetzt leider immer die Angst mitgehen."