Ein wenig aufgeregt sind Farshad, Farnaz und Mehdi schon: Vor so vielen Leuten zu sprechen, sind sie nicht gewohnt. Und in der deutschen Sprache fühlen sie sich auch noch nicht wirklich zuhause. Aber zu erklären, was es mit "Nouruz", dem iranischen Frühlingsfest auf sich hat, ist ihnen wichtig.
Die drei jungen Leute sind Teil einer kleinen Gruppe iranischer Flüchtlinge, die seit geraumer Zeit in Kulmbach leben. Weil sie sich durch ihren Protest gegen das Regime in Teheran in Gefahr gebracht haben, haben sie ihre Heimat verlassen. In Deutschland haben sie um Asyl nachgesucht. Ob sie bleiben dürfen, wird sich zeigen.
Auch wenn der Iran zur Zeit ganz weit fort ist - auf eine alte persische Tradition wollen Farshad, Farnaz und Mehdi nicht verzichten: Wenn Europäer den Frühlingsanfang feiern, treffen sich Iraner nach altem Brauch zum "Nouruz"-Fest, dem Neujahrsfest.
Und zum Nouruz-Fest haben die drei auch in Kulmbach eingeladen - in die Räume des Caritas-Kreisverbandes in der Bauergasse. Dort kümmert man sich seit jeher intensiv um die Flüchtlinge, bietet ihnen Sprachkurse und Begleitung bei Behördengängen an. Das Nouruz-Fest, das Farshad, Farnazh und Mehdi ausrichten, ist auch ein kleines Dankeschön - an die Caritas-Mitarbeiter und an viele andere, die sich oft unentgeltlich für die Flüchtlinge einsetzen.
Rund 50 Gäste sind der Einladung gefolgt. Die Festgesellschaft ist multikulturell: Der Kulmbacher OB Henry Schramm und die stellvertretende Landrätin Christina Flauder sind da, der katholische Dekan Hans Roppelt, auch der Hodscha der Türkischen Gemeinde, Ibrahim Kefci, und etliche seiner Landsleute. Sie erfahren viel über die Heimat der Flüchtlinge, hören Schilderungen von einer faszinierenden Landschaft und einer alten Kultur, aber auch von einem mörderischen Regime - und von mutigen Menschen, die sich unter Lebensgefahr für Demokratie und Menschenrechte einsetzen.
Die jungen Leute erzählen und zeigen Bilder. Sie tragen weiße T-shirts mit der grünen Aufschrift "Free Iran". Grün ist die Farbe der Demonstranten, die nach den Präsidentschaftswahlen im Sommer 2009 gegen das Regime Ahmadinedschad protestierten, weil sie überzeugt waren, dass die Wahlergebnisse gefälscht wurden.
Hauptsächlich aber geht es um Nouruz. Das Fest fällt auf den europäischen Frühlingsanfang - die Zeit, in der die Natur wieder erwacht, die Felder wieder bebaut werden können. Gefeiert wird der "neue Tag" (so eine mögliche Übersetzung) mit einem Festmahl. In traditionsbewussten Familien, so erzählen die Gastgeber, gehört "Haft Sin" unbedingt zum Fest. Das heißt auf deutsch "Sieben S" und steht für sieben Symbole, deren Namen im Persischen alle mit dem Buchstaben S beginnen: Sekke, Sib, Somach, Sombol, Sir, Sabsi, Serke (Münzen, Apfel, Gewürzsumach, Hyazinthen, Knoblauch, Kresse und Essig).
Liebevoll haben die Iraner auf einem Tisch ihr "Haft Sin" arrangiert. Und während sie erzählen und Nader Rezazadeh aus Bayreuth für die stimmungsvolle musikalische Untermalung sorgt, werkelt in der winzigen Küche Leila Teimouri, Javad Ahmadi arrangiert ein Buffet. Ein Reisgericht mit traditionellen Gewürzen und Fleisch soll es geben, ein Dessert, das nach Äpfeln und Mandeln schmeckt und intensiv nach Rosenwasser duftet, dazu Tee und Gebäck. Dass ihre Gäste reichlich bewirtet werden, ist der kleinen Gruppe von Flüchtlingen wichtig. Auch das ist schließlich Brauch zum Nouruz-Fest.