So richtig gelohnt hat sich für einen 22-jährigen Mann aus dem ehemaligen Landkreis Stadtsteinach der Einspruch gegen einen Strafbefehl nicht. Ohne Verhandlung war er zu 900 Euro Geldstrafe verurteilt worden, weil er beim berühmt-berüchtigten "Heiligen Frühschoppen" am 24. Dezember des vergangenen Jahres in der Oberen Stadt einem 26-jährigen einen kräftigen Faustschlag mitten ins Gesicht verpasst haben soll.

Dagegen legte der Mann Einspruch ein. In der Verhandlung wurde das Verfahren wegen vorsätzlicher Körperverletzung zwar eingestellt und der Angeklagte gilt damit nicht als vorbestraft. Allerdings bürdete das Gericht dem Mann eine Geldauflage von 1000 Euro auf.


Große Erinnerungslücken


Er habe keinerlei Erinnerung mehr an diesen Tag und könne sich auch nicht vorstellen, jemanden geschlagen zu haben, ließ der Angeklagte über seinen Verteidiger Alexander Schmidtgall aus Kulmbach erklären. Als Grund dafür gab der junge Mann seine Alkoholisierung an: "Ein paar Bier, Cocktails, ein paar Kurze, querbeet und das alles ab circa 9 Uhr", begründete er seinen Filmriss. Seine Erinnerung setze erst am ersten Weihnachtsfeiertag wieder ein.

Das Opfer, ein 26-Jähriger aus Kulmbach, war zwar auch alkoholisiert, konnte sich aber noch wesentlich genauer an den Vorfall erinnern. Die Kehrfahrzeuge seien schon gefahren, da sei er zur Seite getreten und auf den Angeklagten getroffen. Der soll gesagt haben: "Warum glotzt du so blöd". Dann schnippte ihm der Angeklagte die Zigarette aus dem Mund und verpasste ihm ganz unvermittelt den heftigen Faustschlag. Ergebnis waren eine gebrochene Nase, vier Wochen heftige Schmerzen und starke Blutungen.

Eigentlich habe er die Sache schnell vergessen wollen. Deshalb sei er weder zum Arzt noch zur Polizei gegangen. Die Nase will er sich selbst wieder zurechtgebogen haben. Die Polizei war allerdings schon zur Stelle und nahm gerade eine Ordnungswidrigkeit auf, weil ein betrunkener Besucher gerade an eine Hauswand uriniert hatte.


Per Facebook ermittelt


Das Opfer sei zwar leicht aggressiv, aber schon noch Herr seiner Sinne gewesen, sagte der aufnehmende Sachbearbeiter der Polizei. Auf den Angeklagten als Täter sei man erst später gestoßen. Das Opfer hatte ihn selbst per Facebook-Recherche ausfindig gemacht.

Von über 100 Leuten, die noch auf der Straße standen, berichtete ein Security-Mitarbeiter, der die Frühschoppen-Besucher eigentlich zur Seite drängen sollte, damit die städtischen Kehrmaschinen durchkommen.


Nase war wohl gebrochen


Schließlich war es auch schon fast halb drei und die meisten Offiziellen wollten nach Hause, um Weihnachten zu feiern. Auch eine der Kneipen in der Oberen Stadt hatte noch geöffnet und sei randvoll gewesen, berichtete der Mann von der Sicherheit. Er hatte per Funk von der Schlägerei erfahren, aber vor Ort nur noch das Opfer angetroffen. Es spreche alles dafür, dass die Nase tatsächlich gebrochen war, sagte Richterin Sieglinde Tettmann.

Das war aber auch schon die einzige Tatsache, die wirklich feststand. Alles weitere hätte umfangreichste Nachermittlungen nach sich gezogen, so dass sich Verteidigung, Staatsanwaltschaft und Gericht auf die Einstellung einigten. Allerdings sollte die Auflage über dem ursprünglichen Strafbefehl liegen, so Staatsanwalt Stefan Kolb.
Die 1000 Euro Geldauflage gehen nur an den Bayreuther Verein Avalon, der einen Notruf und eine Beratungsstelle für Opfer von sexueller Gewalt betreibt.